10 Fragen zur Anfechtung eines Testaments

saldo 04/2019 vom

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Handschrift ist Pflicht: Andernfalls muss das Testament notariell beglaubigt werden (Bild: ISTOCK (MONTAGE))

Handschrift ist Pflicht: Andernfalls muss das Testament notariell beglaubigt werden (Bild: ISTOCK (MONTAGE))

1 Muss nach einem Todesfall jedes ­aufgefundene Testament sobald wie möglich dem Gericht eingereicht werden?

Ja. Das gilt auch für nichtige oder ­anfechtbare Testamente. 

2 Ist ein am Computer geschriebenes und von Hand ­unterzeichnetes ­Testament gültig?

Nein. Ein Testament muss laut Gesetz ­vollständig von Hand geschrieben oder von einem Notar beurkundet werden. 

Ein ­maschinell geschriebenes, von Hand ­unterzeichnetes Testament ist laut einem älteren Entscheid des ­Bundesgerichts nichtig – also ungültig. 

3 Ist die Fotokopie eines formal richtig aufgesetzten Testaments rechtswirksam?

Nein. Es fehlt auch hier an der ­Handschriftlichkeit. Eine Fotokopie ist eine fotomechanisch angefertigte, keine handschriftliche Urkunde.

4 Ist ein Testament ungültig, wenn der Verfasser die gesetzlichen ­Pflichtteile der nächsten Verwandten nicht berücksichtigt hat?

Nein, es ist gültig. Erben, deren Pflichtteile verletzt werden, können aber beim Gericht eine Herabsetzungsklage einreichen. Die Klage richtet sich gegen die anderen Erben. Ist die Klage erfolgreich, erhält der ­klagende Erbe seinen ganzen Pflichtteil – auf Kosten der Miterben. 

5 Kann man ein auf Druck eines Erben verfasstes Testament ­anfechten?

Ja. Eine letztwillige Verfügung ist ­anfechtbar, wenn sie nicht dem letzten ­Willen des Verfassers entspricht. 

6 Wer muss beweisen, dass das ­Testament nicht dem Willen des ­Verfassers entspricht?

Der Kläger, der das Testament gerichtlich anficht. Also derjenige, der behauptet, der Inhalt entspreche nicht dem wirklichen Willen des Verstorbenen.

7 Wie lange kann man es anfechten?

Die Frist für die Anfechtung beträgt ein Jahr ab Kenntnis des Testaments und des Ungültigkeitsgrundes, höchstens aber zehn Jahre ab dem Zeitpunkt der Testaments­eröffnung.

8 Wer ist zur Anfechtung berechtigt?

Jeder Erbe, Vermächtnisnehmer oder ­Willensvollstrecker, der ein Interesse daran hat, dass das Testament für ungültig erklärt wird.

9 Wo muss man ein Testament ­anfechten?

Bei der Schlichtungsbehörde am letzten Wohnsitz des Verstorbenen.

10 Was passiert, wenn das Gericht ein Testament für ungültig erklärt?

Das Testament wird aufgehoben, und die Erbteile richten sich nach den gesetzlichen Bestimmungen oder nach einem allenfalls früher verfassten Testament. 

 

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