Strompreis: Aufschläge trotz prallvoller Kassen

K-Tipp 13/2013 vom | aktualisiert am

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Vielen Konsumenten flattern bald höhere Strom­rechnungen ins Haus. Bei der Berner BKW etwa zahlt ein Durchschnittshaushalt im nächsten Jahr fast 90 Franken mehr.

Den Schweizer Strom­ver­sorgern geht es blendend. Die 225 grössten Elektrizitätswerke erwirtschafteten allein 2010 einen Reingewinn von insgesamt 2,5 Milliarden Franken. Das ist der jüngsten Elektrizitätsstatistik des Bundes zu entnehmen. In den Vorjahren bewegten sich die Gewinnzahlen auf ähnlich hohem Niveau.

Und bald wird noch mehr Geld in die Kassen fliessen. Bundesrat und Bundesgericht haben in den letzten Monaten Entscheide gefällt, die nächstes Jahr verbreitet zu höheren Rechnungen für die Strom­verbraucher führen werden:

  • So hat das Bundes­gericht die nationale Netzgesellschaft Swissgrid ermächtigt, das Entgelt für die Netznutzung anzu­heben. In den letzten ­Jahren musste sie dieses Entgelt auf Geheiss der Eidgenössischen Elektri­zitätskommission (El­com) reduzieren. 


Swissgrid ist Eigentümerin des Schweizer Höchst­span­nungs­­net­zes und ge­- hört 17 Schweizer Elektri­zitätsunternehmen. Da­runter sind die Konzerne Alpiq, Axpo, BKW und CKW.

  • Gestützt auf die vom Bundesgericht neu definierte Rechtslage dürften neben Swissgrid mehrere regionale Stromversorger ihre Tarife für die Netz­nutzung erhöhen. Das prognostiziert Preisüberwacher Stefan Meierhans.
  • Das Bundesgericht hat Swissgrid ferner angewiesen, mehreren Kraftwerkbetreibern Geld zu­rück- zuerstatten – total über 320 Millionen Franken. Darum werden die Kon­su­men­ten mit einem «Rückabwicklungszuschlag» zur Kasse gebeten. 
  • Ins Gewicht fällt auch die Revision der Stromversorgungs-Verordnung vom März dieses Jahres. Der Bundesrat erlaubt damit den gewinnträchti­gen Stromversorgern eine höhere Verzinsung des in die Netze investierten Kapitals – die bessere ­Rendite finanzieren die Kon­sumenten über teurere Netznutzungstarife.
  • Ebenfalls ansteigen wird im nächsten Jahr der Zuschlag zur Förderung der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien, und zwar von 0,35 auf 0,5 Rappen pro Kilowattstunde (kWh). Das hat der Bundesrat im Juni beschlossen.



K-Tipp-Umfrage zeigt: Viele erhöhen Tarife

Welche Mehrkosten all diese Faktoren den Kon­sumenten bescheren, zeigt sich Ende August. Bis dann müssen die Stromkonzerne ihre Tarife für 2014 der Elcom melden. Eine Umfrage des K-Tipp bei 30 Elektrizitätswerken verheisst aber schon jetzt wenig Erfreuliches.

Zwar versprechen ein­zelne Unternehmen wie etwa die Zentralschweizer CKW für 2014 gleich­bleibende Tarife, denn die steigenden Netz­nutzungskosten würden durch sinkende Energiekosten ausgeglichen. Häufiger aber werden Preis­erhöhungen angekündigt – so von Onyx Energie Mittelland, dem Elektri­zitätswerk des Bezirks Schwyz, dem Stadtzürcher EWZ, der Berner BKW, der Bündner Repower und – provisorisch – von den Sankt Galler Stadtwerken. 

Die drei Letztgenannten nennen konkrete Zahlen: Demnach steigt bei der BKW der Preis des Standardstroms pro kWh (ohne MwSt. und Gemeindeabgaben) im Einfachtarif um 1,93 Rappen, im Hochtarif um 1,98 Rap­pen und im Niedertarif  um 1,73 Rappen. Ein 4-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4500 kWh zahlt somit im Einfachtarif nächstes Jahr knapp 87 Franken mehr. Bei den Sankt Galler Stadtwerken wiederum betragen die Mehrkosten ­dieses Haushalts 2014 rund 61 Franken, bei Repower knapp 22 Franken.

Preisüberwacher Meierhans ärgern die steigenden Stromrechnungen sehr. ­Allein aus der revidierten Stromversorgungs-Verordnung des Bundesrats erwüchsen den Konsumenten 2014 Mehrkosten von 150 bis 180 Millionen Franken, rechnet er vor: «Und es ist zu ­befürchten, dass ein guter Teil dieser Zusatzein­nahmen in Form höherer Gewinne an die Netz­eigentümer ausgezahlt wird.»

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