Der flämische Historiker David van Reybrouck diagnostiziert in seinem neuen Buch mit dem lakonischen Untertitel «Warum Abstimmen nicht demokratisch ist» ein «demokratisches Ermüdungssyndrom». Zwar würden sich immer mehr Menschen nach Demokratie sehnen, doch niemand glaube mehr daran. Seine Kernthese: «Wir sind dabei, unsere Demokratie kaputt zu machen, indem wir sie auf Wahlen beschränken.» 

Reybroucks Lösung: Es braucht ein neues Wahlsystem. Vorbild sollte das antike Athen sein. Die Athener wählten ihre Volksvertreter per Los. Er zitiert dabei Montesquieu: «Wahl durch Los entspricht der Natur der Demokratie, Wahl durch Abstimmung der Natur der Aristokratie.» Der belgische Schriftsteller leistet einen wichtigen Debattenbeitrag in einer Zeit, in der Donald Trumps Haarpracht oder Bundesrat Schneider-Ammanns Französischkenntnisse für mehr Gesprächsstoff sorgen als die Frage nach der Ursache der hohen Wahlabstinenz.

David van Reybrouck, «Gegen Wahlen. Warum Abstimmen nicht demokratisch ist», Wallstein, 198 Seiten, ca. Fr. 25.–, E-Book ca. Fr. 16.–