Die Maus aus der Dose wäre ideal

saldo 7/2003 vom

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Das Angebot an Katzenfutter ist riesig. Eine Analyse zeigt: Die Produkte sind einwandfrei, doch beim Energiegehalt gibt es grosse Unterschiede.

Kein Haustier ist den Schweizern lieber als die Katze. In jedem vierten Haushalt ist eines dieser samtpfotigen Wesen anzutreffen, insgesamt leben 1,3 Millionen Katzen hier. Ihre Eigenwilligkeit ist berühmt und erstreckt sich nicht selten bis zum Futternapf. Der Markt hat darauf reagiert: Katzenfutter gibt es in zahllosen Varianten. Und die Kunden greifen eifrig in die Regale und hoffen, dass das Produkt den Gaumen ihres anspruchsvollen Lieblings zu kitzeln vermag. Ob Trocken- oder Nassfutter, ob mit Crevetten oder mit Rind, ob als Pâté oder Bröckchen in Gelée: Eine breite Palette von Menüs lockt die Käufer.


Zu viel Trockenfutter kann zu mehr Blasensteinen führen

Doch was braucht die Katze wirklich? Von ihrer Natur her ist sie eine Jägerin und ernährt sich von Mäusen. Eine ausgewachsene Katze frisst bis zu zwölf Mäuse pro Tag. Mäuse enthalten denn auch alles, was eine Katze braucht. Eine Maus besteht zu 75 Prozent aus Wasser, ferner aus viel Eiweiss und Fett. Die Hersteller versuchen, diese Zusammensetzung nachzuahmen.

Dosenfutter entspricht dem Beutetier am besten: Es besteht hauptsächlich aus Wasser. «Die Katze nimmt den grössten Teil des notwendigen Wassers über die Nahrung auf», betont Marcel Wanner, Professor an der Universität Zürich. Wird der Katze Trockenfutter serviert, nimmt sie weniger Flüssigkeit auf und der Urin wird konzent-rierter ausgeschieden. Das kann zu mehr Blasensteinen führen. Zudem enthält Trockenfutter weniger Fleisch.

Für die Zahnreinigung ist Trockenfutter hingegen gut. Wanner empfiehlt deshalb, Katzen neben Nassfutter hin und wieder Trockenfutter zu geben.


Kohlenhydrate: Für Katzen schlecht verträglich

Doch die Katze ist ein anspruchsvoller Gast. Neben dem richtigen Gehalt an Fett, Eiweiss und Proteinen sind noch weitere Faktoren für eine gesunde Katzenernährung wichtig. Bei den Deklarationen finden besorgte Katzenhalter kaum Anhaltspunkte, ob das Produkt den Bedürfnissen und Ansprüchen ihres Lieblings genügt.

saldo und Kassensturz haben deshalb acht Nassfutter und vier Trockenfutter ins Labor geschickt. In aufwändigen Analysen wurden die Futter auf Wasser-, Eiweiss-, Fett- und Proteingehalt geprüft. Zusätzlich untersuchte das Labor den Anteil an Bindegewebsprotein, von dem auf die Qualität des verwendeten Fleisches geschlossen werden kann. Neben Magnesium, Natrium und Aminosäuren muss auch genügend Taurin im Futter enthalten sein. Zu wenig Taurin kann bei der Katze zur Erblindung führen.

Alle untersuchten Futter erfüllten die Anforderungen, trotzdem gibt es Unterschiede. Anders als der Mensch verträgt die Katze sehr viel tierisches Fett. Für den Stubentiger ist es der wichtigste Energiespender und macht ihn im Gegensatz zum Menschen nicht dick. Eine Katze frisst nur, solange sie wirklich Hunger hat. Nur frustrierte, gelangweilte Katzen fressen übers Mass und werden dick.

Beim Fettgehalt gab es im Test grosse Unterschiede. Sheba enthält deutlich weniger Fett als der Testsieger Miamor aus dem Fachhandel. Deshalb liegt Sheba in Bezug auf die verfügbare Energie am Ende der Tabelle. Sheba-Importeur Masterfood stellt dazu fest: «Im Produkt Sheba sind besonders hochwertige fleischliche Rohmaterialien enthalten. Im Vergleich zu anderen preiswerteren Produkten enthält Sheba einen viel höheren Fleischanteil. Der Energiewert von Sheba liegt gemäss den Empfehlungen des europäischen Verbands für Heimtiernahrung im oberen Bereich.» Auch Cha Cha Cha von Coop, Kitekat und Ron Ron schneiden beim Energiegehalt nur genügend ab. Urs Peter Naef, Pressesprecher Migros, gibt zu: «Ron Ron ist, was Nährstoffe und den Preis betrifft, an der unteren Bandbreite von unserem Sortiment.»


Selina Classic: Hoher Energiewert, günstiger Preis

Der Energiegehalt hat direkte Auswirkungen auf das Portemonnaie: «Weil diese Futter energiearm sind, frisst die Katze davon mehr als von anderem Futter», sagt Wanner. Testsieger Miamor enthält mehr als doppelt so viel Fett wie das Schlusslicht in der Tabelle, Sheba. Dafür liegt Miamor mit Fr. 1.10 pro 85-Gramm-Dose im Preis deutlich über allen anderen Produkten der Stichprobe. Auf den zweiten und dritten Rang schafften es Felix Emincés und Selina Classic mit einem günstigen Preis und hohem Energiewert.

Beim Trockenfutter überzeugte ein Premium-Produkt: Iams Adult. Dank hohen Fettgehalts müssen Katzenhalter davon weniger verfüttern als von Brekkies, das knapp halb so viel Fett enthält.

Mit einem Vorurteil kann die Analyse aufräumen: Kein Futter enthält minderwertiges Fleisch. «Katzennahrung wird aus einwandfreien Rohstoffen hergestellt», so Marcel Wanner. «Das ist nicht Fleisch von verendeten Tieren, sondern Fleisch, das auch für unsere Ernährung geeignet wäre, etwa Nebenprodukte, die bei der Schlachtung anfallen.» Katzenfutter ist in der Qualität so gut, dass es auch für Menschen bekömmlich wäre.


Katzenfutter enthält keine süchtig machenden Stoffe

Häufig vermutet der Katzenhalter aufgrund der kompromisslosen Futterwahl seiner Katze, dass die Hersteller süchtig machende Stoffe beimischen. Solche Substanzen seien in Katzenfutter jedoch nicht enthalten, betont Wanner. Süchtig nach Zucker kann eine Katze nicht werden: Ihr Geschmackssinn kann Süsses nämlich nicht erkennen.



Wählerische Katzen

- Verschmäht die Katze ein Futter, kann Baldrian, Thymian oder Pfefferminze - in Kleinstmengen zugemischt - helfen. Dieselbe Wirkung haben Kaffeerahm, Knob-lauchpulver oder Bouillon.

- Auf Körpertemperatur erwärmtes Fleisch schmeckt der Katze besser als kaltes oder heisses Futter.

- Hundefutter eignet sich nicht, da es Konservierungsstoffe enthält, die für Katzen schädlich sind.

- Wer seine Katze an ein neues Futter gewöhnen will, mischt jeden Tag etwas mehr vom neuen Futter unter das gewohnte.

- Bei Jungkatzen sollten Futter und Geschmacksrichtung häufig gewechselt werden, dann legt sich die Katze nicht auf eine Sorte fest.
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