Hormone gegen Pickel

Gesundheitstipp 05/2008 vom

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Die Antibaby-Pille soll die Haut verschönern. So werben Hersteller im Internet. Sie wollen damit auch sehr jungen Mädchen die Pille schmackhaft machen. Experten sind entsetzt.


Die Pharmafirma Grünenthal betreibt die Internetseite www.laralove.ch. Sie ist mit Rosen verziert. Rubriken wie «Boys» und «Beauty» sollen junge Mädchen ansprechen. Die Seite lobt die Pille als bestes Verhütungsmittel. Und: Sie preist das Medikament als Schönheitsmittel an: «Die enthaltenen Hormone haben einen Beauty-Effekt: Akne und Pickel verschwinden langsam, der Teint wird wieder rosig, Haare und Nägel sind weniger brüchig.»

Unter www.pille.com wirbt die Pharmafirma Bayer-Schering. Die Seite informiert über Themen wie körperliche Veränderungen in der Pubertät und «das erste Mal». Auch dort heisst es: «Moderne Pillen helfen bei Akne und verhindern Gewichtszunahmen.» Was Pillenhersteller verharmlosen: Es geht um künstliche Hormone, die in die Vorgänge im Körper eingreifen. Für Infos über die Gefahren des Medikaments muss man sich auf www.pille.com durch viele Seiten klicken. Und www.laralove.ch rät zwar vom Rauchen ab, wenn Frauen die Pille nehmen, erwähnt aber mit keinem Wort ein Krebsrisiko.

Frauenärztin Theres Blöchlinger vom Zürcher Frauenambulatorium sagt: «Solche Werbung entsetzt mich. Es geht hier nicht um einen Energy-Drink, sondern um ein Medikament – mit all seinen Risiken. Diese wischen die Pharmaunternehmen einfach unter den Tisch.»


«Bei Hautproblemen helfen Aknemittel viel besser»

Zum Beispiel steigt durch die Pilleneinnahme die Brustkrebs- und Thrombosegefahr. Blöchlinger sieht noch ein Risiko: «Beginnt ein Mädchen zu früh mit der Pille, könnte es später Probleme bekommen, schwanger zu werden. Der Hormonhaushalt braucht nach dem Absetzen lange, um sich einzuspielen.»

Doch die Pillenhersteller scheinen für ihre Werbung belohnt zu werden: «Viele junge Mädchen fragen nach einer Pille, die positiv auf die Haut wirkt», sagt die Kinder- und Jugendgynäkologin Renate Hürlimann vom Kinderspital Zürich. «Aber bei Hautproblemen helfen spezielle Aknemittel viel besser.»

Die Pharmafirmen halten an ihrem Internetauftritt fest. Grünenthal schreibt dem Gesundheitstipp: «Die Seite www.laralove.ch ist eine Dienstleistung für den Arzt.» Sie werbe nicht für ein bestimmtes Produkt. Die Besucher der Website begrüsst sie mit «Hallo Mädels!».

Bayer-Schering betont: «Die Auswirkung spezieller Pillen auf fettige und Aknehaut ist bewiesen.» Dennoch werde die Pille nicht als Aknetherapie, sondern zur zuverlässigen Verhütung eingesetzt. Ein Extra-Kapitel auf www.pille.com weise auf mögliche Nebenwirkungen hin. Ausserdem «wägt der Arzt Nutzen und Risiko ab».


Gratis-Merkblatt Verhütung

Zum Herunterladen unter www.gesundheitstipp.ch.
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