Stille Mineralwasser: Nur 6 von 25 sind einwandfrei

saldo 11/2011 vom | aktualisiert am

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Keime, Uran und Arsen: In der saldo-Stichprobe schneidet nur jedes vierte stille Mineralwasser gut ab.

Pro Kopf 113 Liter Mineralwasser: So viel haben die Schweizer laut dem Verband Schweizerischer Mineralquellen und Soft-Drink-Produzenten im letzten Jahr getrunken – gesamthaft 890 Millionen Liter. Gemäss dem Verband garantieren beim Mineralwasser «strenge gesetzliche Auflagen und ständige Kontrollen eine immer gleich hohe Qualität».

Doch wie gut ist das Wasser in den Flaschen wirklich? saldo hat bei den Grossverteilern 25 Sorten stilles Mineralwasser eingekauft. Laut Deklaration stammen sie aus Quellen in der Schweiz, in Deutschland, Italien, Frankreich und – auf den Fidschi-Inseln. Ein Labor testete die Wasser auf Gesamtkeimzahl, krankheitserregende Bakterien sowie die beiden giftigen Metalle Uran und Arsen (siehe Kasten).

Erfreuliches Fazit: Kein Produkt enthielt krankmachende Bakterien. Alle 25 Wasser halten die gesetzlichen Auflagen ein. Weniger erfreulich: In 4 Marken wies das Labor Arsen nach. Einige Produkte fielen durch eine erhöhte Gesamtkeimzahl auf. Andere enthielten erhöhte Mengen Uran.
Immerhin: 6 der 25 Produkte schnitten besser ab als die Konkurrenz. Sie wiesen kaum Keime und höchstens geringe Mengen Uran auf. Das Labor konnte in keinem dieser Produkte Arsen nachweisen. Unter den Besten befindet sich Saskia Naturis von Lidl – mit 16 Rappen pro Liter neben Acqua Naturelle von Aldi das günstigste Wasser.


Fast jedes zweite Wasser ist ungenügend

12 Produkte schneiden ungenügend ab. Hier stellte das Labor eine auffallend hohe Gesamtkeimzahl fest oder fand beträchtlich grössere Mengen Uran als in den anderen Proben. Im Fiji Artesian Water fand das Labor 1600 Keime pro Milliliter. Für das exklusive Nass verlangt Globus pro Liter rund 6 Franken.

Auch die Mineralwasser von Coop und Migros kommen weniger gut weg. Die 5 bei der Migros erhältlichen Produkte schneiden ungenügend ab. Ebenso 5 der 7 Produkte, die man bei Coop kaufen kann. Das bei beiden Händlern erhältliche Contrex wies mit 2000 Keimen pro Milliliter die höchste Gesamtkeimzahl auf. Mit 87 Rappen pro Liter ist Contrex eines der teuersten Produkte.

Doch auch die Produkte der Billiglinien erhielten  ein «ungenügend»: Prix Garantie wies die zweithöchste Gesamtkeimzahl auf. M-Budget enthielt 7,8 Mikrogramm Uran pro Liter (µg/l). Noch mehr Uran fand das Labor nur bei Aquella und Aproz Cristal.


Hersteller berufen sich auf fehlende Schweizer Grenzwerte

Auf die Resultate reagieren alle Hersteller gleich: Sie berufen sich auf fehlende Schweizer Grenzwerte für abgefülltes Mineralwasser und bezeichnen alle ihre Produkte als «gesundheitlich unbedenklich». Laut Coop-Sprecher Urs Meier wird die Gesamtkeimzahl «durch die Lagerzeit und Lagertemperatur beeinflusst» und habe nichts mit mangelhafter Hygiene zu tun. Frédéric Haas, Marketing-Direktor bei Evian, sieht in der erhöhten Gesamtkeimzahl einen Beleg dafür, dass Evian «100 Prozent natürlich» ist.

Tatsächlich gelten selbst für Hahnenwasser strengere Vorschriften als für abgefülltes Mineralwasser. Die Hygieneverordnung schreibt vor, dass Hahnenwasser maximal 300 Keime pro Milliliter aufweisen darf. Für Mineralwasser in Flaschen hingegen fehlt ein solcher Wert. In der saldo-Stichprobe hatten 9 Produkte mehr Keime, als es für Hahnenwasser zulässig wäre. Für Mineralwasser gilt nur, dass es frisch ab der Quelle nicht mehr als 100 Keime pro Milliliter aufweisen darf. Daher hat saldo alle Produkte, die 100 Keime oder weniger enthielten, als «gut» bewertet. Wasser mit mehr als 300 Keimen erhielten ein «ungenügend».

Auch für Uran fehlen in der Schweiz Grenzwerte. In Deutschland darf für Säuglingsernährung beworbenes Mineralwasser höchstens 2 µg/l Uran enthalten. Das deutsche Umweltbundesamt empfiehlt nicht mehr als 10 µg/l. saldo benotete Wasser mit 2 µg/l oder weniger Uran mit «gut». Produkte knapp über diesem Wert erhielten ein «genügend», Wasser mit mehr als 5 µg/l ein «ungenügend». Darunter fielen nur drei Migros-Sorten und ein Coop-Produkt.


Vier Mineralwasser wiesen erhöhte Mengen Arsen auf

Das Labor fand in 4 Wassern Arsen – am meisten in Vittel (3,8 µg/l). Die 4 erhielten nur ein «genügend». Denn 21 Produkte beweisen, dass es auch ohne geht.

Die Schweiz hat den Grenzwert für Arsen bei 50 µg/l angesetzt, die EU bei 10 µg/l. Offenbar gibt es in der Schweiz Mineralwasser, die mehr als 10 µg/l Arsen aufweisen: Laut Bundesamt für Gesundheit hätte eine Senkung des Grenzwerts zur Folge, dass «lokale Trinkwasserquellen saniert oder geschlossen werden müssten».  


So wurde getestet:
Das Labor Simec in Zofingen AG hat 25 stille Mineralwasser auf folgende Substanzen untersucht:

  • Krankheitserregende Keime: Die Darmbakterien Escheria coli und Enterokokken weisen auf eine fäkale Verunreinigung hin und können zu Durchfall­erkrankungen führen. Die Nasskeime Pseudomonas aeruginosa können bei immungeschwächten Personen gefährliche Infektionen auslösen.
  • Gesamtkeimzahl (aerobe mesophile Keime): Ist ein Hygiene-Indikator. Diese Keime sind gesundheitlich unbedenklich. Sie vermehren sich schneller in stehendem als fliessendem Wasser. Daher steigt die Anzahl Keime in Flaschen rascher an als im Hahnenwasser.
  • Uran: Kommt natürlicherweise in Gestein vor. Durch das Grundwasser wird es herausgelöst und gelangt so ins Trinkwasser. Das radioaktive Schwermetall ist hochgiftig. Es sammelt sich im Körper an und kann Nieren, Lunge, Leber und Knochenmark schädigen.
  • Arsen: Gelangt wie Uran durch das Gestein ins Wasser. Eine dauerhaft hohe Aufnahme des giftigen Stoffes kann zu Gesundheitsschäden und Krebs führen.
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Kommentare

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von Nendaz am
07.09.2011, 18:35

Eine schwache Leistung des BAG

ansonsten diese Instanz sich Fortschrittlich in Sachen Lebensmittelsicherheit gibt, scheint hier ein Rückschritt ins letzte Jahrhunder stattzufinden. Wer von diesem Amt würde in der Prese offen kommunizieren und belegen, warum die, in der EU tiefere Grenzwerte nei Arsen nicht übernommen werden? Sind die Schweizer Resistenter gegen höhere Grenzwerte? Oder ist es der politische Druck der Mineralwassrvertreiber? Solange keine valablen Erklärungen vorliegen muss der Bürger annehmen, dass entweder diese Leute nichts davon verstehen oder die Wirtschaft in Sachen Grenzwerte bevorteilt wird.

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