Uran und Arsen: Hahnenwasser besser als Mineral

saldo 14/2011 vom | aktualisiert am

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Eine Stichprobe zeigt: Wasser aus dem Hahnen enthält oft weniger giftiges Uran als stilles Mineralwasser. Auch Arsen findet man seltener im Leitungswasser als in Flaschen.

Uran in Flaschen: In einer saldo-Stichprobe im Juni enthielt jedes vierte stille Mineralwasser aus dem Laden mehr als 2 Mikrogramm Uran pro Liter (μg/l). Im Aproz Cristal der Migros fand das Labor sogar 9 μg Uran (saldo 11/11). Das Metall kann körperliche Schäden hervorrufen. In Deutschland darf für Säuglingsernährung beworbenes Mineralwasser höchstens 2 μg Uran pro Liter enthalten. In 4 der 25 Wasser konnten die Experten auch das giftige Halbmetall Arsen nachweisen. Total waren zehn Mineralwasser aufgrund erhöhter Uran- und Arsenwerte nur genügend oder ungenügend.

Wie aber steht es um die Qualität von Leitungswasser? saldo schickte 30 Proben aus 21 Kantonen ins Labor. Die Ergebnisse hat saldo nach denselben Kriterien bewertet wie die Mineralwasser.

Das erfreuliche Resultat: Kostenloses Hahnenwasser schneidet besser ab als stille Mineralwasser aus dem Laden. Alle 30 Proben Hahnenwasser wiesen weniger als 2 μg Uran pro Liter auf (siehe Tabelle). In 3 der 30 Proben fand das Labor Arsen. Damit kommt das Halbmetall im Leitungswasser seltener vor als im Mineralwasser. Allerdings weist das Leitungswasser aus Pontresina GR 5,7 μg Arsen auf. Der höchste Wert beim Mineralwasser betrug 3,8 μg. Gian Andri Lehner, Brunnenmeister von Pontresina, betont, dass dieses Leitungswasser gemäss Gesetz nicht gesundheitsschädlich ist.


Im selben Ort sind sehr unterschiedliche Werte möglich

Häufig enthält Mineral- und Leitungswasser aus Bergkantonen mehr Uran und Arsen, da es länger durch uran- und arsenhaltiges Gestein wie Granit fliesst als Leitungswasser im Flachland. Einzelne Resultate der Stichprobe überraschen deshalb: Das Churer Hahnenwasser etwa schnitt besser ab als jenes aus Ermatingen TG. Und das Hahnenwasser aus Basel, Wettingen AG und Wil SG wies mehr Uran auf als die Walliser Proben aus Monthey und Bellwald.

Trotz der guten Werte in der Stichprobe gibt es in der Schweiz Haushalte, deren Leitungswasser grössere Arsen- und Uranmengen enthält. Die Werte können selbst innerhalb einer Gemeinde stark variieren. Das zeigte eine Leseraktion des «Gesundheitstipp» vor sechs Jahren. In jeder 16. Gemeinde fand man Trinkwasser mit über 2 μg Uran pro Liter. Eine Probe aus Brigels GR wies 10 μg, eine aus Visperterminen VS gar 17 μg Uran auf («Gesundheitstipp» 11/06).
Im 2005 liess das Bundesamt für Gesundheit Trinkwasser aus dem Wallis auf Arsen untersuchen: In Sitten wies man 80 μg Arsen, in Vex 99 μg und in der nordöstlichen Region von Oberwald gar 101 μg Arsen pro Liter in Trinkwasserquellen nach. Laut dem Walliser Kan­tons­chemiker Elmar Pfammatter wurden die betroffenen Quellen eliminiert.

In Deutschland darf ab November kein Wasser mit mehr als 10 μg Uran pro Liter aus dem Hahnen fliessen. In der Schweiz gibt es für das Element Uran keinen Grenzwert. In der EU darf Trinkwasser nicht mehr als 10 μg Arsen pro Liter aufweisen. So empfiehlt es die Weltgesundheitsorganisation WHO. In der Schweiz sind 50 μg Arsen im Trinkwasser zulässig.


Bund: Verbesserung der Trinkwasserwerte ist ein Thema

Laut Sabina Helfer, Sprecherin des Bundesamts für Gesundheit, wartet man vor der Festlegung eines Uran-Grenzwertes für Trinkwasser die Ergebnisse einer seit 2004 laufenden Messkampagne über Schwermetalle im Trinkwasser ab. Wann diese abgeschlossen sein wird, weiss das Amt nicht.
Zu Arsen steht auf der Homepage des Bundesamts: «Eine lang andauernde hohe Arsenaufnahme kann zu gesundheitlichen Schäden und Krebs führen.» Gemäss Helfer gibt es Pläne, den Arsen-Grenzwert «zum besseren Schutz der Konsumenten» von 50 auf 10 μg/l Trinkwasser zu senken. Allerdings müssten «lokale Trinkwasserquellen saniert oder geschlossen werden, was mit finanziellen Investitionen in Millionenhöhe verbunden wäre».

Nachbestellungen der saldo-Mineralwasser-Stichprobe: Tel. 044 253 90 50, abo@saldo.ch oder www.saldo.ch.


Kriterien

saldo schickte 30 Proben Leitungswasser aus 21 Deutschschweizer Kantonen ins Labor Simec in Zofingen AG. Die Experten untersuchten das Trinkwasser aus Haushalten auf folgende Substanzen:

◼ Uran: Kommt natürlicherweise im Ge­stein vor. Durch das Grundwasser wird es herausgelöst und gelangt so ins Trinkwasser. Das radio­aktive Schwermetall ist hochgiftig. Es sammelt sich im Körper an und kann Nieren, Lunge, Leber sowie Knochenmark schädigen.

◼ Arsen: Gelangt wie Uran durch das Gestein ins Wasser. Eine dauerhaft hohe Aufnahme des giftigen Halbmetalles kann zu Gesundheitsschäden und Krebs führen.

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