So schnell ist Ihr Handynetz wirklich

saldo 14/2013 vom

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Die Mobilfunk­unternehmen versprechen punkto Geschwindigkeit mehr, als sie halten. Das zeigen Zehn­tausende von saldo-Lesern durchgeführte Messungen. Smart­phones laden die Daten nur in den wenigsten Fällen mit der höchstmöglichen Kapazität.

Wie schnell ist das Handynetz von Swisscom, Sun­rise und Orange? Lohnen sich teure Abos? Erhält mehr Leistung, wer mehr zahlt? Antwort auf diese Fragen geben die Messungen von über 10 000 saldo-Lesern. Zusammen haben sie während drei Monaten in der ganzen Schweiz 71 040 Mal die Datenübertragung zum Smartphone gemessen. Die Spezialisten von Cnlab aus Rapperswil SG werteten die Daten aus und ergänzten sie mit eigenen Messungen.

Resultat: Wer bei Swisscom mehr zahlt, erhält in den modernsten Netzen tatsächlich eine höhere Geschwindigkeit. Beim Abo Infinity L (Fr. 129.–/Mo­nat) erreichen die Kunden durchschnittlich etwa die Hälfte der angepriesenen 21 Mbit/s. Bei den XL-Abos (Fr. 169.–/Monat) sind sie mit durchschnittlich 24,7 Mbit/s weit weg von den versprochenen maximalen 100 Mbit/s. Bei Orange und Sunrise hat die Art des Abos in den meisten Fällen keinen Einfluss auf die Geschwindigkeit. Bei Orange erreichten die saldo-Tester durchschnittlich 12,9 Mbit/s und bei Sunrise 6,3 Mbit/s.

Modernes Netz fast nur in grösseren Städten

Die Spannbreite der gemessenen Datenraten war sehr gross. Die besten 20 Prozent der Messungen erreichten bei allen Telekomfirmen fast doppelt so hohe Datenraten wie der Durchschnitt. Die Gründe: Nicht alle Regionen in der Schweiz verfügen über die gleiche Netzwerktechnik. Die superschnelle 4G-Technologie steht mehrheitlich erst in grösseren Städten zur Verfügung.

Zudem lässt sich 4G nur mit einem 4G-fähigen Gerät nutzen (siehe Kasten «Mit dem richtigen Gerät unterwegs»). Die Messungen zeigten, dass erst etwa 12 Prozent der saldo-Leser über ein solches Gerät verfügen. Ebenfalls entscheidend: Mit wie vielen anderen Personen muss man die Bandbreite teilen? An Bahnhöfen oder anderen belebten Plätzen mit vielen Leuten sind die gemessenen Datenraten entsprechend tiefer.

Cnlab hat zudem die Schweiz in Flächen von je einem Quadratkilometer aufgeteilt und errechnet, welche durchschnittlichen Datenraten auf diesen Flächen erreicht wurden (siehe Tabelle «Datenraten»). Aufgrund der Flächenmessungen zeigt sich, dass man im LTE-Netz mit 4G-fähigen Geräten viel schneller unterwegs ist als im 3G-Netz. Swisscom erreicht 18,4 Mbit/s, Orange 18,3 Mbit/s und Sunrise 17,1 Mbit/s. Das unlimitierte XL-Abo der Swisscom erreicht sogar 23,3 Mbit/s. Im 3G-Netz erzielt die Swisscom 5,3 Mbit/s über alle Abos gesehen. Bei Orange sind es 3,1 Mbit/s, bei Sun­rise 2,8 Mbit/s. Mit dem unlimitierten XL-Abo der Swisscom sind es 8,1 Mbit/s.

Für die einzelnen Abos ergibt sich über alle Netze folgendes Bild (siehe Grafik oben): Betrachtet man die Werte, die bei 80 Prozent der Messungen erreicht wurden, profitiert man mit dem 169 Franken teuren XL-Abo der Swisscom von den höchsten Geschwindigkeiten. Auch mit den Swisscom Abos L und M ist man schneller unterwegs als mit den Abos von Sunrise und Orange. Allerdings auch deutlich teurer: das L-Abo kostet 129 Franken, das M-Abo 99 Franken (siehe Tabelle oben). Bei Sunrise und Orange gibt es Abos mit voller Geschwindigkeit, aber limitiertem Datenvolumen ab 29 beziehungsweise 30 Franken.

Abo: Mit einer Datenrate von 1 Mbit/s kommt man relativ weit

Für welches Abo man sich entscheiden soll, hängt vom eigenen Anwenderverhalten ab. Bereits mit einer Datenrate von 1 Mbit/s kann man viele Apps benutzen. Zum Beispiel den SBB-Fahrplan, Facebook oder Wettervorhersagen. Auch das Surfen im Internet oder das Abrufen von E-Mails ist möglich. Allerdings braucht der Seitenaufbau meist etwas Zeit. Selbst Youtube-Videos können abgespielt werden, allerdings nur in Standardqualität. Teils kommt es dabei zu Unterbrüchen oder verpixeltem Bild.

Mit einer Datenrate von 5 Mbit/s und mehr lassen sich Videos in hochauflösender Qualität abspielen, Video- und Musikstreaming sind ohne Unterbrüche möglich. Websites bauen sich schneller auf.

Alle Telekomunternehmen erreichten auf über 80 Prozent der Flächen, auf denen die saldo-Leser Messungen durchgeführt haben, durchschnittlich mindestens Datenraten von 1 Mbit/s. Grössere Unterschiede zeigten sich bei den durchschnittlich erreichten Datenraten von 5 Mbit/s. Bei der Swisscom erreichte man diese Geschwindigkeit über alle Abos gesehen auf 49 Prozent der Flächen, bei Orange auf 25 Prozent und bei Sunrise auf 16 Prozent. Mit dem unlimitierten XL-Abo der Swisscom sind es 70 Prozent.

Orange-Sprecherin Therese Wenger kritisiert den Vergleich. Die Geschwindigkeit einzelner Aboangebote liesse sich so nicht mit der Geschwindigkeit eines ganzen Netzes vergleichen: «Anders als bei Swisscom haben bei Orange alle Kunden stets die schnellstmögliche Internetverbindung.»

Sunrise hat gemäss Aussage ihres Sprechers Roger Schaller während der Testperiode einen wichtigen Teil der Netzmodernisierung abgeschlossen und alle Mobilfunkstationen mit der neusten Technik ausgerüstet. «Daher kam es wohl vereinzelt zu Störungen, die sich am Anfang der Testperiode auf die Qualität des Netzes auswirkten.»

Erfreut über die Auswertung zeigt sich Swisscom-Sprecherin Annina Merk: «Die guten Resultate zeigen, dass sich unsere hohen Investitionen in den Netzausbau auszahlen.»

Detaillierte Grafiken zum Test finden sich unter diesem Link.

Smartphones: Mit dem richtigen Gerät unterwegs

Vom neuen schnellen Mobilfunkstandard LTE (4G) kann nur profitieren, wer über ein 4G-fähiges Smart­phone verfügt. Doch auch bei den nur 3G-fähigen Geräten gibt es Geschwindigkeitsunterschiede. Die saldo-Messungen zeigen, dass die Wahl des Geräts die Geschwindigkeit wesentlich beeinflusst.

Die modernen 4G-fähigen Geräte erreichen unter optimalen Bedingungen LTE-Datenraten von 100 Mbit/s und 3G-Datenraten von 42 Mbit/s oder mindestens 21 Mbit/s.

Bei den nur 3G-fähigen Smartphones gibt es grosse Unterschiede: Einige erreichen maximal 21 Mbit/s (HTC One X, Samsung Galaxy S3 GT-I9300, Samsung Galaxy S2 GT-I9100, Huawei Ascend P1 XL), andere maximal 14,4 Mbit/s (iPhone 4S, Samsung Galaxy S3 mini I8190, HTC Sensation) und wieder andere nur 7,2 Mbit/s (iPhone 3GS, Samsung Galaxy mini S5570).

Wer Wert auf hohe Geschwindigkeiten legt, sollte also in der Produkt­beschreibung darauf achten, ob ein Gerät schon 4G-fähig ist. Und welche maximalen Geschwindigkeiten es bei 3G unterstützt.

Glossar: Die wichtigsten Begriffe

Download-Datenrate:
Als Download (Herunter­laden) bezeichnet man das Empfangen von Daten auf dem Computer oder dem Smartphone. Die Datenrate besagt, welche digitale Datenmenge innerhalb von einer bestimmten Zeiteinheit übertragen wird. 
1 Mbit/s bedeutet, dass in einer Sekunde eine Datenmenge von 1 Megabit (Mbit) über­tragen wird.

Upload-Datenrate:
Der Upload (Hochladen) bezeichnet den Datenfluss vom Smartphone zu einem entfernten Rechner – etwa beim Hochladen von Fotos vom Smartphone auf Facebook. Auch hier zeigt die Datenrate, welche digitale Datenmenge innerhalb von einer Zeiteinheit hochgeladen wird.

Mobilfunkstandard:
Es gibt unterschiedliche Mobilfunktechnologien, die jeweils unterschiedliche Übertragungsraten ermöglichen. Zurzeit sind es in der Schweiz folgende Standards:

  • 2G (2. Generation): GMS/EDGE, ermöglicht Download-Datenraten bis 0,2 Mbit/s
  • 3G (3. Generation): UMTS/HSPA(+), ermöglicht Download-Datenraten bis 42 Mbit/s
  • 4G (4. Generation): LTE, ermöglicht Download-Datenraten bis 150 Mbit/s.

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