Euro-Kreditkarten: In Deutschland ohne Jahresgebühr

K-Geld 03/2011 vom 24. Mai 2011 | aktualisiert am 1. Juni 2011

von Valeska Beck, Bernhard Bircher-Suits

Kreditkarten in Euro von Schweizer Anbietern sind eine teure Angelegenheit. Günstige Alternative: Plastikgeld der Deutschen Kreditbank.

Eine Euro-Kreditkarte ist interessant, wenn man regelmässig im Euroraum auf Einkaufstour ist. Aber auch Personen, die von der Schweiz aus häufig Waren in der Eurozone per Internet bestellen, sollten einen Kartenantrag prüfen.

Der Vorteil solcher Karten: Einkäufe und Bargeldbezüge in Euro werden der Karte ohne Wechselkursverluste belastet. Zudem entfallen im Euroraum Fremdwährungszuschläge.

Solche Zuschläge gehen auch für Besitzer von Gratis-Kreditkarten ins Geld: Wer beispielsweise mit der Franken-Kreditkarte von Coop für 1000 Euro in Deutschland einkauft, zahlt 15 Euro Fremdwährungs-­Zuschlag – 1,5 Prozent des Kaufbetrags.

K-Geld wollte wissen, welche jährlichen Gebühren bei namhaften Anbietern von Euro-Kreditkarten für einen Klein- und einen Grosskunden anfallen. Da­zu wurden die Standard- und Premium-Angebote von Banken in der Schweiz und in Deutschland unter die Lupe genommen (siehe Tabellen im pdf-Artikel).

In der Stichprobe vertreten sind nur Karten für Privatpersonen. Dar­unter sind:

  • die Mastercard-Gold-Karte, die Swisscard im Namen von Credit Suisse (CS) vertreibt.
  • das Plastikgeld der UBS und der Viseca. Letztere gibt die Kreditkarten für die Kunden von Kantonalbanken, Raiffeisen, Migros Bank und Bank Coop heraus.
  • die Karten der grenz­nahen Sparkasse Hochrhein in Waldshut (D) und das Angebot der Deutschen Kreditbank (DKB) – ein reiner Online-Anbieter.

Das Resultat des Kostenvergleichs: Wer auf die Karte Internet setzt, fährt mit dem Online-Eurokonto DKB-Cash der Deutschen Kreditbank am günstigsten. Im Set enthalten sind eine Visa- und eine Maestro-Karte zum Nulltarif – es fallen weder Kontoführungs- noch Karten-Jahresgebühren an.

Mit der DKB-Visakarte kann man zudem weltweit kostenfrei in Landeswährung an über einer Million  Automaten Bargeld be­ziehen. Das Angebot der deutschen Sparkasse Hochrhein sollte in Erwägung ziehen, wer eine Bank mit Filialen bevorzugt.

Die Kasse verlangt für ihre Master- und Visa-Standardkarten keine Jahresgebühren. Für das dazugehörige Euro-Konto Giro Komplett fallen aber beispielsweise Kontoführungsspesen von 90 Euro pro Jahr an. Je mehr Umsatz man mit der Kredit­karte macht, desto kleiner wird diese Gebühr.

Sie entfällt bei einem Jahresumsatz ab 20'000 Euro. Wer Euro-Kreditkarten einer Schweizer Bank bevorzugt, muss im zweiten Nutzungsjahr hohe Jahresgebühren in Kauf nehmen:  130 bis 350 Euro. Auch diese Gebühren können dank Bonussystemen mit Umsätzen von mehreren Tausend Euro wettgemacht werden.

Attraktiv ist bei den Schweizer Anbietern vor ­allem die Mastercard Gold International der UBS. Im Musterbeispiel zahlt der Kleinkunde rund 100 Euro, der Grosskunde 55 Euro Gebühren pro Jahr. Zu beachten gilt es bei der UBS aber: Wer auch das Euro-Konto bei der Grossbank führt, zahlt dafür 84 Franken im Jahr zusätzlich.

Kostenlos ist das Konto erst ab 10'000 Franken Gesamtvermögen. Zudem gilt bei allen Anbietern: Von den ­diversen Zusatzleistungen bei den Gold- und Platin-Karten sollte man sich nicht blenden lassen – sie nützen den Kunden meist wenig (siehe K-Geld 5/2010).


DKB-Karte: Keine Jahresgebühr und guter Zins

Das Angebot der DKB glänzt aber nicht nur wegen der wegfallenden Jahres­gebühr für die Visa-Kreditkarte. Auch das zur Karte gehörende DKB-Cash-Konto ist mit 0,5 Prozent Zins auf Guthaben attraktiv (siehe Tabelle oben im pdf-Artikel). Und Guthaben auf dem Visa-Kreditkartenkonto werden mit satten 1,65 Prozent Zins vergütet. Praktisch: Bei der Online-Bank kann man den Karten- und Konto-­Eröffnungsantrag per Internet einreichen.

Bei der Sparkasse Hochrhein geht das nicht. Wer ein Konto eröffnen und eine Karte beantragen will, muss persönlich mit einem Pass oder einer Identitätskarte an den Schalter.Der Haken bei den beiden deutschen Anbietern: Die Rechnungszahlung erfolgt ausschliesslich per Lastschrift-Verfahren. Bei Fehlbelastungen auf der Kreditkarte ist eine Rückforderung deshalb sehr aufwendig.

In der Schweiz sind die Mastercard Gold in Euro von der CS und die Visa Card Fremdwährung der UBS auf den ersten Blick am günstigsten. Sie kosten 65 Euro – aber nur im ersten Jahr. In den Folgejahren kosten beide Karten mit 130 Euro bereits das Doppelte. K-Geld hat daher in den Tabellen die Kosten im zweiten Nutzungsjahr aufgeführt.

Noch teurer sind naturgemäss Premium-Karten: Eine Visa Platinum der Viseca kostet 350 Euro pro Jahr – das sind rund 450 Franken. Auch die Platinum Card der UBS wird im ersten Jahr mit 175 Euro vergünstigt angeboten. In den Folgejahren kostet die Platinkarte ebenfalls das Doppelte.

Für die Mastercard Gold von Credit Suisse/Swisscard, die Visa Platinum von Viseca sowie für die UBS-Mastercard gilt: Die hohe Jahresgebühr lässt sich dank eines Bonus-Programms senken. Denn je nach Umsatzhöhe wird dem Nutzer im zweiten Jahr nur noch die Hälfte der Jahresgebühr belastet – im besten Fall entfällt die Gebühr komplett.


Teure Barbezüge am Schalter und an Automaten

Die Jahresgebühren für die Kreditkarten sind aber nicht die einzigen Kosten, die man im Auge behalten sollte. Wie bei allen Karten empfiehlt es sich nicht, Geld am Bankschalter oder am Automaten abzuheben. Ein Barbezug an Automaten im Euroraum kostet zwischen 2 Prozent (Sparkasse Hochrhein) und 3,75 Prozent (CS) Kommission.

Der Muster-Grosskunde zahlt für drei Bezüge von jeweils 500 Euro somit zwischen 30 und 56 Euro Kommission. Ausser Konkurrenz ist beim Barbezug am Automaten die DKB: Bei ihr ist dieser Service mit der Visa-Kreditkarte weltweit in Landeswährung kostenlos möglich.

 

Euro-Karten: Details zu den Musterkunden und zur Tabelle

Aufgelistet sind alle Kosten, die während eines Jahres für zwei Musterkunden anfallen. Beide brauchen ihre Euro-Kreditkarte fast nur bei Einkäufen.

  • Der Kleinkunde tätigt im Euroraum Käufe für 5000 Euro. Weil er seine Maestro-Karte vergessen hat, be­zieht er an Automaten Geld: einmal Euro in einem Euroland und und einmal Dollar in den USA.
  • Der Grosskunde kauft für 10'000 Euro ein. Er bezieht dreimal Bargeld im Euroraum und kauft in den USA für 1000 US-Dollar ein. Seine Partnerin hat auch eine Karte.
  • Geldbezug und Einkäufe in US-Dollar: Bei der UBS sind die Umrechnungskurse stets am schlechtesten.
  • Nicht berücksichtigt sind allfällige Versicherungsleistungen und andere Zückerchen für Kartenbesitzer. Nicht eingerechnet sind Schuldzinsen, die bei Raten- oder verspäteten Zahlungen fällig werden.

 


Euro-Konto: Nur bei der DKB ist es für alle gebührenfrei


Ein Euro-Konto ist für den Erhalt einer Kreditkarte zwar meist keine Pflicht. Wer jedoch die Kreditkarten-Rechnung so begleicht, vermeidet Wechselkursverluste. Die Wahl der Bank sollte aber gut überlegt sein.

Grund: Die Unterschiede bei Zinsen und Kontogebühren sind enorm, wie die Stichprobe zeigt. So verlangt die deutsche Online-Bank DKB für ihr Konto keine Jahresgebühr. Die CS verrechnet ihren Kunden hingegen 72 Franken.

Bei der UBS müssen die Kunden noch tiefer ins Portemonnaie greifen: Die Grossbank verlangt 84 Franken pro Jahr. Immerhin: Ab einer gewissen Guthabenhöhe ist die Konto­führung bei Schweizer Anbietern gratis.

Bei der Migros Bank entfällt die Kontogebühr ab 7500 Franken (CS: ab Fr. 15'000.–; UBS: ab Fr. 10'000.–). Zinsen: Die DKB landet mit 0,5 Prozent Zins pro Jahr auf ihrem DKB-Cash-Konto auf dem zweiten Platz hinter der Migros Bank. Diese zahlt mit 0,75 Prozent den höchsten Zins auf Eurokontoguthaben.

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