Yallo - Ein kleiner Albtraum.

7. Dezember 2018

Günstige und qualitativ hochwertige Internet-Angebote sind rar. Umso erfreulicher war das durch die Schweizerische Post umworbene Paket der Sunrise-Tochter «Yallo». Über das LTE-Netz von Sunrise und einer Internet-Box von «Yallo» nutzt man das Angebot - mit durchaus anständigen Up- und Download-Raten. Die angepriesenen Raten (250 MB/s) werden wie zu erwarten zwar nicht erreicht, die von mir regelmässig überprüften Daten sind den monatlich 39 CHF jedoch angemessen und im Vergleich zur Konkurrenz immer noch günstiger. Das eigentliche Problem ist die Stabilität: Ping-Abfragen (Google, inländische Server etc.) ergaben permanent Schwankungen, die zwischen 14 und (!) 70ms lagen - zu jeder Zeit. Um es bildlich zu umschreiben: Diese Ping-Abfrage sollte bei einer stabilen und qualitativ hochwertigen Verbindung einen Wert aufzeigen, der konstant innerhalb von 5-7ms liegt. Bspw. 10-14ms. Sind diese Schwankungen aber wie bei «Yallo» dauerhaft, ist die Internetverbindung nicht als Ersatz für eine kabelbasierte Verbindung nutzbar. Gewöhnliches Surfen oder Streamen ist mit dieser Verbindung zwar möglich, «Echtzeit-Tätigkeiten» (wie z.B. Internet-Telefonie, Online-Spiele, Sprachkanäle) sind jedoch nicht ansatzweise adäquat nutzbar. Und hier beginnt die ärgerliche Geschichte - wie «Yallo» eine Konsumentenfeindlichkeit an den Tag legt, die ich bisher noch nie erlebte. Es begann ein langer Spiessroutenlauf. Meine ersten Anrufe (im August) waren abstrus: Schlechte Deutschkenntnisse der Gesprächspartner, keine konkreten Antworten und stetes Abwimmeln mit fadenscheinigen Begründungen. Hier eine Box per Fernschaltung neugestartet, da eine E-Mail-Adresse erhalten, an die ich das Problem schicken sollte. Dies geschah, mit entsprechenden Screenshots, laienfreundlichen Erklärungen für das Problem und einer Schilderung der Umstände. Die in groteskem Deutsch verfasste Antwort bezog sich auf die Netzabdeckung und einem angeblich temporären Fehler. Weder die Netzabdeckung noch ein temporärer Fehler sind für diese Ping-Schwankungen verantwortlich. Eine weitere Antwort, die ich per E-Mail erhielt, versicherte mir, sich dem Problem anzunehmen. Nichts geschah. Stets wurde darauf verwiesen, dass der Vertrag nach Ablauf der 7-Tage-Frist nur mit einer Strafgebühr von fast 1000 CHF gekündigt werden könne. Läge eine Fehlinterpretation meinerseits vor, eine falsche Wahl des Angebots oder dergleichen, wäre dies verständlich. Das umworbene Produkt von «Yallo» ist aber für seine vorgesehene Nutzung schlicht nicht zu gebrauchen. Ein Mitarbeiter (ebenfalls gebrochenes Deutsch) versicherte mir (mehrmals, mit Nachdruck) nach Rücksprache mit seinem Vorgesetzten, mit diesen permanenten Schwankungen könne ich den Vertrag ohne Strafgebühr auflösen. Zur Transparenz trug dann ein weiterer Mitarbeiter bei: Der Kundenservice von «Yallo» befindet sich in Istanbul und es ist selbst auf Nachfrage nicht möglich, mit einem in der Schweiz arbeitenden Kundenberater zu sprechen. Die deutschsprachigen Telefonisten stammen entweder aus Deutschland oder aus der Türkei selbst mit dementsprechenden Deutschkenntnissen. Die französischen Telefonisten befinden sich im Übrigen ebenfalls in Istanbul und deren Sprachkenntnisse sind noch einmal um einiges schlechter als die ihrer Kollegen. Ende August wurde versichert, der Fall werde überprüft und innert zwei Wochen melde sich jemand telefonisch. Nach 8 (!) Wochen ohne Rückmeldung versuchte ich erneut mein Glück im ehemaligen Konstantinopel. Hochheilige Versprechungen, Beteuerungen, sich dem Problem anzunehmen etc. wurden erneut in freundlichem Tonfall vorgetragen. Innert zwei Wochen käme eine Antwort - man «prüfe noch». Wiederum 4 Wochen später - ohne Rückmeldung - war es wieder einmal Zeit, an den Bosporus zu telefonieren. Die erste Antwort: Die Internet-Box stünde an einem falschen Ort. Auf meine Nachfrage (IT-Fachwissen ist aufgrund meiner Ausbildung vorhanden), wie sie das lokalisiert hätten, erhielt ich Ausflüchte. In einer E-Mail erhielt ich ungefähr zeitgleich die wohl amüsanteste aller Antworten: Die Schwankungen lägen an den verzögerten Server-Antworten am anderen (!) Ende der Datenautobahn. Um diese Antwort ebenso bildlich zu umschreiben: (( Ein Kunde telefoniert jede Woche problemlos mit 5 Menschen mit verschiedenen Anbietern. Dieser Kunde wechselt nun seinen Anbieter und mit allen 5 Telefonkontakten entstehen dieselben Probleme. Auf Nachfrage behauptet sein neuer Anbieter, das Problem läge an den 5 Anbietern der anderen Kontakte. )) Da ich mittlerweile verstanden habe, dass es «Yallo» nie um das Lösen des Problems, sondern lediglich um Zeitgewinnung ging, konnte ich diese bisher absurdeste Antwort als letzten Versuch, Zeit zu gewinnen, verbuchen. Was soll ein Kunde diesbezüglich versuchen? Sunrise hat keinerlei Verpflichtungen, alle erreichbaren Kontakte für Sie als Kunde liegen in Istanbul und interessieren sich nachweislich nicht für Ihr Problem. Selbst die «IT-Stellen» von «Yallo» besitzen keinerlei Fachwissen über Netzwerkverbindungen und lügen schlicht und ergreifend, um einen Vertrag nicht ohne Gewinn auflösen zu müssen. So bezahle ich die Strafgebühr, um nie, wirklich nie wieder mit «Yallo» irgendetwas am Hut zu haben. Für mich ist ebenso klar: Auch um Sunrise werde ich künftig einen hohen Bogen machen, da diese ihren eigentlich grossen Namen für eine Ramschfirma verkaufen. Und ebenso enttäuscht bin ich von der Schweizerischen Post, da ich ohne die aggressive Werbung nie auf dieses Angebot gestossen wäre. Ein Lehrgeld. Und die Gewissheit, dass ich den nächsten Swisscom-Mitarbeiter, mit deren Service und Verbindung ich hochzufrieden bin, vermutlich vor Begeisterung umarmen werde. Finger weg von «Yallo»!

2

Kommentare

Kommentar hinzufügen

von Hortensius am
11.12.2018, 08:33

Vlatans LTE-Empfang

Sie wählen sich über das 1,8 GHz Band 3 ein - 1800 GHz oder 1,8 THz existiert nicht. Wie bereits oben beschrieben, sind Dienste, die keine stabilen Werte mit einer Max.-Schwankung von 5ms aufweisen müssen, durchaus nutzbar. Alle anderen sind dadurch nicht zu verwenden. Da die Mobilfunkfrequenz, in die Sie sich einwählen, eine fast 100%ige, überprüfte Netzabdeckung gewährleistet, ist der Empfang hierbei nicht das Problem. Hinzu kommt, dass das Angebot von Yallo meines Wissens noch keine 3 Jahre existiert. Sie schreiben von falschen Datenwerten, mit einem nicht nachvollziehbaren Anbieter und einer nicht transparenten Nutzungsart. Trzd. Danke für Ihren Beitrag. :-)

von Vlatan am
09.12.2018, 06:00

LTE Empfang

Bei mir funktioniert es seit 3 Jahren. Allerdings habe ich eine Aussenantenne und einen Router, bei dem ich die Parameter selber verändern kann. Sprich, ich habe manuell eingestellt, dass ich mich über 1800 GHz Band 3 einwählen möchte. Bis auf wenige Ausnahmen, die ich an einer Hand abzählen konnte, bin ich mit dem System zufrieden. Allerdings bezahle ich für das Datenabo nur 19 Fr. Der Empfang wird wohl das Problem sein und nicht der Anbieter.

Diskussion verwalten

Aktuelles Heft

referendum

Schritt für Schritt zum richtigen Körpergewicht

Aktuelle Ratgeber

Schlüsselfundmarke

Aktuelle Tests

Unsere Handy-Apps

Testsieger saldo App

Testsieger für Apple und Android

Budget Alarm App

Kostenloser Budget-Alarm für Apple und Android

Aktuelle Merkblätter

Aktuelle Musterbriefe

Kostenloser Ratgeber für Menschen mit Behinderung