Durch Verzeihen mühelos zum Wunschgewicht

saldo 06/2012 vom 27. März 2012

von Gabriela Braun, Redaktion Gesundheitstipp

Nicht zu viel essen macht dick – schuld sind damit ver­bundene Gefühle wie Stress und Angst. Das behauptet der Psycho-Coach Andreas Winter. «An der Grenze zur Scharlatanerie», entgegnen Experten.

Mit geheimnisvoller Musik beginnt am 15. März der Abend im Kongresshaus Zürich. Vier Stunden später endet er mit einer Gruppenhypnose. «Entscheide selbst, wie du dich fühlst!», ist der letzte von vielen gesprochenen Sätzen des Mentaltrainers Andreas Winter. Die rund 200 anwesenden Frauen, die zwischen 150 und 230 Franken bezahlt haben, klatschen begeistert. 

Dazwischen liegt ein «Gruppencoaching-Grossereignis» von vier Stunden. Es soll das Leben für immer verändern. Andreas Winter ist Mentaltrainer und Autor von Büchern wie «Abnehmen ist einfacher als zunehmen», «Nikotinsucht – der grosse Irrtum» oder «Heilen ohne Medikamente».

Gemäss dem deutschen Psycho-Coach ist Abnehmen denkbar einfach: Nicht das Essen mache dick, sondern die damit verbundenen schlechten Gefühle. «Es ist völlig egal, was oder wie viel Sie essen», sagt Winter mit eindringlicher Stimme von der Bühne ­herab. «Vergessen Sie den Kalorienterror! Weder Disziplin noch Verzicht sind notwendig. Es ist die Angst, die Sie dick macht.» Schuld-, Scham- oder Mangelgefüh­le beim Essen sorgten «für einen stressbedingten Körperfettanteil». Die Lösung des Problems: diese Gefühle vom Essen trennen.


Experten kritisieren das  Spiel mit der Hoffnung der Betroffenen

Für den Zürcher Präventivmediziner David Fäh klingen die Aussagen Winters «teils falsch und sehr pauschalisiert». Es seien genau solche Sätze, die viele ­übergewichtige Menschen hören wollten. «Natürlich macht Essen dick», betont  Fäh. Jemand, der regelmässig zu viel esse und sich nicht bewege, nehme zu.

Angst und Stress könnten zwar zu Übergewicht beitragen, doch das seien bloss zwei von mehreren Fak­toren. «Übergewicht hat meist mehrere Gründe», sagt Fäh. Zum Beispiel Schlafprobleme, Jobverlust, Medikamente, eine persönliche Krise, ein Rauchstopp.

Zurück zu Winters Show. Der schlaksige 46-Jährige rät dem weiblichen Publikum, auf Diäten zu verzichten. Das fördere bloss den Jojo-Effekt. «Sie müssen sich auch nicht zusätzlich bewegen. Allein Ihre Gedanken müssen sich bewegen», sagt er. «Schauen Sie mich an. Ich bin schlank, ich habe kein schlechtes Gewissen beim Essen.»

Winter erzählt, wie er häufig ein grosses Marzipanbrot verdrückt, ohne zuzunehmen. Für ihn ist klar, dass alle Menschen mit zu viel Gewicht Probleme haben. Seine Behauptung: «Es gibt keine Übergewichtigen, die keine Probleme haben. Das ist so.»

Solche Aussagen lassen den Puls des Präsidenten der Adipositas-Stiftung, Heinrich von Grünigen, in die Höhe schnellen: «Das ist eine Frechheit.» Winter verhöhne damit jeden, der ein Gewichtsproblem habe, sagt er. «Er spielt mit der Hoffnung vieler betroffener Menschen.» Von Grünigen: «Für mich grenzt das an Scharlatanerie.»

Auch Mediziner Fäh protestiert und verweist auf andere Ursachen für Übergewicht. Vor allem Männer würden sich häufig übergrosse Portionen schöpfen und zu viel essen. Auch das Alter spiele eine Rolle: «Weil die Muskelmasse abnimmt, sinkt der Kalorienbedarf des Körpers mit jedem Jahr.»

Unverständlich ist für Fäh die Behauptung, zum Abnehmen brauche es keinerlei zusätzliche Bewegung. Sport gehöre «zwingend dazu». Es müsse anstrengend sein, man müsse schwitzen. «Jegliche Art von Bewegung ist sinnvoll.»


Den Eltern verzeihen, dann purzeln angeblich die überflüssigen Kilos

Winter hingegen setzt auf Reisen ins Unbewusste mit Hilfe der Hypnose: «In der Zeit der Zeugung bis zum dritten Lebensjahr entsteht der Grundstein für unsere Probleme.» Die Lösung: Je mehr man sich mit dem Unterbewusstsein beschäftige, desto eher bekomme man seine Probleme in den Griff.

«Schliessen Sie die Augen, lauschen Sie meiner Stimme», befiehlt Winter. Die Hypnose beginnt. «Gehen Sie raus aus der Kindheit. Unsere Eltern haben vieles falsch gemacht, aber wir müssen ihnen verzeihen. Beginnt den Körper zu ernähren, nicht die Gefühle.» Die Zuschauerinnen ni­cken. Am Ende der Veranstaltung verlassen sie voll Zuversicht den Saal. In drei Tagen, so Winters Prognose, purzeln die ersten Kilos.

saldo konfrontierte Andreas Winter mit der Kritik. Der Mentaltrainer äusserte darauf Zweifel an der Sachkenntnis der Experten. Er hält an seinen Aussagen fest.


Tipp: Gesund abnehmen und schlank bleiben

  • Essen Sie vielseitig: Auf die Menge, Auswahl und Kombination kommt es an.
  • Verzichten Sie auf ­Zwischenmahlzeiten.
  • Belohnen Sie sich nicht mit Essen.
  • Nehmen Sie Mahlzeiten am Tisch ein, nicht nebenbei vor dem Fernseher oder am Computer.
  • Bewegen Sie sich so viel wie möglich.
  • Nehmen Sie sich zum Abnehmen genügend Zeit. Ein halbes Kilogramm ­Ge­wichtsverlust pro Woche reicht.


Weitere Infos finden Sie im Ratgeber «95 Diäten im Test».

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