SternSternSternStern (2)Kommentare lesen  Tags  Drucken  Beitrag weiterempfehlen

Artikel | K-Tipp 13/2010

Dicke Post für die K-Tipp-Leser

Der K-Tipp hat eine exorbitante Porto­erhöhung der Post angefochten – erfolglos. Folge: Das ­Jahresbo schlägt wegen höherer Zustellungskosten um 6 Franken auf.

Der Post geht es finanziell blendend. Seit Jahren macht sie jedes Jahr Gewinne fast in Milliardenhöhe. Konkret: Im Jahr 2008 waren es 825 und im Jahr 2009 728 Millionen Franken. Im ersten Quartal 2010 erzielte die Post bereits wieder ­einen Überschuss von 274 Millionen Franken.

Auch die obersten Kader lassen es sich gut gehen: Ex-Postchef Ulrich Gygi bezog ein Jahressalär von deutlich über 800‘000 Franken. Das ist rund doppelt so viel, wie ein Bundesrat pro Jahr erhält. Auch der Briefpost geht es finanziell seit Jahren gut.

Dafür sorgt unter anderem der Versand von Zeitungen und Zeitschriften. Ex-Preis­überwacher Rudolf Strahm meinte 2008: «Dass die hohen Gewinne auf überhöhten Preisen basieren könnten, wurde von der Post bisher nicht widerlegt» (K-Tipp 16/08).

Martin Kaiser, bis Ende 2007 beim zuständigen Departement von Moritz Leuenberger als Postregulator mit der Aufsicht über die Post betraut, doppelt nach: «Würde die freie Wirtschaft solche Werte erzielen, wäre die Verwendung des Begriffs Abzockerei nicht fern.»

Trotzdem hat die Post per 1. Januar 2008 das Porto für Zeitschriften und Zeitungen erhöht. Offiziell sprach sie von rund 20 Prozent, für die K-Tipp-Abonnenten betrug die Erhöhung aber zwischen 65 und 140 Prozent. Grund: Für die Bewohner ländlicher Gebiete werden dem Verlag statt 19 neu mindestens 47 Rappen in Rechnung gestellt.


Parlament wollte Non-Profit-Presse schützen

Der Hintergrund für die höheren Porti: Das Parlament änderte im Jahr 2007 den Artikel 15 des Post­gesetzes. Neu gab es zwei verschiedene Tarife: einen tieferen für Zeitungen mit Auflagen bis zu 40 000 und die Non-Profit-Presse sowie einen höheren für kommerzielle Verlage.

Der K-Tipp wird von der Konsumenteninfo AG, einer Non-Profit-AG, zum Selbstkostenpreis herausgegeben. Trotzdem hat die Post für die Konsumentenpresse den Tarif für kommerzielle Verlage angewandt.

Dagegen erhob der K-Tipp Beschwerde. Er wollte vermeiden, dass sich der Preis für ein Abo aufgrund der umstrittenen Porto­erhöhung stark erhöht. Vergebens. Das Bundes­gericht attestierte dem Verlag zwar im Gegensatz zur Post den Non-Profit-Charakter. Es verlangte aber zusätzlich ein Mitgliedschaftsverhältnis, um das Heft zu tieferen Taxen verschicken zu können. Was das heisst, ist unklar. Es widerspricht dem Gesetz, das ein Abonnementsverhältnis vorschreibt. Klar war der Wille des Parlaments, das den neuen Gesetzesartikel formuliert hat.

Die Voten im National- und Ständerat lauteten unisono: Es gibt keinen Preisaufschlag für die Mitglieder- und Non-Profit-Presse, sondern nur für kommerzielle Grossverlage sowie die Migros- und Coop-Presse. Was von diesen Versprechungen zu halten ist, zeigt der jetzt vom Bundesgericht abgesegnete Aufschlag für den K-Tipp – rückwirkend auf den 1. Januar 2008.

Der K-Tipp wird zum Selbstkostenpreis herausgegeben. Deshalb müssen die Mehrkosten der Post vollumfänglich auf den Abopreis überwälzt werden. Das macht pro Jahr 6 Franken. Kleiner Trost: Auch mit Fr. 37.50 für zwanzig Ausgaben kostet der K-Tipp pro Ausgabe nur knapp Fr. 1.90 und ist immer noch konkurrenzlos günstig. Zudem beträgt das Sparpotenzial für die Leser weiterhin ein Viel­faches davon. Nicht zuletzt dank der exklusiven Warentests und der kostenlosen Rechtsberatung.

23. August 2010 | Verlag und Redaktion


Beitrag als PDF
Dicke Post für die K-Tipp-Leser
Download PDF 36 KB
SternSternSternStern Artikel bewerten Stichwort hinzufügen
Artikel weiterempfehlen Artikel drucken

Kommentare (2)

 
  • Nendaz | 25.08.2010, 16:32

    Gummiartikel Marke Parlament..

    Oefters werden solche Artikel ins Gesetzt "eingearbeitet"
    damit die "Figgi u Mühli" bestehen bleibt. Vorschlag an
    K-Tipp: die Abonnenten werden mit dem Abo automatisch Mitglieder
    dieser Non-profit Organisation; sie könnte z.B. 10 Rappen
    Jahres-Mitgliederbeitrag zum Porto erheben.
  • Bergfloh | 24.08.2010, 21:10

    Dicke Post für K-Tipp-Leser

    Die Kader der Post sollen nicht mehr verdienen als die
    Bundesräte. Wer bei Regen und Schnee die Knochenarbeit erledigt
    sind z.B. die Briefträger. Wenn wir schon bald warten müssen
    bis am Nachnittag für die Post im Briefkasten ist dass ein
    Serviceabbau und für dieses sollte man das Kader nicht noch
    vergolden.
Schulen
Grosse Unternehmen wie Swisscom und Post geben an Volksschulen Kurse. Was meinen Sie dazu? ...mehr dazu im Artikel «Schüler im Visier von Unternehmen»
Finde ich gut. So lernen Schüler etwas aus der Praxis.
Kein Problem. Solange der Lehrer dabei ist.
Firmen haben in Schulstunden nichts zu suchen.
Alle Umfragen

Alle Testsieger im Handy
Alle Testsieger im Handy
Hunderte von Tests in der Hosen­tasche: Die neue App «Testsieger» machts möglich. (beide Apps haben den gleichen Inhalt)
Verwandte Artikel
Velokauf: Dieser Kalender zeigt, wo es Velobörsen gibt Ärger des Jahres 2011: Telefonfirmen, Inkassobüros und Krankenkassenvermittler Wofür steht die Ziffer 2 auf dem Strichcode?
Testsieger
Testsieger
Die besten Produkte aus unseren Tests auf einen Blick.
Aktuelle Beratungstexte
Darf mein Chef alle Spinde öffnen? Hafte ich nach dem Auszug? Werden auch Einkäufe in die Pensionskasse geteilt? Alle Beratungs-Artikel
Aktuelle Tests
Warmluft-Stylingbürsten Fleckenmittel ­Bad­reiniger Alle Test-Artikel
Aktuelle Diskussionen
08.02.2012, 16:42 | 0 AntwortenHilcom Computer Onlinehandel--) andere Geschädigte gesucht!!! 08.02.2012, 15:28 | 1 AntwortenHeizkosten 08.02.2012, 14:54 | 2 AntwortenVerlustschein bei einer Firma die selbst liquidiert wurde? 08.02.2012, 14:50 | 0 AntwortenAutoverkauft nun will der Autohändler das Geld zurück
Aktueller Ratgeber
Aktueller Ratgeber
Gesund und aktiv bleiben, das Leben im Ruhestand geniessen. (1. Auflage 2011)
Benutzer-Favoriten