Bad, Dusche, WC: Preise so hart wie Keramik

saldo 03/2011 vom 15. Februar 2011

von Andreas Schildknecht, Redaktion K-Tipp/saldo

Der Sanitärartikel-Markt in der Schweiz spielt nicht: Keramik und Armaturen von Schweizer Marken sind im Inland fast überall gleich teuer. Wer sie im Ausland kauft, spart viel Geld.

Wer baut, braucht eine Badewanne, Armaturen und WC-Schüsseln. Beliebt sind Markenartikel von Schweizer Firmen wie Laufen, Geberit und KWC.

Solche Artikel erhält man im einheimischen Baumarkt oder beim Sanitärinstallateur. Ärgerlich: Trotz einer Vielzahl von Anbietern kosten Sanitärartikel in der Schweiz fast überall gleich viel. Einige Beispiele:

  • Die marktbeherrschenden Grosshändler Sanitas Troesch und Gétaz Romang führen den Doppelwaschtisch Laufen Pro für 1034 beziehungsweise 1024 Franken in ihren Katalogen. Preisunterschied: ganze 10 Franken.
  • Das Doppellavabo Arolla New Laufen gibt es bei Obi Winterthur für 909 Franken, das einfache Lavabo Moderna für 275 Franken. Sanitas Troesch listet die Wasch­ti­sche für Fr. 911.50 respektive Fr. 286.20 auf. Auch hier also fast die gleichen Preise.
  • Für die Mischbatterie KWC Ono 125 ohne Ablaufgarnitur geben Sanitas und Gétaz mit 431 und 426 Franken ebenfalls fast gleich viel an.
  • Dasselbe Stand-WC von Laufen ist bei Bauhaus in Schlieren ZH, bei Sanitas und Gétaz mit 225, 229 und 227 Franken angegeben.


Laut Sanitas Troesch sind die Katalogpreise der Fachhändler ähnlich, weil sie häufig von den Herstellern übernommen werden. Rolf Schmidt, Leiter Marketing bei Laufen: «Unsererseits gibt es keine Preisvorschriften.» Laufen publiziere nur Richtpreise.

Die im Vergleich zu Deutschland hohen Preise in der Schweiz begründet er mit dem höheren Lohnniveau. Wer die Produkte der Sanitärbranche nicht selbst bezieht, sondern über den Installateur, kann das Preisdiktat der Hersteller nicht umgehen.

Das zeigt eine Stichprobe. saldo forderte bei 20 Sanitärinstallateuren Offerten für drei Produkte an – den Doppelwaschtisch Laufen Pro, die Badewanne Duo von Schmidlin und die Hahnen der Serie Ono von KWC.

Die Offerten zeigen klar: Sanitäre kalkulieren mit den Richtpreisen der Grosshändler. Die Rabatte liegen zwischen 10 und 20 Prozent, sofern man die Arbeit durch den Sanitär ausführen lässt. Viele Sanitäre lehnten eine reine Materiallieferung ab. Ein pensionierter Installateur bestätigt: «Fast alle geben dieselben Rabatte weiter.»


Untersuchungen wegen Preisabsprachen laufen

Fazit: Der Markt spielt nicht. Der Verdacht auf illegale Preisabsprachen ist offenkundig. Nach diversen Anzeigen von Konsumenten ist die Wettbewerbskommission (Weko) aktiv geworden. Sie untersucht nun das Richtpreissystem in der Sanitärbranche.

Erste Ergebnisse sind laut Weko-Sprecher Patrik Ducrey noch in diesem Quartal zu erwarten. Die EU hat letztes Jahr gegen 17 Sanitärhersteller wegen Preisabsprachen Geldbussen von über 800 Millionen Franken ausgesprochen. Die grösste Busse erhielt der amerikanische Konzern Ideal Standard, gefolgt von Villeroy & Boch.   


Kauftipps: So vermeidet man teure Schweizer Preise

Wer sein WC günstiger haben will, muss den Schritt über die Grenze wagen. Private Bauherren, die sich auf www.haus-forum.ch austauschen, empfehlen etwa den Reuter-badshop.de. Die Differenz der Richtpreise ohne Mehrwertsteuer ist enorm.

  • Reuter verkauft den Doppelwaschtisch Laufen Pro für Fr. 556.80 (Eurokurs Fr.1.28). Die Richtpreise von Sanitas Troesch und Gétaz liegen fast doppelt hoch.
  • Die Mischbatterie KWC Ono 125 ohne Ablaufventil kostet bei Reuter 295 Franken – rund 30 Prozent weniger, als Sanitas und Gétaz in ihren Katalogen verlangen.
  • Bei Reuter gibts den Hahn Axor Citterio M 128 mit Ablaufgarnitur für Fr. 260.80 – verglichen mit Gétaz über 40 Prozent günstiger.

Selbst wenn einheimische Sanitärinstallateure Rabatte von 20 Prozent gewähren, sind beim Kauf in Deutschland Einsparungen von 30 Prozent möglich.

Aber nur dann, wenn man als Privater sein WC selbst über die Grenze bringt. Zollfrei sind Waren bis zum Wert von 300 Franken. Darüber wird nur die Mehrwertsteuer von 8 Prozent fällig.

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