Weniger Briefe und Pakete: Post jammert zu stark

saldo 14/2013 vom | aktualisiert am

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Die Post klagt oft, die Zahl der Sendungen gehe zurück. Grund seien die E-Mails. Ein Blick auf die Zahlen der letzten zehn Jahre zeigt aber: Die Post transportiert mehr denn je.

Das Brief- und Paketvolumen auf den Poststellen habe sich seit dem Jahr 2000 halbiert – und es nehme weiter ab. Das gab Post-Präsident Peter Hasler im Juni dem «Tages-Anzeiger» zu Protokoll. 

Was er nicht sagte: Es gibt auch immer weniger Schalter. Seit dem Jahr 2000 ist die Zahl der Poststellen von 3385 auf 1757 geschrumpft – ein Minus von 48 Prozent. Meist wurden frühere Poststellen durch Agenturen in Dorfläden oder einen Haus­service ersetzt. Aber nur das Brief- und Paketvolumen der 497 Agenturen und der verbliebenen Poststellen fliessen in die Schalterstatistik ein, nicht jedoch jene der 1251 Hausservices.


Starke Zunahme bei den unadressierten Sendungen

Geht es der Post beim Versand von Briefen und Paketen wirklich so schlecht, wie sie behauptet? saldo hat in den Post-Jahresberichten der Jahre 2000 bis 2012 das Gesamtvolumen der Sendungen herausgesucht. Demnach ist die Zahl der adressierten Briefe in dieser Periode von 2,94 auf 2,29 Milliarden zurückgegangen. Trotz massiv steigender Verbreitung von E-Mail und SMS ist das nur ein Minus von 22 Prozent. Keine Spur einer Halbierung also, wie Post-Präsident Hasler behauptet. 

Bei den unadressierten Sendungen legte die Post in der gleichen Zeit sogar stark zu: von 1,05 auf 1,9 Milliarden (plus 82 Prozent). Dazu gehören Kataloge, aber auch Briefe. Hinzu kommt ein Plus bei den Zeitungen und Zeitschriften: Hier verzeichnete die Post einen Zuwachs von 1,04 auf 1,31 Milliarden Sendungen (plus 26 Prozent).

Bei den Paketen profitiert die Post von Onlineshops: 111 Millionen Pakete sind letztes Jahr in der Schweiz versendet worden. Im Jahr 2000 waren es 130 Millionen. Danach pendelte sich die Zahl bei rund 105 Millionen ein. Seit drei Jahren ziehen die Paketmengen wieder an. Fazit: Auch im Internetzeitalter hält sich die Post gut im Kerngeschäft. 

Post-Sprecher Bernhard Bürki hält dem entgegen, dass die Zahl der in den Poststellen aufgegebenen Briefe und Pakete stark sinkend sei. Kein Wunder – die Post trägt durch Schliessungen und unattraktive Öffnungszeiten selbst dazu bei. Zudem: Den Unternehmen bietet die Post sogenannte Geschäftskundenstellen an. Dort können sie Briefe und Pakete aufgeben. Und oft holt die Post bei Geschäftskunden die Sendungen direkt ab. All diese Briefe und Pakete werden keiner Poststelle zugerechnet.

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