Zu viele Keime und fehlerhafte Deklaration

K-Tipp 02/2013 vom

von

Bei der Hälfte der getesteten Pizzateige erfüllt die Deklaration die gesetzlichen Vorschriften nicht. Globus hat das Produkt deshalb sofort aus den Verkaufsregalen verbannt.

Pizza backen leicht gemacht: Fixfertige Pizzateige sind ausgewallt oder als Kugel erhältlich. Die Produkte sind sehr beliebt. Das zeigt die grosse Auswahl in den Ladenregalen. Der K-Tipp wollte wissen, wie es um die Qualität der Pizzateige steht, und liess zwölf Produkte im Labor untersuchen (siehe «So wurde getestet» auf Seite 14).

Resultat: Testsieger ist der Pizzateig M-Classic – mit 50 Rappen pro 100 Gramm das drittgünstigste Produkt. Billiger sind nur Cucina Nobile von Aldi und Trattoria Alfredo von Lidl mit 47 Rappen sowie Prix Garantie mit 48 Rappen pro 100 Gramm. Das Aldi-Produkt erreichte mit der Gesamtnote 5,4 den zweiten Platz im Test.

Das Labor hatte alle Produkte auf gesundheitsgefährdende Keime geprüft – und wurde bei einem fündig: Der hausgemachte Pizzateig von Manor enthielt eine beachtliche Menge an Darmbakterien (Enterobakterien), die Durchfall verursachen können. Sie deuten auf ein Hygieneproblem bei der Herstellung hin. Fünf Teige wiesen zudem eine erhöhte Anzahl Verderbniskeime auf.

Die Hygieneverordnung kennt keinen Grenzwert für rohen Pizzateig, weil er nicht roh gegessen wird. Trotzdem können gesundheitsgefährdende Bakterien ein Problem darstellen: Beim Auswallen und Belegen berührt man den Teig zwangsläufig. Die Bakterien können über die Hand auf andere Lebensmittel übertragen werden, beispielsweise Salat, den man mit den übertragenen Keimen roh verzehrt.


Bei zwei Teigen ein auffällig saurer Geruch

Sehr hoch war die Anzahl Verderbniskeime bei den Teigen von Prix Garantie (18 Millionen) und Betty Bossi (56 Millionen). Beide fielen bei der Sensorikprüfung im Rohzustand durch ihren sauren Geruch negativ auf. Der Betty-Bossi-Teig roch sogar nach dem Backen sauer, sodass die Tester auf eine Degustation verzichteten. Beim Prix-Garantie-Teig war der Geschmack nach dem Backen in Ordnung. Coop hat nachgetestet: Die Teige seien sensorisch einwandfrei gewesen. Beim Betty-Bossi-Teig im Test handle es sich um einen «bedauerlichen Einzelfall».

Auch die Teige von Denner (1,4 Millionen), Kern und Sammet (3,5 Millionen) sowie Manor und Buitoni (je 4 Millionen) wiesen deutlich mehr Keime auf als die übrigen Produkte. Dies deutet darauf hin, dass die Teige vor dem Verkauf nicht immer genügend gekühlt waren.

Manor teilt mit, dass aufgrund des Testresultats die Zahl der regelmässig durchgeführten Lebensmittelanalysen erhöht werde. Nestlé, Herstellerin des Buitoni-Teigs, sagt, dass die eigenen Messwerte gut ausgefallen seien. Kern und Sammet begründet die hohe Bakterienzahl mit der Hefe: Bei den Resultaten handle es sich um einen für Hefeteig üblichen Wert.

Aldi zeigt übrigens, dass es in Sachen Keimzahl auch anders geht: Nur 4600 pro Gramm steckten im Pizzateig Cucina Nobile.


Viele falsche Angaben auf der Verpackung

Mängel gab es auch bei der Deklaration: Nur die Hälfte der Produkte entsprechen den Vorschriften vollständig: M-Classic, Cucina Nobile, Anna’s Best, Denner, Prix Garantie und Buitoni Pizza Classica.

Beim Betty-Bossi-Teig war in der Nährwerttabelle der Kohlenhydrate- und Zuckergehalt nicht korrekt angegeben: Statt mindestens 40 und 50 Prozent waren nur 4 Prozent vermerkt. Coop verspricht, die Angaben zu korrigieren.

Auf der Verpackung des  Trattoria-Alfredo-Teigs von Lidl sind Aromen vermerkt, die für dieses Produkt nicht zugelassen sind. Dabei handle es sich um einen Fehler, den der Lieferant in der nächsten Auflage korrigieren werde, sagt Lidl. Der Teig enthalte keine Aromen.

Beim Migros-Bio-Teig fehlte die Angabe der Aufbewahrungstemperatur. Die Migros verspricht, die Deklaration sofort anzupassen.

Auf dem Spar-Natur-Pur-Teig steht statt des Verbrauchs- das Mindesthaltbarkeitsdatum. Der Unterschied: Bei Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums dürfte das Produkt noch verkauft werden, nach Ablauf des Verbrauchsdatums nicht mehr.

Beim Manor-Teig war die Kennzeichnung grundsätzlich sehr dürftig. Zumindest aber müsste beim Mehl die Weizenart angegeben sein und auf das Allergen Gluten hingewiesen werden. Manor dazu: Die Bezeichnung des hausgemachten Pizzateigs sei nicht korrekt, es handle sich um Brotteig, der falsch etikettiert wurde. Die Etikette des Brotteigs entspreche den rechtlichen Vorgaben.

Beim Teig von Kern und Sammet ist fälschlicherweise Weizenstärke als Backtriebmittel bezeichnet. Der Hersteller gelobte Besserung. Globus hat das Produkt aus dem Sortiment genommen. Man verkaufe es wieder, wenn es sämtliche Anforderungen erfülle.


Manor-Teig: Beste Fettbilanz im Test


Für eine ausgewogene Ernährung sollte man weder zu viel Fett noch zu viel Salz essen. Beim Fett spielt zudem die Art eine Rolle: Ungesättigte Fettsäuren sind gesünder als gesättigte. Letztere können den Cholesterinspiegel erhöhen und zu Gefässkrankheiten wie Herzinfarkt und Schlaganfall führen. Ungesättigte Fettsäuren haben hingegen eine positive Wirkung auf den Organismus.

Zum Test: Ein sehr gutes Verhältnis von gesättigten und ungesättigten Fettsäuren weisen die Pizzateige von Manor, Prix Garantie und Denner auf.

Auch Transfettsäuren stellen ein Risiko für Herz und Gefässe dar. Die gute Nachricht: Bei allen Produkten im Test lag der Anteil an Transfettsäuren weit unter dem gesetzlichen Grenzwert von 2 Gramm pro 100 Gramm Teig. Auch hier gilt: je weniger, desto gesünder. Der Prix-Garantie-Teig von Coop und jener von Manor Food sind völlig frei von Transfettsäuren.

Der hausgemachte Teig von Manor schneidet auch beim absoluten Fettgehalt von nur einem Gramm mit Abstand am besten ab. Das zweitbeste Resultat punkto Fett erreicht das Betty-Bossi-Produkt.


Aldi-Teig enthält viel Salz

Der Salzkonsum sollte bei Erwachsenen 6 Gramm pro Tag nicht überschreiten. Da der Pizzateig nur Bestandteil einer kompletten Mahlzeit ist, sollte der Salzanteil so tief wie möglich liegen. Wer 100 Gramm des Cucina-Nobile-Teigs verspeist, hat schon ohne Belag einen Drittel (2,3 Gramm) des täglichen Salzbedarfs abgedeckt. Am wenigsten Salz enthält der Pizzateig M-Classic (0,98 Gramm pro 100 Gramm).


So wurde getestet

Der K-Tipp liess zwölf Fertig-Pizzateige auf folgende Kriterien prüfen:

  • Krankheitskeime: Anzahl gesundheitsschädlicher ­Keime, wie Enterobakterien, Staphylokokken, Bacillus cereus und Schimmel. Wie hoch ist die Gesamtkeimzahl?
  • Verpackungsangaben: Sind alle gesetzlich vorgeschriebenen Angaben vorhanden und die vermerkten Zutaten für dieses Produkt zulässig? Stimmen gemessene Nährwerte mit den Angaben des Herstellers überein?
  • Fett- und Salzgehalt: Wie viel wurde beigefügt? Wie viel Transfettsäuren sind enthalten? Wie hoch ist der Anteil gesättigter und ungesättigter Fettsäuren?
  • Sensorik: Neben den Laboruntersuchungen prüften drei Fachleute Geruch, Geschmack, Konsistenz und Textur der Pizzateige vor und nach dem Backen.

Weitere Infos

1

Kommentare

Kommentar hinzufügen

von pizzateig am
07.02.2013, 14:07

Kein Wunder

Erstens möchte ich die Frage in den Raum stellen, wer denn tatsächlich Produkte kauft, die sich "Pizzateig" nennen! So etwas macht man in der Regel selber :-) Grüße http://www.pizzateig-selber-machen.de/

Test verwalten

Dieser Artikel ist folgenden Themen zugeordnet

Weitere Artikel zum Thema

Beim Kochen mögen es die Japaner bunt

Bücher: «Leichte» Küche ohne Tabus

Wer braucht Mascarpone für 21 Personen?

Buchtipp zum Thema

Umbauen und renovieren