Terrier Max oder was SRF unter Service public versteht

saldo 05/2014 vom

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Neu müssen sämt­liche Haushalte eine Steuer für Radio und TV bezahlen. Was damit bezahlt wird, hat mit dem Service-public-Auftrag oft nichts zu tun.

Der Service public ist auf den Hund ­gekommen. Die neue Serie des Fernseh­magazins «Glanz & Gloria» heisst: «Wem gehöre ich?» Wem zum Beispiel gehört Max? Das Schweizer Fernsehen verrät dazu im O-Ton: «Seine Heimat ist Luzern. Er ist ein Jack-Russell-Terrier – intelligent und sehr aktiv.» Die Zuschauer sollen den Besitzer erraten. 

Wenn ein TV-Kanal solche Sendungen bringt, kann man wenig dagegen einwenden. Zuschauen ist ja freiwillig. Wird man aber gezwungen, dafür zu bezahlen, sinkt das Verständnis. 

Ge­nau das ist aber beim Schweizer Fernsehen (SRF) der Fall. Denn letzte Woche beschloss der Nationalrat: Jeder Haushalt muss künftig eine Jahresgebühr von 400 Franken bezahlen – egal ob ein Radio- oder TV-Gerät benützt wird. 

Das kommt einer neuen Steuer gleich. Und wofür setzt man das Geld ein? Was auffällt: Statt gut recherchierte, eigenständige Informationsbeiträge zu realisieren, setzt SRF auf teure Unterhaltungssendungen, eine unüberblickbare Zahl an US-Serien und Sportübertragungen. Für teures Geld überträgt SRF zum Beispiel alle Formel-1-Rennen. Allein für Sportrechte gibt SRF pro Jahr zwischen 40 und 60 Millionen Franken aus. Motorsportfans könnten aber die Formel-1-Rennen auch gratis auf ausländischen TV-Sendern verfolgen.  

Sparpotenzial hätte es auch an den Olympischen Spielen in Sotschi gegeben. Mit 340 Leuten war die SRG vor Ort. 105 Spezialisten waren für die Übertragung der Ski-Wettkämpfe im Auftrag des Olympischen Komitees unterwegs. Die übrigen 235 Leute bildeten gemäss Insidern eine sehr grosszügig bemessene Truppe. 

Eine Minute Casting-Show kostet rund 9500 Franken

Auch im Unterhaltungs­bereich rührt SRF mit der grossen Kelle an – obwohl viele TV-Serien und Filme auch auf privaten TV-Stationen gratis ausgestrahlt werden. Einige Beispiele: 

  • Die Casting-Show «The Voice of Switzerland» kostet mehr als 10 Millionen – das sind rund 9500 Franken pro Sendeminute. Fans solcher Wettbewerbe schauen sich lieber gratis das Original «Deutschland sucht den ­Superstar» auf RTL an. 
  • Knapp 600 000 Franken kostet eine Folge der SRF-Eigenproduktion «Der Bestatter» – rund 10 000 Franken pro Minute. 
  • Noch teurer sind die ­Eigenproduktionen des «Tatort»-Krimis: Sie kosten rund 2 Millionen Franken pro Folge – oder 21 000 Franken in der Minute. Auch das ist hinausgeworfenes Geld: «Tatort»-Fans können sich jeden Sonntagabend auf ARD eine neue Folge zu ­Gemüte führen. 

Gemäss eigenen Angaben kosten Eigenproduktionen SRF im Schnitt rund 10 000 Franken pro Sendeminute. Wobei der Unterhaltungsbereich deutlich teurer ist als die Informationssendungen und Magazine. Beispiel: Eine Sendeminute für einen Beitrag des Informationsmagazins «Rundschau» schlägt gerade mal mit 4000 Franken zu Buche, die «Tagesschau» ist nur unwesentlich teurer. Eingekaufte Serien sind zwar relativ günstig: Bei gut 10 000 eingekauften Sendeminuten pro Woche kommt aber doch schnell 1 Million zusammen – im Jahr sind das bereits 50 Millionen Franken Ausgaben. 

Eigenartig wird der Service-public-Auftrag auch bei gewissen Spezialsendungen interpretiert. Beispielsweise bringt SRF grosse Berichte über die Superkarpata. Das ist ein Offroader-Abenteuerrennen in Rumänien. Kommt hinzu: Wie beim ­Automagazin «Tacho» sind bei diesem Spektakel die Grenzen zur Werbung ­fliessend. 

Dafür fehlt das Geld etwa beim Arosa-Humorfestival. SRF hätte die jährliche Übertragung eingestellt, wenn nicht die Veranstalter die Kosten selbst übernommen hätten. Das wäre das­selbe, wie wenn Novartis ein neues Medikament vorstellen würde und SRF nur darüber berichtete, wenn das Unternehmen die Kosten des Berichts trüge. 

SRG gibt keine Auskunft zu den Ausgaben

Die neue Gebühr von 400 Franken wird der SRG – wie bis anhin – rund 1,2 Milliarden jährlich einbringen. ­saldo wollte wissen, wie viel Geld SRF für die Bereiche Information, Kultur, Unterhaltung und Sport ausgibt. Doch diese Zahlen sind Geschäftsgeheimnis. Sie werden den Steuerzahlern vorenthalten. 

Zur Frage der Berechtigung von Steuern für die SRF-Programme sagt Sprecherin Andrea Wenger: ­«Eigenproduktionen zu Information, Kultur und Unterhaltung auf SRF 1 und Sportübertragungen auf SRF zwei sind ein wichtiger Eckpfeiler des Service public.» SRF zeige auch bei eingekauften Filmen und Serien viele Produktionen, die nirgends zu sehen seien: «Wir haben regelmässig Arthouse-Filme im Programm und in letzter Zeit auch ausgewählte Serien, die im deutschsprachigen Raum – wenn überhaupt – nur auf Spartenkanälen zu finden sind.»

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Kommentare

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von snapper33 am
24.03.2014, 08:11

SRF Bashing

Dieser Beitrag ist unbefriedigend. Wenn Terrier Max keine Sportsendungen mag und auch sonst nichts, ausser Informationen, soll er keine solch unqualifizierten Berichte schreiben. Ich als Fan von Rockmusik berichte auch nicht über Opern! Und was euch scheinbar einfach nicht einleuchtet, ist, dass die CH ein dreisprachiges Vollprogramm bietet und dazu noch den Luxus eines absoluten Minderheitenprogramms für die Rätoromanen. Hätten wir nur eine Landessprache, wären die Gebühren deutlich tiefer. Vom Sportprogramm her gibt es KEINEN anderen öffentlichen Sender, der nur annähernd so viel Sport bringt (was dem gemeinen Sportmuffel natürlich nicht passt). Gemäss dem Max brauchen wir ja eigentlich gar kein eigenes TV, da wir alles irgendwie auf ausländischen Sendern sehen können. Dazu das Geschrei, dass jetzt alle zahlen müssen. Es gibt wohl kaum einen Menschen, der nie TV schaut bzw. kein Empfangsgerät besitzt. Das dürfte wohl maximal 1 % der Bevölkerung betreffen - ich kenne niemanden. Dazu immer nur motzen, was nicht gut sein soll, ist einfach. Besser machen. Ich hätte an Eurer Zeitschrift auch noch einiges zu bemängeln. Und Konsumentenzeitschriften gibt es im Ausland sicher auch günstiger zu kaufen. Ich würde mich auch zur Verfügung stellen, mal Euer gleichgeschaltetes Denken in der Redaktion querdenkerisch aufzumischeln.

von FraLardi am
20.03.2014, 21:33

Terrier Max oder was SRF unter Service public versteht

Wenn man bedenkt wie "linkslastig" SRF ist erstaunt dies nicht, denn die Sozi waren noch nie bereit etwas selber zu leisten. Einfacher ist es, die Leistungsträger zu kritisieren und von den denen zu nehmen! F.L.

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