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3a-Wertschriftenfonds versprechen eine höhere Rendite als 3a-Zinskonten. Sie verursachen aber oft happige Gebühren. Erstaunlich: Teure Produkte rentieren oft schlecht.
Schweizer gehen beim Sparen in der Säule 3a meist auf Nummer sicher: Ende 2008 waren von den 61 Milliarden Franken 3a-Vorsorgegeldern rund drei Viertel auf einem Zinskonto einer Bank oder mit einer garantierten Verzinsung bei einer Lebensversicherung angelegt. Gemäss Berechnungen des Beratungsunternehmens Würth Vorsorge in Uster ZH war nur ein Viertel in Fondsprodukte der dritten Säule investiert.
Festverzinsliche 3a-Konten bei der Bank haben in den letzten fünf Jahren eine Durchschnittsrendite von 1,38 (Zuger Kantonalbank) bis 2,02 Prozent (WIR-Bank) erreicht. Wer in ein Wertschriftenkonto investierte, erzielte in derselben Zeitspanne einen Gewinn zwischen 1,41 (Swiss Life Vorsorge-Mix 45) und 4,34 Prozent (Swisscanto BVG 3 Oeko 45).
Nimmt man die jährliche Durchschnittsrendite seit Januar 2000 (siehe Tabelle im pdf-Artikel), gibt es Fonds, die unter 1 Prozent jährlich einbrachten. Mit einem Zinskonto hätte man in dieser Zeit im schlechtesten Fall (Zuger Kantonalbank) im Schnitt 1,75 Prozent Zins pro Jahr erhalten.
Die zwei grossen Börsenkrisen in den letzten zehn Jahren drückten massiv auf die Renditen der 3a-Wertschriftenkonten. Dennoch sind sich Experten einig, dass sich mit 3a-Fonds langfristig höhere Erträge erwirtschaften lassen als mit Zinskonten. Wer auf ein Wertschriftenkonto setzt, sollte aber eine hohe Risikotoleranz gegenüber Wertschwankungen und einen Anlagehorizont von mindestens zehn Jahren mitbringen. Ist der Aktienanteil des Fonds hoch – gesetzlich erlaubt sind maximal 50 Prozent –, werden 15 bis 20 Jahre empfohlen.
Grosser Aktienanteil hat meist höhere Gebühren zur Folge
Gerade weil man in Wertschriftenfonds langfristig Geld investiert, sollten Anleger auch auf die Gebühren achten. Hohe Gebühren können nämlich einen beträchtlichen Teil der Rendite wegfressen. Laut Florian Schubiger von der Winterthurer Beratungsfirma Vermögenspartner AG herrscht bei 3a-Fonds ein «Gebührenwirrwarr».
Die Vorsorgestiftungen weisen auf den Faktenblättern der Fonds die Kosten nicht einheitlich aus. Einzelne Stiftungen geben beispielsweise nur die Verwaltungsgebühr an, aber nicht die Kosten der Fonds, oder sie «vergessen» die Mehrwertsteuer.
saldo hat bei diversen grossen Vorsorgestiftungen angefragt, wie hoch die Gesamtkostenquote Ter (Total Expense Ratio) der 3a-Fonds auf Stufe Privatanleger ist. Gemäss Spezialist Schubiger sollte aufgrund dieser Vorgabe ein Kostenvergleich möglich sein. Allerdings können zur Ter je nach Anbieter noch weitere Gebühren wie ein Ausgabeaufschlag oder Transaktionskosten hinzukommen.
Der Vergleich zeigt, dass die Gesamtkostenquote von 0,76 (Baloise BVG-Mix 25 plus) bis 1,66 Prozent (UBS Vitainvest 50) reicht (siehe Tabelle im pdf-Artikel). Generell lässt sich sagen, dass Fonds mit hohem Aktienanteil eher höhere Kosten verursachen. Es fällt aber auch auf, dass happige Gebühren nicht unbedingt eine bessere Performance zur Folge haben. So erreichen die vier UBS-Fonds im Vergleich allesamt eine schlechte Nettorendite, sind aber sehr teuer.
Besonders negativ fällt der UBS Vitainvest 40 auf: Mit einer Ter von 1,64 Prozent der zweitteuerste Fonds, erzielte er in den letzten zehn Jahren im Schnitt nur eine Rendite von 0,11 Prozent pro Jahr. Umgekehrt haben die Swisscanto-Produkte mit vergleichsweise tiefen Gebühren für die Investoren gute Gewinne abgeworfen.
Die UBS verteidigt ihre Fonds gegen den Vorwurf, sie seien die hohen Kosten nicht wert: «Dass es in der Vergangenheit gewisse Perioden gegeben hat, in welchen die Konkurrenzprodukte besser abgeschlossen haben, hat vor allem mit der globalen Ausrichtung von UBS Vitainvest zu tun.»
Die hohen Kosten erklärt die UBS mit dem «einmaligen Multi-Manager-Konzept», bei welchem die Verwaltung der Wertschriften durch mehrere in- und ausländische Vermögensverwaltungsinstitute erfolgt. Ein derart gemanagtes Portfolio biete langfristig höhere Ertragschancen.
Baloise: Auch Privatkunden profitieren von tiefen Gebühren
Hans-Martin Würth von Würth Vorsorge hingegen bestätigt die Feststellungen von saldo: «Ein Zusammenhang zwischen teureren Produkten und besserer Performance ist nicht erkennbar, und zwar weder kurz- noch langfristig.» Nach Meinung von Würth sind die Gebühren bei 3a-Fonds so hoch, weil der Wettbewerb zu wenig spielt.
Immerhin gibt es Ausnahmen: Die Baloise Bank SoBa weist eine Gesamtkostenquote von 0,76 (BVG-Mix 25 plus) und 0,81 Prozent (BVG-Mix 40 plus) aus. Grund: Die Baloise setzt sogenannte institutionelle Anlagefonds mit sehr tiefen Gebühren ein. Seit ein paar Jahren stehen diese Produkte auch privaten 3a-Sparern zur Verfügung, die dadurch von Gebühren profitieren, die normalerweise nur Grossinvestoren wie Pensionskassen geboten werden.
Credit Suisse: Indexfonds sind «immer noch zu teuer»
Neuland hat im vergangenen Oktober die Credit Suisse betreten: Sie hat unter dem Namen CSA Mixta-BVG Index 45 die erste indexierte 3a-Anlagemöglichkeit lanciert. Indexprodukte werden nicht aktiv verwaltet, sondern bilden Aktienindices ab, was Gebühren sparen hilft. So beträgt die Gesamtkostenquote des neuen CS-Wertschriftenkontos trotz 45 Prozent Aktienanteil bloss 0,78 Prozent.
Als Basis für das CS-Produkt dienen sechs in- und ausländische Indexfonds, darunter der MSCI AC World und der Swiss Performance Index (SPI). Hätte der CSA Mixta-BVG Index 45 schon Anfang 2005 existiert, hätte er seither eine durchschnittliche Netto-Rendite von 2,59 Prozent pro Jahr eingefahren. Stefan Thurnherr vom VZ Vermögenszentrum findet den Indexfonds der CS «immer noch zu teuer». Diese Art von Produkt sei aber durchaus «sinnvoll».
Er geht davon aus, dass Indexfonds im Bereich Vorsorge etwa gleich gut rentieren wie aktiv gemanagte – dem Kunden bleibt wegen tieferer Gebühren unter dem Strich indes mehr. «Das ist der richtige Weg», sagt Thurnherr.
Versicherungen: Noch immer unflexibel
Für die Säule 3a stehen Bank- und Versicherungslösungen zur Verfügung. Knapp die Hälfte der 3a-Vermögen ist nach Berechnungen von Würth Vorsorge in Lebensversicherungen investiert. Solche gemischten 3a-Versicherungen, bei denen ein Versicherungsschutz mit einem Sparteil verknüpft ist, stehen oft in der Kritik: Die Produkte sind sehr unflexibel, weil die Versicherten vertraglich zu fixen Zahlungen verpflichtet werden. Sie lassen keinen Spielraum, wenn sich die Lebensumstände ändern.
Darauf haben Versicherer wie Basler, Zürich und Skandia reagiert. Beim Produkt Baloise Life plus ist die Höhe der Sparprämie frei wählbar, bloss die Risikoprämie ist immer fällig. Bei Capital Fund Eazy von Zürich kann die Prämie bis zu drei Jahre und bei Safety Plan 3a von Skandia bis zu vier Jahre ganz ausgesetzt werden.
Dennoch rät Stefan Thurnherr vom VZ Vermögenszentrum von diesen Angeboten ab. Nach wie vor gelte: Sparen bei einer Bank, Risiken absichern via Versicherung. 3a-Versicherungslösungen seien tendenziell teuer und trotz Verbesserungen immer noch unflexibel. «Das Risiko, dass man den Vorsorgeplan einer Versicherung nicht durchzieht, ist sehr hoch.»
27. März 2010 | Thomas Lattmann, Redaktion saldo
