Umstrittene Diabetespille

Gesundheitstipp 05/2014 vom

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Pharmafirmen haben eine neue Art von Diabetes-Medikament entwickelt. Mit Invokana ist das erste nun auch in der Schweiz zugelassen. Fachleute sind skeptisch.

Die britische Presse nannte Invokana ein «Wundermedikament» und eine «neue Waffe» im Kampf gegen die Diabetesepidemie. Seit kurzem ist das Medikament nun auch in der Schweiz auf dem Markt. Es gehört zu einer neuen Gruppe von Wirkstoffen. Sie fördern das Ausscheiden von Zucker über die Nieren und damit über den Urin.

Doch Fachleute sind skeptisch, ob Invokana den Patienten tatsächlich Vorteile bringt. Arzt Etzel Gysling hält einen zusätzlichen Nutzen gegenüber bisherigen Therapien zwar für «möglich», da der Wirkmechanismus anders sei. Die bisherigen Studien hätten aber lediglich gezeigt, dass Invokana den Blut­zucker senken könne, schreibt ­Gysling in der Fachzeitschrift «Pharma-Kritik». Weit relevanter sei aber die Frage, ob das Medikament auch vor den langfristigen Folgen von Diabetes schützen könne, insbesondere vor Herz- und Gefässkrankheiten. «Das ist noch nicht nachgewiesen», sagt Etzel Gysling.

Zudem verursacht Invokana Nebenwirkungen: Die Patienten bekommen vermehrt Harnweg­infekte und Pilzkrankheiten im Genital­bereich. Zudem verschlechtert sich ihr Cholesterinwert und es kann zu Kreislauf-Problemen kommen. Es besteht auch der Verdacht, dass ­Patienten unter dem neuen Dia­betesmittel häufiger Knochen­brüche erleiden.

Für ältere Personen keine Alternative

Für viele ältere Diabetespatienten kommen die neuen Pillen oft nicht in Frage, wenn sie unter einer chronischen Nierenschwäche leiden. Die Medikamente wirken nämlich nur, wenn die Nieren funktio­nieren. Zudem steigt bei Nierenschwäche das Risiko für ­Ne­­-ben­wirkungen.

Invokana-Hersteller Janssen-Cilag schreibt, dass die Wirksamkeit des Medikaments nach anerkannten Methoden beurteilt worden sei. Eine längerfristige Studie mit Risikopatienten befinde sich «in der Nachbeobachtungsphase». Die Nebenwirkungen von Invokana seien meist nur leicht. 

Laut Janssen-Cilag «scheint es unwahrscheinlich», dass Invokana das Risiko für Knochenbrüche deutlich erhöhe. Das Medikament sei auch für Patienten mit einer mittelschweren Nierenschwäche zugelassen.

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