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Artikel | saldo 05/2010

Lebensversicherungen immer unrentabler

Wegen der Senkung des technischen Zinssatzes sind Lebensversicherungen mit Sparteil noch unattraktiver geworden. Die Anbieter verschleiern das.

Per 1. Januar 2010 hat die Finma den technischen Zinssatz für Lebensversicherungen von 2 auf 1,75 Prozent gesenkt. Was heisst das? Den Versicherern ist es erlaubt, den Sparteil einer Lebensversicherung, also den Teil der Prämie, der nach Abzug der Risiko- und Verwaltungskosten übrig bleibt, nur noch mit maximal 1,75 Prozent pro Jahr verzinsen.

Durch die Zinssenkung sind gemischte Lebensversicherungen mit einem Risiko- und Sparteil noch unattraktiver geworden. Zahlt heute ein 50-jähriger Mann bei der Generali 100‘000 Franken (Einmaleinlage) in eine Lebensversicherung mit einer Laufzeit von zehn Jahren ein, beträgt die garantierte Auszahlung 109191 Franken  (siehe Tabelle im pdf-Artikel). Das ist eine jährliche Rendite von mickrigen 0,88 Prozent. Hätte der Mann dieselbe Versicherung im letzten September abgeschlossen, hätte ihm die Generali noch eine Auszahlung von 111 710 Franken zugesichert, was einer Rendite von 1,11 Prozent entspricht.


Meist zu hohe Überschussprognosen

Nebst der garantierten Rendite stellen die Lebensversicherer auch noch eine zusätzliche Rendite in Form von Überschüssen in Aussicht. Auf diese ist aber keineswegs Verlass. Sie werden von den Versicherern meist zu hoch angesetzt (siehe saldo 4/09). Bei der Generali ist der Überschussanteil zurzeit besonders hoch: Trotz tieferem technischen Zinssatz hat sie – bezogen auf obiges Beispiel – die prognostizierte Auszahlung gegenüber September auf 127 878 Franken leicht erhöht. Das heisst: Garantiert wird weniger, prognostiziert dafür umso mehr.

Die Generali ist keineswegs die einzige Versicherung, welche die gesunkene garantierte Rendite mit höheren Überschüssen kaschiert. Auch bei weiteren von saldo untersuchten Versicherern wie Vaudoise, Helvetia, Zürich oder Allianz Suisse sind die prognostizierten Auszahlungssummen seit letztem September leicht angestiegen oder zumindest fast gleich geblieben.


Sparen und Versichern besser trennen

Die Versicherer wehren sich gegen den Vorwurf, mit einem Trick die Attraktivität ihrer Produkte zu steigern. Sie tun sich aber schwer damit, andere Begründungen zu liefern. Die Erhöhung der voraussichtlichen Leistungen sei durch die gleichzeitige Aktualisierung der Sterblichkeitsgrundlagen bedingt, schreibt etwa die Generali. Die Allianz Suisse sagt, dass sie eine «nachhaltige Überschusspolitik» betreibe und über solide Reserven für die Überschusszuteilung verfüge.

Für Stefan Thurnherr, Versicherungsexperte beim VZ Vermögenszentrum, liegt die Erklärung auf der Hand: «Wenn die Versicherer nichts draufpacken, kauft diese Produkte aktuell gar niemand mehr.» Aber selbst wenn die prognostizierten Überschüsse ausbezahlt würden, sind die Spar-Lebensversicherungen keine gute Geldanlage. Besser ist es, Sparen und Versicherung voneinander zu trennen, rät Thurnherr. «Mit einer Direktinvestition ist man meist besser bedient als mit einer Lebensversicherung.»

13. März 2010 | Thomas Lattmann, Redaktion saldo


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Kommentare (2)

 
  • Pfotzli | 18.03.2010, 16:10

    Wer bezahlt den Sparteil bei einer Invalidität?

    Nehmen wir an, Sie haben eine Lebensversicherung mit Einschluss der
    Prämienbefreiung. Dies bedeutet, dass bei einer
    Erwerbsunfähigkeit die gesamte Jahresprämie durch die
    Versicherung bezahlt wird, damit keine Lücke im Alter entsteht.
    Wie sieht es hier bei der Bank aus? Bezahlt Ihre Bank die Prämie
    weiter? Wohl kaum. Es geht hier nicht um eine gute Geldanlage, sondern
    vielmehr um Existenzabsicherung. Eine gute Geldanlage bedeutet
    nämlich auch eingehen von Risiken. Es ist immer eine Frage des
    Restrisikos. Ich meinerseits sichere zuerst meine Existenz,
    insbesondere dann, wenn ich Verpflichtungen habe. Alles was ich jetzt
    noch zur Verfügung habe verjuble ich bestimmt nicht mit einer
    sogenannten guten Geldanlage. Fazit: Zuerst die Existenz sichern, egal
    ob 1% mehr oder weniger und schon gar nicht mich von einseitigen
    Berichterstattungen leiten lassen.
  • AFM777 | 17.03.2010, 15:25

    falsche Auslegung?

    Es ist richtig, dass per 1.1.10 die Finma den techn. Zinssatz für
    LV von 2% auf 1,75% gesenkt hat. Diese Senkung hat aber für die
    Versicherer nicht eine kann oder könnte Auswirkung. Nach meinen
    Informationen sind die Versicherer gehalten, auch wenn sie das nicht
    wollen, auf 1.75% zu senken. Der Nachteil liegt nicht nur für die
    KUnden auf der Hand. Denn die Versicherer wollen sehr wohl in unserem
    Fall 2% geben, dies schon deshalb damit wir konkurrenzfähig
    gegenüber den Banken bleiben, welche generell eine schlechtere
    Lösung anbieten. Vermutlich will man so das gierige gehabe der
    Banken schützen, da die ja z.Z. Zinsen im Bereich von 0.125 und
    0.75% geben. Ich stelle mir die Frage in wessen Geheiss und zu wessen
    Gunst die Finma diese Zinssenkung vorgenommen hat???
    Besten Dank für eine Antwort
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