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Immmer mehr Spitäler bieten gegen Prostatakrebs die sogenannte Brachytherapie an. Doch deren Nutzen ist nicht belegt.
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• Der Nutzen der seit etwa 25 Jahren eingesetzten
Brachytherapie ist in zahlreichen Studien belegt. • Weltweit
wurden in dieser Zeit mehr als 1 Million Patienten mit dieser Methode
behandelt. • Das Bundesamt für Gesundheit hat letztes Jahr
die Brachytherapie des Prostatakarzinoms nach mehrjähriger
multi-zentrischer Evaluation (geleitet durch Prof. Schmid, Urologie,
Kantonsspital St. Gallen) von total mehr als 900 Patienten definitiv
als Pflichtleistung aufgenommen. Die Kriterien der Wirksamkeit,
Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit werden also als
erfüllt betrachtet. • Am Lindenhofspital (als grösstem
Prostata-Brachytherapie-Zentrum der Schweiz) wurden seit 2004 398
Patienten mit dieser Methode behandelt. Die Resultate bezüglich
Heilungsraten und Nebenwirkungen sind ausgezeichnet. • Es gibt zu
keiner der Therapiemöglichkeiten des Prostatakarzinoms
randomisierte Studien. Welcher Patient lässt sich bei dieser
Krankheit schon einer Therapieform zulosen? • Die verschiedenen
Behandlungsmethoden beim früh entdeckten Prostatakrebs sind
bezüglich Heilungsraten gleich gut. Es gibt keine Belege, dass
eine der Therapien besser ist als eine andere. • Weil die
Heilungschancen gleich gut sind, werden für den Patienten andere
Kriterien wichtig, darunter vor allem Häufigkeit und Schwere der
Nebenwirkungen. Diese fallen aber (auch dazu gibt es Studien) bei der
Brachytherapie geringer aus als bei der Operation (Impotenz,
Inkontinenz). • Abwarten und Nichtbehandeln ist im
Frühstadium der Krankheit zulässig, aber man darf den
richtigen Zeitpunkt zur Therapie nicht verpassen. Die Folgen
wären fatal. Patienten mit fortgeschrittenem, oft metastasiertem
Prostatakrebs leiden stark in ihrer restlichen Lebenszeit. Leider ist
es so, dass die Sterblichkeit beim Prostatakarzinom in der Schweiz
weltweit fast am höchsten ist. Eine der Ursachen ist die
ungenügende Behandlung dieser Krankheit in der Schweiz. Dieser
Artikel ist nicht geeignet, die Situation in dieser Hinsicht zu
verbessern. Im Gegenteil: Die Aussage Ihres Krebsarztes,
sinngemäss: „Solange ich keine Beschwerden habe, muss ich
mir auch keine Sorgen machen“ ist eine Katastrophe und ein
Rückfall in Zeiten, wo jeder zweite Patient bei Diagnosestellung
bereits metastasiert war. Die oben aufgeführten Informationen
sowie eine Auswahl von mehr als 20 unterstützenden Studien haben
wir dem Autor des Artikels zur Verfügung gestellt. Dieses
Material wird im Artikel leider nicht berücksichtigt. Die
Qualität des Artikels leidet leider auch unter der einseitigen
Recherche: der Autor lässt nur einen einzigen Arzt zu Wort
kommen. Renommierte Experten für Prostatakrebs teilen dessen
Meinungen nicht.
Laut Klinik Siloah ist die Brachytherapie "innovativ,
erfolgversprechend und schonend". 1. Innovativ - ist die Therapie
vielleicht für die Klinik Siloah: in der Schweiz wird sie seit
über 10 Jahren angeboten, in anderen Ländern ein paar
Jahrzehnte länger. In den USA ist sie die häufigste Therapie
beim früh diagnostizierten Prostatakarzinom. Der Begriff
"innovativ" kann hier also in den Bereich Werbesprüche eines
Dienstleistungsanbieters einsortiert werden. 2. Erfolgversprechend -
gemäss den im Artikel genannten Zahlen ist die Brachytherapie bei
einer allgemein sehr gut heilbaren Erkrankung bzgl. Überlebens
genauso gut wie alle anderen Alternativen. Da darf man das Wort
"erfolgversprechend" doch durchaus gebrauchen. 3. Schonend -
gemäss den im Artikel genannten Zahlen führt die
Brachytherapie zu weniger Nebenwirkungen (Impotenz, Inkontinenz) als
die Operation. Was sonst verstehen Sie unter "schonend"? Es fällt
auf, dass die geringeren Nebenwirkungen im Text des Artikels leider
unterschlagen werden ("Auch das Bestrahlen führt oft zu
Impotenz"). Im Artikel wird bemängelt, dass es keine
randomisierten Studien gebe, die den Vorteil der Brachytherapie
belegen. Mir sind auch keine solchen Studien zu den anderen
Therapiemodalitäten bekannt. Im Artikel fehlt leider auch der
Hinweis auf die randomisierten Studien, die den Vorteil des von Herrn
Marti empfohlenen Nichtstuns belegen. Herr Marti dürfte mit
seiner Ablehnung von Vorsorgeuntersuchungen unter onkologisch
tätigen Ärzten wohl eher zur Minderheit gehören. Dass
der Saldo diese Meinung als die eines "Experten" hinstellt,
dürfte leider nicht dazu beitragen, dass sich die derzeitige
Situation (die Schweiz hat weltweit mit die höchste Sterblichkeit
an Prostatakrebs) verbessert. Zusammenfassung: der Artikel ist
ungenügend recherchiert und ungenügend geschrieben. Diese
Ausgabe des Saldo ist als Postwurfsendung in meinem Briefkasten
gelandet - wohl um mich als Abonnenten einzuwerben. Dieses Ziel wurde
sicherlich meilenweit verfehlt.
