Holzhäuser: So bleiben sie fast ewig jung

Haus & Garten 03/2008 vom | aktualisiert am

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Holz verwittert. Mit den richtigen Massnahmen lässt sich aber die Lebensdauer verlängern.


Holz kann mehrere Hundert Jahre überdauern. Die ältesten bewohnten Holzhäuser in der Schweiz sind über 400 Jahre alt. Doch vor allem Fassaden und Fensterläden aus Holz können schnell altern. Dieser Prozess, für den Pilze und Insekten verantwortlich sind, lässt sich aber verzögern oder gar verhindern.

«Die entscheidendste Rolle spielt die Konstruktion», erklärt Experte Hans-Ueli Kipfer vom Hobel- und Oberflächenwerk Kälin in Winterthur. Ist sie nicht sauber ausgeführt, könnten spätere Schäden nicht einfach mit einem Anstrich korrigiert werden. Selbstverständlich sollte schon beim Bau nur getrocknetes Holz verwendet werden. Ein grosszügiges Vordach, eine ausreichende Sockelhöhe und eine entsprechende Hinterlüftung schützen Fassaden vor Durchnässung.

Konstruktionsholz sollte zudem so verbaut sein, dass Wasser ungehindert abfliessen oder das Holz dank guter Luftzirkulation schnell trocknen kann. «Der beste vorbeugende Holzschutz zielt darauf, Feuchtigkeit möglichst zu vermeiden», betont Hanspeter Fäh, Holzfachberater von Lignum, der Dachorganisation der Schweizer Wald- und Holzwirtschaft. Geradezu Gift ist stehendes Wasser in Holzbauteilen. Letztlich muss die Konstruktion bis ins letzte Detail korrekt ausgeführt sein, damit weder Nässe noch Pilze und Insekten eine Chance haben.


Das richtige Holz

Für die Lebensdauer eines Holzbaus weniger wichtig ist die Holzart. In der Schweiz gelten vor allem Nadelhölzer wie Arven, Douglasien, Fichten, Kiefer, Lärchen und Weisstannen als besonders langlebig. Gut halten sich auch Akazien, Eichen und Robinien; sie sind aber vergleichsweise teuer.

Wie weit soll Holz naturbelassen oder behandelt werden? Hier gilt:

  • Für den Innenbereich erachten die meisten Experten den Holzschutz als unnötig. Und sogar im Aussenbereich kann auf eine vorbeugende Oberflächenbehandlung verzichtet werden.
  • Aussergewöhnliche Situationen erfordern allerdings einen chemischen Holzschutz: So ist es sinnvoll, die dem Regen schutzlos ausgesetzten Teile zu imprägnieren.
  • Fensterrahmen bleiben mit einem hellen Farbanstrich besser im Mass, und es bilden sich weniger Ritzen.


Unbehandeltes Holz wird grau – wegen Pilzen

Der Witterung ausgesetztes unbehandeltes Holz verändert sein Aussehen. Dafür verantwortlich sind verschiedene Pilze. «Die dadurch verursachte Vergrauung des Holzes wirkt sich jedoch nur ästhetisch aus», so Fäh. Unter der dünnen Schicht aus Bläue- und Vergrauungspilzen bleibt das Holz fest und gesund.

Wer keine verwitterten Holzfassaden wünscht, kommt um einen Schutzanstrich mit Fungiziden nicht herum. Die Palette der Möglichkeiten ist gross:

  • Dünnschichtlasuren etwa lassen zwar die Holzstruktur durchschimmern, schützen jedoch nicht oder nur bedingt vor Sonnenlicht.
  • Deckende Farbanstriche lassen die Holztextur nicht mehr erkennen, schützen aber auch vor Regenwasser.
  • Seit einigen Jahren sind auf dem Markt spezielle «Verwitterungsstopper» erhältlich: Eine nanotechnologische Imprägnierung auf Siliziumbasis. Das Holz kann weiterhin atmen, die Schicht lässt Regenwasser abperlen, die Vergrauung erfolgt nur langsam und gleichmässig.
  • Vorpatinieren: Eine weitere Methode für eine gleichmässige Vergrauung. Das Holz wird vor seiner Verwendung am Bau der Sonne und dem Regen ausgesetzt und mit Pilzen «behandelt».


Gefährlichster Schädling ist der Hausschwamm

Wie bereits erwähnt: Auch der beste Anstrich kann eine mangelhafte Konstruktion nicht wettmachen. Gefährlich sind falsch angebrachte Dampfsperren und -bremsen, aufsteigende Feuchtigkeit, defekte Dächer sowie undichte oder schwitzende Wasserleitungen. Beträgt die Holzfeuchte 20 Prozent und mehr, finden Pilze und Insekten ideale Lebensbedingungen.

Der gefürchtetste Schädling ist der Echte Hausschwamm. Er kann Nadel- wie Laubhölzer befallen. Meist wird er erst entdeckt, wenn er schon viel zerstört hat. Die graubraunen Pilzstränge können sich über mehrere Meter erstrecken und Mauerwerk und Wände durchdringen. Der Hausschwamm kann, weil er Wasser nachzieht, sogar trockene Hölzer befallen.

Die Bekämpfung ist aufwendig und kostenintensiv. Zuerst müssen alle befallenen Bauteile entfernt werden. Eine anschliessende Feuchtsanierung ist unerlässlich, um dem Hausschwamm die Lebensgrundlage zu entziehen.

Andere Pilzarten wie Blättlinge, Keller- und Porenschwämme sind einfacher zu bekämpfen,weil sie «nur» feuchtes Holz befallen. Bei einer dauerhaften Trockenlegung der betroffenen Stelle sterben diese Pilze ab. Vor einer Sanierung ist aufjeden Fall genau abzuklären, um welche Art von Pilzen es sich handelt – eine Aufgabe für Spezialisten.


Insekten lieben es feucht und warm

Die bekanntesten tierischen Schädlinge sind der Hausbock, der Gemeine Nagekäfer und der Splintholzkäfer:

  • Der Hausbock ist auf Nadelhölzer spezialisiert. Der Befall ist an den Ausfluglöchern der Käfer und an den Fressgeräuschen der Larven festzustellen. Der Hausbock braucht mindestens 11 Prozent Holzfeuchte und liebt Temperaturen zwischen 24 und 30 Grad.
  • Der Gemeine Nagekäfer legt seine Eier wie der Hausbock in Risse und Ritzen, mag aber nebst Nadelhölzern auch Laubhölzer. Die Entwicklung vom Ei zum Käfer dauert bei ihm drei Jahre. Das Risiko des Käferbefalls kann durch trockenes Holz minimiert werden.

«Der von Insekten drohende Schaden wird oft allzu sehr dramatisiert», relativiert Fachmann Hans-Ueli Kipfer die Gefahr. Die meisten Insekten ernährten sich von Splintholz, das im Sägewerk bereits weggeschnitten werde, und nicht von der Zellulose.

Ein geringer Insektenbefall ist kaum gefährlich. Er deutet allenfalls auf einen kleinen Mangel hin. Bevor chemische Wirkstoffe eingesetzt werden, sollte ein Fachmann den Befall analysieren. Manchmal lässt sich das Problem durch eine Verbesserung der Konstruktion lösen. Fäh empfiehlt, bei einer Sanierung immer eine Vergleichsofferte einzuholen, denn in diesem Bereich tummelten sich einige schwarze Schafe.


Für dauerhaften Schutz brauchts Chemie

Eine Alternative zur Chemiekeule ist die Hitzebehandlung, eine traditionelle Methode, die aber kaum mehr angewendet wird. «Es ist ein rein bekämpfendes Verfahren, und ein allfälliger neuer Befall kann damit nicht verhindert werden», gibt Spezialist Urs Grossen von der Growe Holzschutz den wesentlichen Nachteil zu bedenken.

Dauerhafteren Schutz gibt es also nur mit chemischen Wirkstoffen. Allerdings sind die gegen drohende Holzschädlinge eingesetzten Insektizide und Fungizide meist auch für den Menschen mehr oder weniger giftig. Deshalb sollten nur Holzschutzmittel mit dem Lignum-Gütezeichen verwendet werden. «Es gibt Produkte, die absolut umweltverträglich und sogar kompostierbar sind», so Grossen.

Besondere Zurückhaltung mit chemischen Wirkstoffen ist im Innenbereich geboten. Bei Oberflächenbehandlungen und beim Einsatz von Pflegemitteln ist immer auch mit Emissionen in die Raumluft zu rechnen, zum Beispiel mit flüchtigen organischen Verbindungen (VOC).

Trotzdem: Gewachst, geölt, lasiert, versiegelt und gestrichen wird fast überall. Auf Böden, Decken und Wänden, vornehmlich aus ästhetischen Gründen. «Um gesundheitliche Risiken zu vermeiden, sollten nur klar deklarierte Mittel verwendet werden», warnt Fäh.

Übrigens: Holzschutzmassnahmen an einem Gebäude sind nichts für Laien. Dieses Vorhaben sollte zwischen Bauherren, Architekt und Holzschutzexperten geplant und abgesprochen werden.


Bei kleinen Schäden: Heimwerker ans Werk

Kleine Schäden an den Oberflächen von Möbeln (Kratzer, Scheuerstellen, Vertiefungen) kann der Heimwerker selber ausbessern. Mit dem passenden Material und dem richtigen Werkzeug ist die Reparatur nicht schwierig.

Benötigt werden – je nach Schaden – Wachskitt, Holzpaste, Spachtel, Schleifpapier oder -kissen, Retuschierstifte, Möbelpolitur oder Hartöl, Schwamm und Leinentuch. Die Utensilien sind in Bau- und Hobbymärkten, teils mit detaillierten Gebrauchsanleitungen (z. B. bei Obi) erhältlich.

Bevor man sich ans Werk macht, ist es allerdings wichtig, genau abzuklären, um welche Schäden es sich handelt und ob die zu bearbeitende Oberfläche aus rohem, geöltem oder lackiertem Holz ist.

Immer empfehlenswert vor der eigentlichen Reparatur:

  • Probieren Sie den Vorgang an einer unauffälligen Stelle des Möbelstückes zuerst aus, zum Beispiel an der Unterseite der Tischplatte.
  • Geöltes Holz: Scheuerstellen, Kratzer und Weinflecken können Sie mit Schwamm, Hartöl, Schleifkissen und Leinentuch leicht beseitigen.
  • Lackiertes Holz: Hier gilt es, zwischen Scheuerstellen auf dem Lack, Kratzern auf dem Lack oder in der Lackschicht und Flecken oder Graudurchschlägen zu unterscheiden. Je nachdem benötigen Sie fürs Ausbessern einen Retuschierstift, Wachskitt oder bloss Möbelpolitur.
  • Rohes Holz: Kratzer, Vertiefungen und Löcher werden mit Holzpaste, Spachtel und Schleifpapier und eventuell Retuschierstift zum Verschwinden gebracht.
  • Fensterläden und -rahmen, Balkongeländer: Diese Arbeit ist aufwendiger. Die Holzteile sollten auf keinen Fall mit dem Hochdruckreiniger gewaschen werden. Einzelne Risse im Anstrich können nach leichtem Anschleifen mit verdünnter Farbe ausgefüllt und überstrichen werden. Blättert die Farbe jedoch an vielen Stellen ab, muss der Altanstrich zuerst im Tauchbad entfernt werden. Danach die Holzschutzimprägnierung erneuern. Und zum Schluss: Die Fensterläden zwei- bis viermal streichen.


Weitere Infos

www.lignum.c
h > Professional > Holzschutz (Produkte und Spezialisten), Verzeichnis der Holzschutzfachleute.
Zudem sind Holzschutzmittel mit Lignum-Gütesiegel aufgelistet.
Kostenlose telefonische Auskunft unter 044 267 47 83 (Mo bis Fr, 8–12 Uhr).

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