Günstige Lösung für gute Fotodrucke

saldo 4/2002 vom

Wer digitale Fotos ausdrucken möchte, braucht dazu keinen teuren Drucker. Doch bei den Verbrauchskosten sind die Unterschiede gross.

Tintenstrahldrucker sind die beliebtesten Druckertypen überhaupt. Zu Recht: Sie sind günstig in der Anschaffung und vielseitig. Beim Textdruck können sie qualitativ beinahe mit Laserdruckern mithalten. Und auch die Farbe bringen sie immer besser aufs Papier. Ihr Nachteil: Die Verbrauchskosten sind hoch. Trotzdem: Wer den Drucker nur für private Zwecke benötigt, ist mit einem Tintenstrahler am besten bedient. Denn die Preise liegen weit unter denen von Laserdruckern. Die Westschweizer Fédération Romande des Consommateurs hat zusammen mit der französischen Union Fédéral des Consommateurs - Que choisir neun Tintenstrahldrucker der vier Marktriesen Canon, Epson, Lexmark und Hewlett Packard getestet. Alle Modelle sind PC- sowie Mac-tauglich. Sie kosten zwischen 169 und 369 Franken.

Hauptaugenmerk legten die Tester auf die Fotoqualität und die Druckkosten. Mit allen Geräten lassen sich Fotos ausdrucken - zum Teil in erstaunlicher Qualität. Ideal also für alle, die eine Digitalkamera ihr Eigen nennen und die Bilder gerne selber ausdrucken möchten. Der Umweg über das Fotolabor fällt damit weg. Preislich können die Tintenstrahler mit den professionellen Fotolabors mithalten. Je nach Anbieter kosten 100 Fotoabzüge im Format 10 x 15 cm ab digitalem Datenträger zwischen 60 und 100 Franken. Die Druckkosten - Spezialpapier und Tinte inklusive - der getesteten Tintenstrahler betragen für die gleiche Anzahl Fotos zwischen 58 und 86 Franken.


Zum Teil extrem lange Druckzeiten für Fotos

Allerdings: Wer die Fotos zu Hause ausdruckt, braucht ganz schön Geduld. Während die Drucker eine A4-Textseite in Schwarz in 14 Sekunden (Canon S 630) bis 47 Sekunden (Epson Stylus Photo 810) schaffen, brauchen sie für eine Farbfoto wesentlich länger. Volle 8 Minuten benötigt der Epson Stylus C 70 für ein Bild im Format 10 x 15 cm. Ebenfalls deutlich über 7 Minuten liegt die Druckzeit der beiden andern Epson-Modelle Stylus C 60 und Stylus Photo 810. Auch der Lexmark-Drucker Z 43 benötigte beinahe 6 Minuten. Ganz klar ungenügend, urteilten die Tester. Mit nur gerade 58 Sekunden für ein Farbbild erhielt der Canon S 630 in Sachen Geschwindigkeit hingegen die Bestnote.

Das Drucken von Text und Farbgrafik stellt für alle Drucker keine allzu grosse Hürde dar. Die Hewlett-Packard-(HP) und Lexmark-Modelle waren ihren Konkurrenten mit der Note «gut» etwas voraus. Sämtliche Geräte schnitten hier mindestens genügend ab.

Grösser sind die Unterschiede beim Fotodruck. Beim Kriterium Druckfehler erhielt der HP Deskjet 845 c die Note «mangelhaft». Von diesem Drucker könne unmöglich ein Bild in Fotoqualität erwartet werden, fanden die Tester. Die Details seien nur mittelmässig wiedergegeben. Die Modelle HP Deskjet 920 c, Canon S 630 und Lexmark Z 53 erhielten die Note «genügend». Auf den Fotodrucken dieser Geräte seien die Bildpunkte noch deutlich zu erkennen, wurde im Test bemängelt. Beim Lexmark Z 53 sind beim Fotodruck Linien sichtbar.


Lexmark-Drucker: Mangelhafte Farbintensität

In Sachen Farbwiedergabe darf man von den Tintenstrahlern nichts Fantastisches erwarten. Einzig die beiden HP-Modelle erhielten aufgrund ihrer grossen Farbpalette die Note «gut». Die Lexmark-Drucker schnitten hingegen mangelhaft ab - ihren Farben fehlte die Intensität.

Bei der Beurteilung des Gesamteindrucks der Fotos standen die beiden Lexmark-Modelle und der Epson Stylus C 70 mit der Note «mangelhaft» im Abseits. Vor allem die Fotodrucke der Lexmark-Modelle wurden von der Jury kritisiert. Sie wirkten platt und kontrastlos. Die Farben machten einen unechten Eindruck, und die Bilder wirkten verschleiert. Mühe hatte Lexmark auch mit Hauttönen: Sie schienen im Ausdruck orange. Auch beim Epson Stylus C 70 bemängelten die Tester die schlechte Bildqualität: Die Bilder seien stumpf und matt und die Blau- und Rottöne nur schlecht wiedergegeben.

Die Note «genügend» erhielten Canon S 630 und HP Deskjet 845 c. Im Detail sind auf den Farbdrucken dieser Modelle Druckfehler erkennbar. Als Einziger erhielt der Epson Stylus C 60 bei diesem Kriterium die Note «sehr gut».


Verbrauchskosten: Aufgepasst bei den Tintenpatronen

Wer glaubt, mit der Anschaffung eines günstigen Druckers ein Schnäppchen gemacht zu haben, liegt unter Umständen falsch. Denn Kasse machen die Hersteller vor allem beim Verkauf von teuren Patronen und Spezialpapier. Die Verbrauchskosten der Drucker sind sehr unterschiedlich - ein Vergleich lohnt sich insbesondere für Vieldrucker. Das zeigt sich bereits beim Schwarz-Weiss-Druck: Beim Canon S 630 betragen die Kosten, um 100 A4-Seiten zu bedrucken, gerade mal Fr. 6.80. Volle Fr. 24.60 hingegen müssen Besitzer eines Lexmark Z 43 für dieselbe Druckmenge ausgeben. Der Grund: Beim Lexmark-Modell ist der Druckkopf in die Tintenpatrone eingebaut, was die Kosten in die Höhe schnellen lässt.

Auch beim Fotodruck ist das Sparpotenzial gross. Hier fällt wiederum der Canon-Drucker S 630 durch eher tiefe Verbrauchskosten auf. Der Ausdruck von 100 Fotos im Format von 10 x 15 cm kostet bei diesem Modell inklusive Tinte und Spezialpapier Fr. 53.70. Schlusslicht ist wieder ein Lexmark-Drucker: Fr. 86.30 kostet der Ausdruck von 100 Farbfotos auf dem Modell Z 43.


Handhabung: Gute Noten für HP-Modelle

Schliesslich prüften die Tester auch die Handhabung der Geräte. Nur gerade die Note «genügend» erreichten die Epson-Modelle. Die Experten beurteilten sie als kompliziert und daher für Laien wenig geeignet. Die HP-Modelle hingegen waren einfach zu installieren und zu bedienen. So erhielt der Deskjet 920 c für seine bedienerfreundlichen Eigenschaften die Note «sehr gut».

Zwei der neun Drucker halten die Tester für besonders empfehlenswert. Die insgesamt beste Fotoqualität erreichte der Epson Stylus C 60. Bei den Verbrauchskosten liegt er im Mittelfeld. Seine Nachteile: Er ist etwas laut und für Laien kompliziert zu bedienen.

Für Einsteiger geeignet ist hingegen der Testsieger Canon S 300. Seine Fotoqualität ist ausreichend, und die Verbrauchskosten sind vergleichsweise tief. Zudem gehört er zu den schnellsten im Test und ist obendrein noch einfach zu handhaben.

Jeannette Büchel



Technik - Unterschiedliche Druckverfahren

Der Tintenstrahldrucker spritzt die Zeichen mit winzig kleinen Tintentropfen aus einer Düse aufs Papier. Dabei haben sich hauptsächlich zwei Verfahren durchgesetzt.

- Bubblejet: Ein winziges Heizelement in der Nähe der Düse bringt Tinte zum Verdampfen. Mit jedem Heizimpuls entsteht eine Dampfblase, welche die Tinte von der Düse auf das Papier ausstösst. Dieses thermotechnische Verfahren wird von den meisten Herstellern angewendet.

- Piezo: Dieses Verfahren ist technisch aufwändiger. Im Druckkopf sind Piezo-Kristalle eingebaut. Diese kleinen Keramikstücke verändern ihre Grösse, wenn sie unter Strom gesetzt werden. Die Tinte wird durch einen elektrischen Impuls auf das Papier befördert.

Die Hersteller geben die Auflösung der Drucker in dpi (dots per inch - Druckpunkte pro Inch-Quadrat) an. Doch Achtung: Hohe dpi-Zahlen allein machen noch keine gute Druckqualität aus. Wichtig ist auch die Grösse der aufs Papier geschleuderten Tintentröpfchen. Doch darüber machen die Hersteller meist keine Angaben. Sind die Tropfen nämlich zu gross, führt das zu unscharfem Druck. Zudem trocknet die Tinte zu langsam und verschmiert.



Verbrauchskosten - Teure Tintenpatronen und Spezialpapiere

Es gibt zwei Patronentypen: solche, die nur Tinte enthalten, und solche, bei denen der Druckkopf integriert ist.

Bei manchen Druckern befinden sich gleich mehrere Farben in einer Patrone. Das hat Nachteile: Ist eine Farbe verbraucht, muss trotzdem die ganze Patrone ausgewechselt werden - ein ökologischer Unsinn. Bei Einzelpatronen braucht nur diejenige Farbe ersetzt zu werden, die gerade fehlt.

Die Patronen mit integriertem Druckkopf sind sehr teuer. Aber sie bieten den Vorteil, dass durch das regelmässige Auswechseln der Druckkopf weniger durch eingetrocknete Tinte verstopft wird.

Die meisten Drucker funktionieren mit vier Farbpatronen: eine mit schwarzer Farbe und je eine mit den Primärfarben Cyan, Magenta und Gelb. Die im Test vertretenen Lexmark-Modelle haben zusätzlich Patronen mit Light Magenta und Light Cyan. Diese Farben sollen bessere Farbechtheit bei Naturtönen garantieren.

Die Hersteller empfehlen, eine Patrone innert sechs Monaten aufzubrauchen. Tatsächlich versehen die Patronen ihren Dienst aber viel länger.

Manche Drucker verfügen über eine Tintenstandanzeige. Erscheint die Aufforderung «Patrone leer», muss diese gewechselt werden. Aber: Der Drucker erkennt nicht, ob die Patrone wirklich leer ist. Denn die meisten Geräte sind so programmiert, dass die Anzeige nach einer bestimmten Anzahl gedruckter Seiten automatisch erscheint. Es empfiehlt sich, anstelle einer neuen Patrone einfach die gebrauchte wieder einzusetzen, bis sie wirklich leer ist.

Um Text und Grafiken auszudrucken, reicht herkömmliches weisses Papier (80g/m2). Auch wer Fotos nur probeweise ausdrucken möchte, ist damit gut bedient. Sind qualitativ gute Bilddrucke erwünscht, lohnt sich der Kauf von Spezialpapier, das je nach Qualität und Hersteller recht teuer sein kann.

Wichtig beim Kauf eines Druckers: unbedingt abklären, welcher Anschluss benötigt wird (parallel oder USB-Schnittstelle).
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