Wie sehr darf mich ein Zweitarbeitgeber beanspruchen?

13. September 2017

von

Ich habe vor ein paar Jahren eine GmbH gegründet. Da unsere Dienstleistung eine Nische abdeckt und ich zugegebenermassen einen Fehler bezüglich der Büroräumlichkeiten gemacht habe sind wir Ende 2016 in ein finanzielles Loch gefallen. Um diese Situation zu überbrücken habe ich eine Teilzeitstelle angenommen in einem völlig anderen Feld. Anfänglich (ein halbes Jahr) ging alles gut, der Vertrag mit dieser Firma sieht 40 - 60 Stellenprozent vor. Für mein Geschäft bin ich mindestens 60% verfügbar (was meist dann doch mehr abverlangt) und versuche diese Zeit Abends und an Wochenenden aufzuholen. Nun hat der Nebenjob Probleme damit, neues Personal zu finden, nachdem zwei Personen gekündigt haben. Zwei Monate lang habe ich einiges mehr als vertraglich vorgesehen für sie gearbeitet und parallel dazu mein (sich erholendes) Geschäft weitergeführt. Beides hat sehr viel Energie abverlangt, und ich bin körperlich und geistig am Ende. Nun steht mir von diesem zweiten Arbeitgeber ein erneuter, viel zu vollgestopfter Monat bevor da sie zwar eine Ersatzperson gefunden haben die aber erst spät beginnt – zudem wäre noch eine Person nötig um wieder zur Ausgangslage zu gelangen. Ich laufe in Gefahr in ein Burnout hinein zu laufen, meine Kunden zu verlieren und von meinem Privatleben und deren Verpflichtungen will ich gar nicht erst anfangen. Unter diesen Umständen bin nicht bereit die Überzeit zu leisten. Was kann ich als Arbeitnehmer tun, was kann ich als Firma (Hauptarbeitgeber) tun? Eine Kündigung ist durchaus ein Thema, ich müsste mit der Kündigungsfrist jedoch den nächsten Monat trotzdem antreten. Aufgrund des hohen Drucks habe ich auch schon mit dem Gedanken der fristlosen Kündigung gespielt, da dieses Berufsfeld mit grösster Wahrscheinlichkeit nicht mehr in Frage kommt. Jedoch weiss ich nicht wie das Ganze rechtlich aussieht und was die Auswirkungen sein könnten. Um eine Antwort zu diesem komplexen Problem wäre ich unendlich dankbar.

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Kommentare

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von Nudel am
13.09.2017, 20:01

Herzlichen Dank!

Vielen Dank für die rasche Antwort. Ein Gespräch ist nun geplant und ich nehme Ihren Rat zu Herzen. Um die Kündigungsfrist komme ich wohl nicht herum (soviel ich weiss wäre bei Krankschreibung die Arbeit im eigenen Betrieb untersagt), indem ich aber dem Zweitarbeitgeber für diesen Zeitraum klare Grenzen setze kann ich evt. das Ganze ausbalancieren. Viele Grüsse und merci villmal!

von Rechtsberatung K-Tipp+saldo am
13.09.2017, 15:30

Arbeitsrecht

Ihre Situation ist tatsächlich nicht einfach. Naheliegend wäre wohl, Sie würden nun erstmal das Gespräch mit Ihrem Arbeitgeber suchen. Ist es Ihr Wunsch, das Arbeitsverhältnis so schnell wie möglich aufzulösen, wäre es natürlich optimal, wenn Ihr Arbeitgeber einer Aufhebungsvereinbarung zustimmen würde. Möchten Sie hingegen weiterhin für die betreffende Firma tätig sein, aber nicht mehr Tag und Nacht arbeiten, müssen Sie unbedingt klarstellen, wo Ihre Grenzen sind. Vereinbart wurde ein Pensum von maximal 60 Stellenprozent, und es ist Ihr gutes Recht, nicht unendlich viel mehr arbeiten zu wollen. Zwar darf man als Arbeitnehmer die Leistung von notwendigen Überstunden nicht verweigern. Die angeordneten Überstunden müssen für den Arbeitnehmer aber immer zumutbar sein. Und schon nur, weil Sie noch eine zweite Stelle haben, haben Sie selbstverständlich auch sehr gute Argumente, um irgendwo einen Punkt zu setzen. Sollte ein Gespräch mit Ihrem Arbeitgeber keine Lösung bringen, und sehen Sie bei dieser Firma schlicht keine Zukunft, wäre es wohl sinnvoll, Sie würden kündigen und sich allenfalls für die Dauer der Kündigungsfrist krankschreiben lassen. Einfach fristlos zu kündigen wäre möglicherweise etwas heikel, denn eine fristlose Kündigung ist nur aus einem so genannt "wichtigen Gründen" möglich. Sollte kein wichtiger Grund im Sinne des Gesetzes gegeben sein, käme eine fristlose Kündigung einem ungerechtfertigten Verlassen der Arbeitsstelle gleich, und in einem solchen Fall spricht das Gesetz dem Arbeitgeber grundsätzlich eine Entschädigung in der Höhe eines Viertels eines Monatslohnes plus allenfalls Schadenersatz zu.

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