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Die Gesundheitsbehörden empfehlen Menschen ab 64, sich gegen Pneumokokken impfen zu lassen. Experten haben aber schwere Vorbehalte gegen den Impfstoff.
Pneumokokken sind nicht nur für Säuglinge ein Problem, sondern auch für ältere Menschen. Denn die Erreger schaden vor allem Menschen mit schwachem Immunsystem und können schwere Lungen- und Hirnhautentzündungen auslösen.
Die Eidgenössische Impfkommission und das Bundesamt für Gesundheit empfehlen deshalb allen ab 64 Jahren, sich gegen Pneumokokken impfen zu lassen. Für diese Fälle ist der Impfstoff Pneumovax von Sanofi Pasteur MSD zugelassen.
Doch er kommt je länger je mehr in die Kritik. Etzel Gysling, Arzt und Herausgeber des Fachblattes «Pharmakritik», sagt: «Bei Älteren ist der Nutzen ungenügend nachgewiesen.» Die Empfehlung der Impfkommission basiere auf einer zehn Jahre alten Studie, die einen 80-prozentigen Schutz verspricht.
Gysling: «Neuere Studien zeigen nur einen sehr geringen Schutz.» Auch Yvonne Deleré vom Robert-Koch-Institut in Berlin (D) sagt: «Die Datenlage zum Impfschutz ist sehr schlecht.» Den Impfstoff gebe es seit 40 Jahren: «Würde er gut wirken, gäbe es auch Daten.»
Jean-Louis Zurcher vom Gesundheitsamt hält fest, die Impfung werde «vor allem empfohlen, weil sie vor schweren Krankheitsfällen schützt». In diesem Punkt sei die Datenlage noch am besten. Und die Impfkommission räumt ein, dass sich noch «nicht feststellen lässt», ob der Impfstoff auch gegen die viel häufigeren leichteren Infektionen helfe.
Sanofi wollte sich zur Kritik nicht äussern. Unumstritten ist ein neuerer Impfstoff für Babys und Kinder. Dieser soll noch 2011 auch für ältere Menschen zugelassen werden.
10. April 2011 | gro
