Nachtcremes: Discounter schlägt die teurere Konkurrenz

saldo 15/2009 vom 22. September 2009

von Jeannette Büchel, Redaktion K-Tipp/saldo

Mit manchen Nachtcremes bringt man nicht nur Feuchtigkeit, sondern auch heikle Substanzen auf die Haut. Das zeigt der saldo-Test.

Häufiges Waschen und raues Klima sorgen für trockene Haut. Auch mit zunehmendem Alter neigt die Haut zu mehr Trockenheit. Nachtcremes enthalten im Gegensatz zu Tagescremes viel mehr Fette, die das Austrocknen der Haut verhindern sollen. saldo wollte wissen, welche Nachtcremes die Haut über längere Zeit mit viel Feuchtigkeit versorgen und überdies keine Schadstoffe enthalten. Zwölf häufig verkaufte Produkte kamen in die Untersuchung. Nur Iseree von Lidl erzielte die Note «sehr gut». Mit 12 Franken pro 100 Milliliter gehört diese Creme zu den günstigsten im Test. Drei Cremes waren ungenügend: I am Face, Olay und L’Oréal.


Feuchtigkeit: The Body Shop und Iseree sehr gut

Nachtcremes sollten nicht nur kurzfristig Feuchtigkeit in die Haut bringen, sondern sie möglichst lange erhalten. Dazu wurde die Hautfeuchtigkeit von zehn Testpersonen unmittelbar nach der Anwendung sowie zwei, vier und sechs Stunden später gemessen. Zwar nimmt der Feuchtigkeitsgehalt der Haut bei allen Cremes im Lauf der Zeit ab. Einige Cremes können jedoch besser als andere die Haut mit viel Feuchtigkeit versorgen – bestenfalls etliche Stunden.

Zwei Produkte waren bei diesem Kritierium sehr gut: The Body Shop und Iseree. Die Testpersonen mit der Body-Shop-Creme hatten nach sechs Stunden um über 80 Prozent feuchtere Haut im Vergleich zur unbehandelten Haut. Bei der Iseree-Nachtcreme lag dieser Wert nach vier Stunden bei über 77 Prozent. Vier Cremes schnitten hier hingegen eher unterdurchschnittlich ab und erhielten nur genügende Noten: Ombia Cosmetics, Weleda, Beldam und L’Oréal.

Michael Leuenberger von Weleda schreibt in seiner Stellungnahme, dass die kurzzeitige Messung der Hautfeuchtigkeit die ganzheitliche Philosophie von Weleda nicht berücksichtige. Weleda wolle das natürliche Gleichgewicht der Haut fördern. Aldi und Coop kommentierten die eher dürftigen Ergebnisse ihrer Produkte punkto Hautbefeuchtung nicht. L’Oréal hält die Produkte im Test für nicht vergleichbar.


Unnötig viel Formaldehyd in der Olay-Nachtcreme

In manchen Cremes stecken heikle Inhaltsstoffe. So fand das Labor in den Produkten von Garnier und The Body Shop Spuren von Formaldehyd. Diese allergene und krebsverdächtige Substanz wird in Kosmetika häufig als Konservierungsmittel eingesetzt. Die gefundenen Mengen in den beiden Cremes sind allerdings sehr gering. Deshalb führte dies nur zu einer Abwertung von 0,2 Notenpunkten. Deutlich mehr Formaldehyd fand das Labor in der Olay-Nachtcreme, nämlich 88 mg/kg.

Dieser Wert liegt zwar unter der gesetzlich tolerierten Höchstmenge, ist aber dennoch unnötig hoch. Deshalb verringert sich die Gesamtnote der Olay-Creme um einen Punkt, was zum Gesamturteil «ungenügend» führt. Die Herstellerfirma Deurocos hält die Formaldehyd-Abspalter in der verwendeten Konzentration für gesundheitlich unbedenklich.

Drei Nachtcremes enthalten einen oder mehrere Duftstoffe mit hohem Allergiepotenzial: The Body Shop, Nivea Visage und L’Oréal. Während The Body Shop und Nivea diese Ergebnisse nicht kommentieren, ist L’Oréal der Ansicht, dass diese Stoffe «nicht gesundheitsschädlich sind» und dass es für Allergiker ausreiche, wenn sie auf der Packung deklariert seien. Die Ergebnisse der übrigen Produkte im Test zeigen jedoch, dass gute Cremes ohne heikle Substanzen auskommen.


I am Face: Migros überarbeitet Rezeptur

Polyzyklische Moschusverbindungen fand das Labor in L’Oréal und I am Face. Auch was diese Substanzen betrifft, ist L’Oréal der Ansicht, «dass die Gesundheit von den in der Kosmetik eingesetzten Konzentrationen nicht beeinträchtigt wird». Migros hingegen sieht Grund zum Handeln. Sprecherin Nathalie Eggen: «Die Migros überarbeitet die Rezepturen aller I-am-Cremes. Noch im ersten Halbjahr 2010 wird keine Creme mehr im Sortiment sein, welche polyzyklische Moschusverbindungen enthält.»


So wurde getestet

Das Labor Eurofins Consumer Product Testing in Hamburg hat die Nachtcremes im Auftrag von saldo getestet.

  • Hautbefeuchtung: Mit Hautmessungen an 10 Personen untersuchte das Labor, wie gut die Nachtcremes die Haut befeuchten. Dazu massen sie mit einem Corneometer die Hautfeuchtigkeit der Versuchspersonen vor der Anwendung sowie zwei, vier und sechs Stunden später.
  • Formaldehyd: Kann über Atemwege und Haut aufgenommen werden, greift die Atemwege an und kann beim Einatmen Krebs auslösen. Zudem ist es ein starkes Allergen. Dennoch ist Formaldehyd in Kosmetika bis zu einer Konzentration von 0,2 Prozent (2000 mg/kg) erlaubt. Es ist erst ab einer Menge von 0,05 Prozent zu deklarieren.
  • Duftstoffe mit hohem Allergiepotenzial: Seit 2007 müssen die Hersteller 26 Duftstoffe mit erhöhtem allergenem Potenzial einzeln deklarieren, wenn sie den Gehalt von 10 mg/kg übersteigen und auf der Haut bleiben. Diese Duftstoffe sind gemäss ihrem Allergiepotenzial in vier Kategorien eingeteilt. Als heikel gelten die Stoffe der Kategorien A und B.
  • Polyzyklische Moschusverbindungen: Diese Duftstoffe reichern sich im menschlichen Körper an und sind schlecht abbaubar. Einzelne Vertreter dieser Stoffgruppe sollen gemäss dem deutschen Umweltbundesamt schwach erbgutverändernd wirken und den Hormonhaushalt beeinflussen. Das Gesetz sieht keine Höchstmengen für diese Verbindungen vor.


saldo hat in der Ausgabe 3/07 bereits einen Nachtcreme-Test publiziert. Dessen Ergebnisse sind nicht mit den aktuellen Resultaten vergleichbar, weil neue Kriterien hinzukamen. Im Test von 2007 wurden vor allem die Inhaltsstoffe beurteilt. Nicht aber wie gut die Cremes die Haut befeuchten.

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