Viele Tischleuchten erfüllen ihren Zwecke nicht

saldo 03/2008 vom

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Jede vierte Tischleuchte braucht im Standby-Modus mehr Strom als im Betrieb. Das zeigt ein Test des WWF.

Entweder sind sie zum Lesen oder Arbeiten unbrauchbar, scheitern an einer zu langen Aufstartzeit oder kosten mehr Strom als nötig. Die Schweizerische Agentur für Energieeffizienz (Safe) hat den Test im Auftrag des WWF und der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich durchgeführt. Für Projektleiter Stefan Gasser ist das Ergebnis enttäuschend: «Es werden viele Tischleuchten angeboten, die erhebliche Mängel haben und ihren Zweck niemals erfüllen.»


Jumbo nimmt die Modelle Burma und Blis aus dem Regal

Getestet wurden ausschliesslich Tischleuchten mit energieeffizienten Leuchtmitteln wie Sparlampen, Leuchtstofflampen oder LED. Die Produkte zum Arbeiten oder Lesen stammen von neun Anbietern und sind alle für unter 200 Franken erhältlich. Die Leuchten wurden im Labor auf fünf Kriterien untersucht (siehe «So wurde getestet»).

Bewertet wurde auch die Energieeffizienz. Das düstere Ergebnis: Jede vierte Tischleuchte braucht im Standby mehr Strom als im Betrieb. So auch das Schlusslicht der Rangliste, das Modell Burma von Jumbo. Ausgeschaltet verbraucht diese Leuchte im Jahr gleich doppelt so viel Strom, wie wenn sie eingeschaltet ist. Jumbo reagiert und streicht die Leuchte sowie das vom selben Hersteller produzierte Modell Blis per sofort aus dem Sortiment.

Tipp: Um einen stromfressenden Fehlkauf zu vermeiden, sollte man im Laden darauf achten, ob die Leuchte ein Steckernetzteil hat, welches im ausgeschalteten Zustand warm ist. Je wärmer das Netzteil, umso mehr Strom wird im Standby verbraucht.

Acht der untersuchten Tischleuchten – darunter alle drei Modelle von Jumbo und zwei von Micasa – sind weder zum Lesen noch zum Arbeiten geeignet. Grund: Die beleuchtete Fläche ist zu gering und die Beleuchtung zu schwach. Beim Kauf sollte man daher einen klein gedruckten Text unters Licht halten – möglichst ohne Umgebungslicht von aussen oder von anderen Leuchten.


Modell Format: Über 2 Minuten Aufstartzeit


Die Tester kritisieren zudem die lange Aufstartzeit einiger Produkte. Fast jede fünfte der 27 Leuchten braucht länger als eine Minute, bis sie das volle Licht abgibt, während gute Modelle nur 10 bis 30 Sekunden benötigen. Am schlechtesten schnitt hier Ikeas Leuchte Format ab – mit 2 Minuten 30 Sekunden Aufstartzeit. Im Testbericht wird daher eine Deklaration der Aufstartzeit auf den Produkten gefordert.

Tipp: Im Laden darauf achten, ob die Lampe beim Anknipsen gleich voll erstrahlt oder nur Schummerlicht abgibt.

Schlecht schnitten im Test auch die LED-Leuchten ab. Obwohl ihnen Fachleute dank der langen Lebensdauer und guten Energieeffizienz eine grosse Zukunft voraussagen, waren es im Test gerade diese Produkte, die mit ungenügenden Noten enttäuschten: Nur 2 der 7 LED-Leuchten erfüllten die Testkriterien.

Stefan Gasser glaubt den Grund zu kennen: «Die Entwicklung der LED ist rasant, es kommen laufend neue Modelle auf den Markt.» Die veralteten Produkte würden von den Herstellern in billige Massenware verbaut, die dann zu vertretbaren Preisen im Grosshandel erhältlich seien. «Diese Produkte sind jedoch oft unbrauchbar, wie auch der Test beweist», so Gasser. Sein Fazit: «Wer in den nächsten drei bis fünf Jahren mit LED-Leuchten einen Beitrag zum Energiesparen leisten will, muss mindestens 500 Franken ausgeben.» Will man weniger Geld hinblättern, sollte man zu Spar- und Leuchtstofflampen greifen.

Der Vergleich zwischen Kosten und Qualität bringt immerhin eine erfreuliche Tatsache ans Licht: Gut ist nicht gleich teuer. Von den 12 empfohlenen Leuchten sind 5 günstiger als 50 Franken.


So wurde getestet


Im Labor wurden fünf Kriterien getestet:

  • Energieeffizienz der Leuchte
  • Beleuchtungsstärke im Lese- beziehungsweise Arbeitsbereich
  • Aufstartzeit bis zur vollen Helligkeit
  • Grösse und Gleichmässigkeit der beleuchteten Fläche.

Jedes Kriterium wurde mit einer Note von 2 bis 6 bewertet. Die in der saldo-Tabelle (siehe pdf-Artikel) aufgeführte Gesamtnote ist die Durchschnittsnote aller fünf Kriterien. Die Note für die Grösse der beleuchteten Fläche wurde doppelt gewichtet.

Um vom WWF empfohlen zu werden, mussten die Leuchten in der Energieeffizienz mindestens die Note 5 («gut») und in den restlichen Kriterien mindestens die Note 4 («genügend») erzielen. Zudem durfte die Gesamtnote nicht unter 4,5 liegen.

Die zwölf Leuchten, welche die Testkriterien erfüllen, sind in der Tabelle mit 4 gekennzeichnet. Testsieger unter www.topten.ch, detaillierte Testinfos im pdf-Artikel.


Die drei Lampentypen

Sparlampen. Im letzten Jahr wurden rund drei Millionen davon verkauft. Heute sind pro Haushalt im Schnitt zwei Sparlampen im Einsatz – Tendenz stark steigend. Die Qualität ist sehr unterschiedlich. Es kommen laufend neue Typen auf den Markt. Zurzeit kosten die Leuchten zwischen 2 und 20 Franken. Sie verbrauchen gut vier Mal weniger Energie als Glühbirnen. In sechs Jahren kann man so pro Lampe rund 100 Franken Stromkosten sparen. Während die Glühlampe im Schnitt nur ein Jahr im Einsatz ist, beträgt die Lebensdauer einer Sparlampe bis zu sechs Jahre. Weiterer Vorteil: Sparlampen werden nicht heiss.


Leuchtstofflampen (FL, CCF).
Diese Lampen funktionieren wie Sparlampen und sind in Form von Röhren, Ringen, Kompakt- und Miniaturlampen erhältlich. Das Angebot ist unübersichtlich, sodass es sogar für Fachleute schwierig ist, den richtigen Ersatz zu finden. Der Energieverbrauch ist vier bis acht Mal besser als bei einer Glühlampe – Leuchtstofflampen sparen also noch mehr Strom als Sparlampen und sind mit zehn Jahren Einsatzdauer langlebiger. Eine Lampe kostet zwischen 5 und 30 Franken. Industrie- und Dienstleistungsbetriebe sind zu 90 Prozent mit Leuchtstofflampen ausgestattet, im Haushalt beleuchten sie vorwiegend Küche und Bad.


LED. Heute ist die LED vor allem als Dekorationsbeleuchtung bekannt, Experten gehen jedoch davon aus, dass sie in fünf Jahren grosse Teile der Spar- und Leuchtstofflampen ersetzen. Im Energieverbrauch weisen die einzelnen Produkte noch beachtliche Unterschiede auf; die besten erreichen jedoch bereits die Effizienz von Sparlampen. Die Lebensdauer reicht bis zu 50 000 Betriebsstunden, was einem Dauereinsatz von fast sechs Jahren entspricht. Mit einem Preis von 10 bis 100 Franken ist dieser Lampentyp einiges teurer als die Konkurrenz. LED sind weiss oder farbig und meist direkt in die Leuchten eingebaut.


Weitere Infos

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Kommentare

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von ESuter am
13.01.2009, 22:51

Strom sparen mit LED ???

Für 140 Fr. habe ich bei den EKZ eine LED-Lampe gekauft. Am Abend vor dem Einschlafen lese ich jeweils noch max. eine Stunde im Bett. Mit einer normalen Glühlampe verbrauche ich so 40 Wh. Meine LED ist über ein Steckernetzteil dauernd angeschlossen und nimmt im Ruhezustand 4 W auf, eingeschaltet 6W. Somit verbrauche ich mit der Sparlampe 4 x 24 + 6 = 102 Wh. Meiner Meinung nach ist es reine Bequemlichkeit, die Gleichspannung nach dem Netzteil zu schalten und nicht die 220V. Eine Reklamation bei den EKZ hatte nur ein Achselzucken zur Folge. Das sei nun eben mal so. Da lasse sich nichts ändern... Vielleicht kann der Kassensturz dieses ( kleine ) Thema einmal kurz anschneiden. Er ist besser in der Lage, die Phantasie eines Herstellers zu beflügeln als ein einzelner "Nörgeler". Freundliche Grüsse E. Suter

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