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Artikel | saldo 06/2010

Die AHV legt ihr Vermögen viel schlechter an als die Suva

Die AHV investiert grosse Summen in Aktien, Obligationen und andere Geldanlagen. Mit mässigem Ergebnis: Die Rendite, die sie in den letzten 11 Jahren erzielte, war massiv tiefer als jene der Suva. Die AHV verschenkte rund drei Milliarden Franken.

AHV und Suva spielen bei der Geldanlage in der gleichen Liga. Beide investieren 20 bis 30 Milliarden Franken. Die AHV hat ihren Ausgleichsfonds mit dieser Aufgabe betraut (siehe unten). Der AHV-Ausgleichsfonds wie die Suva haben einen Verwaltungsrat, der politisch und sozialpartnerschaftlich zusammengesetzt ist.

Zum Teil treffen sich hier wie dort die gleichen Leute. Der Erfolg in der Geldanlage ist trotzdem ganz unterschiedlich: Seit 1999 erzielte der AHV-Fonds eine kumulierte Rendite von 23 Prozent. Die Suva kam hingegen auf 40,3 Prozent (siehe Grafik im pdf-Artikel).


Börsen-Crash brachte für die Suva nur einen kleinen Rückschlag

Der erste Grund für die magere Rendite des AHV-Fonds: Er erhielt von der Politik erst ab 1997 die Erlaubnis, Aktien zu kaufen. Damals war die «Milchmädchenhausse» schon voll im Gang – die letzte Phase eines Aktien-Booms, die auch viele Leute an die Börsen lockt, die dort sonst nicht anzutreffen sind. Rund 15 Jahre hatte zu diesem Zeitpunkt der Börsen-Boom bereits gedauert – und der Glaube überhand genommen, dass es ewig so weitergehen wird. Erfahrungsgemäss lässt bei einer solchen Börsen-Euphorie der Crash nicht mehr lange auf sich warten.

Der Ausgleichsfonds der AHV nahm sich vor, einen Viertel seines Vermögens in Aktien zu halten. Er baute die Aktienpositionen schrittweise auf. Das war zwar richtig. Es führte aber dazu, dass die AHV von den letzten guten Jahren der Hausse kaum mehr profitieren konnte. Umso mehr litt sie dann unter dem Crash, der Mitte 2000 einsetzte. Er vernichtete in Schüben weltweit rund die Hälfte der Aktienwerte.

Kaum gewonnen, schon zerronnen – die Zahlen belegen es. Der AHV-Ausgleichfonds hatte 1999 begonnen, in den Jahresberichten die Gesamtrendite seiner Geldanlagen auszuweisen – sie schliesst nicht nur Zinsen, Dividenden sowie realisierte Gewinne und Verluste ein, sondern auch Buchgewinne und -verluste. In der Periode 1999 bis 2002 erzielte der Ausgleichsfonds mit seinen Geldanlagen unter dem Strich null Rendite.

Anders die Suva. Sie hatte schon lange in Aktien investiert. Deshalb profitierte sie auch noch stark von den letzten guten Aktienjahren. Der Börsen-Crash bedeutete für die Suva dann nur einen kleinen Rückschlag. Sie erwirtschaftete in den Jahren 1999 bis 2002 eine kumulierte Rendite von 8,9 Prozent.

Ab Frühling 2003 ging es an den Aktienbörsen weltweit wieder aufwärts. Je länger die gute Stimmung andauerte, umso aggressiver wurde der AHV-Ausgleichsfonds. 2007, im Jahr, als er die sieben Goldmilliarden erhielt, legte er folgende Vermögensaufteilung fest:

  • Aktien: 35 Prozent
  • Börsenkotierte Immobilienanlagen, zum Teil also wieder Aktien: 10 Prozent
  • Rohstoff-Termingeschäfte: 7 Prozent.


Zudem setzte der AHV-Ausgleichsfonds stark auf schwankungsanfällige Unternehmens- und Hochertrags-Obligationen. Und er legte die Gold-Milliarden nicht gestaffelt, sondern auf einen Schlag an. Alles mit der Folge, dass er von der Weltfinanzkrise voll erwischt wurde. 2008 gingen fast 5 Milliarden Franken verloren. Die Rendite: –18,2 Prozent.

Im Lehrbuch steht, man solle vorsichtig werden, wenn Euphorie herrscht. Und zugreifen, wenn die Stimmung schlecht ist. Der Ausgleichsfonds machte immer das Gegenteil. Auch jetzt wieder. Je mehr die Krise um sich griff, umso mehr bekam es der AHV-Fonds mit der Angst zu tun. Und er begann, die Aktien, die kotierten Immobilienanlagen und die Rohstoff-Termingeschäfte herunterzufahren. Mit der Folge, dass er 2009, im Jahr der Erholung, auf etwa der Hälfte der Verluste sitzenblieb. Nicht so die Suva, die viel konstanter vorging: Sie machte 2009 fast die ganzen Verluste von 2008 wieder wett.


Die Verwaltung des AHV-Fonds macht die Fehler von Anfängern


Präsident des AHV-Fonds ist Marco Netzer, Geschäftsleiter Eric Breval. Sie schreiben, es sei ein «klassischer Äpfel-Birnen-Vergleich», wenn man den AHV-Fonds an der Suva messe. Die Einnahmen und Ausgaben des Fonds würden stark schwanken. «Es muss also viel Cash gehalten und hochliquide investiert werden (etwa Aktien).»

Die Suva hingegen könne auch direkt Immobilien besitzen und Hypotheken vergeben. Nur: Manchmal hält die Suva sogar mehr Cash als der AHV-Fonds. Und auch die Immobilien können den grossen Renditeunterschied nicht erklären. Der AHV-Fonds verschenkte mit seiner mageren Rendite etwa drei Milliarden Franken.

Zum grossen Teil deshalb, weil er Fehler beging, vor denen Anfänger der Geldanlage gewarnt werden. Wie heisst es doch immer? Man solle eine Anlagestrategie wählen, die der eigenen Risikofähigkeit entspricht. Und diese dann lange durchziehen. Der AHV-Fonds machte das Gegenteil. Er änderte seine Anlagepolitik in den vergangenen zehn Jahren ein halbes Dutzend Mal.

Weiter heisst es, man solle in Aktien nur investieren, wenn man einen langen Atem hat. Damit man nicht verkaufen muss, wenn die Börsen schlecht laufen, und das kann manchmal sehr lange der Fall sein. Der AHV-Fonds ignorierte auch diese Grundregel. Er investierte in Aktien, weil sie hochliquide sind. Mit anderen Worten: Weil man sie immer zu Geld machen kann, auch wenn es im dümmsten Moment ist.


Versicherungen

  • Der Ausgleichsfonds der AHV: Der Name ist Programm: Der Ausgleichsfonds der AHV enthält einen grossen Teil des AHV-Vermögens. Der Fonds wächst von Jahr zu Jahr, weil die Einzahlungen der Erwerbstätigen höher sind als die Auszahlungen an die Rentner.

    Grundsätzlich arbeitet die AHV, anders als die Pensionskassen, nach dem Umlageverfahren: Ziel der AHV ist es nicht, ein möglichst grosses Vermögen anzuhäufen. Das meiste Geld fliesst von den Erwerbs-tätigen direkt zu den Rentnern. Heute liegen rund 25 Milliarden Franken im Fonds, die angelegt werden müssen. Der AHV geht es so gut wie noch nie (saldo 2/10).
  • Die Suva: Die Schweizerische Unfallversicherungs-Anstalt Suva versichert zwei Millionen Berufstätige gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten. Ihr angehäuftes Vermögen ist dazu da, die Renten der bereits Verunfallten sicherzustellen. Auch der Suva geht es finanziell blendend (saldo 19/09).

27. März 2010 | Silvio Bertolami


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