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Artikel | saldo 1/2005

E-Smog: Beruhigen statt forschen

Zwei Bundesämter behaupten, der Elektrosmog sei bei Energiesparlampen kein Problem. Die Hersteller zahlten an die Studie.

 

Geringe elektromagnetische Strahlung von Energiesparlampen»: Unter diesem Titel fasst das Bundesamt für Energie (BFE) eine aktuelle Studie zusammen. Die Strahlung bewege sich im Rahmen anderer Haushaltgeräte und halte deren Grenzwerte deutlich ein. Fazit des Bundes: «Energiesparlampen können ohne Bedenken eingesetzt werden.»

Das erstaunt: Eine von saldo in Auftrag gegebene Studie kam letzten Oktober zu anderen Schlüssen. Das unabhängige Labor Technik-Umwelt Neosys AG in Gerlafingen SO stellte fest, dass Stromsparlampen in 30 Zentimeter Abstand so stark strahlen wie ein aktiv sendendes Handy. Das kann bei elektrosensiblen Menschen zu Kopfweh führen - auch wenn die Grenzwerte nicht überschritten werden.

Fachleute bemängeln, dass Messungen in der Bundesstudie auf einer so grossen Skala präsentiert werden, dass kaum erkennbar ist, wie viel Elektrosmog tatsächlich abgestrahlt wird. Zudem geht die Untersuchung kaum auf die zum Teil markanten Strahlenunterschiede verschiedener Lampen ein und vergleicht die Durchschnittswerte etwa mit einem Haarföhn.

Felix Frey vom BFE rechtfertigt das Vorgehen: «Unser Ziel war es nicht, herauszufinden, wie unterschiedlich stark Stromsparlampen strahlen. Wir wollten den Elektrosmog der Lampen mit anderen Haushaltgeräten beurteilen.» Mit andern Worten: Verglichen wurde der E-Smog der Stromsparlampen nicht nur mit andern Lichtquellen, sondern auch mit Geräten, die nur kurz in Betrieb sind.

Experte Martin von Allmen vom Labor Neosys kritisiert: «Ich habe den Eindruck, dass es sich mehr um eine PR-Schrift als um eine neutrale Untersuchung handelt.»

In Auftrag gegeben wurde die Studie des Bundes ausgerechnet von jener Fachstelle, die den Einsatz von Sparlampen propagiert. Zudem erstaunt, dass sich der Bund heikle Studien von der Industrie mitfinanzieren lässt. Frey: «Die Lampenhersteller Philips und Osram zahlten einen Drittel der Kosten. Das hat aber keinen Einfluss auf die Resultate.»

MM

19. Januar 2005


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