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Wegen der Senkung des technischen Zinssatzes sind Lebensversicherungen mit Sparteil noch unattraktiver geworden. Die Anbieter verschleiern das.
Per 1. Januar 2010 hat die Finma den technischen Zinssatz für Lebensversicherungen von 2 auf 1,75 Prozent gesenkt. Was heisst das? Den Versicherern ist es erlaubt, den Sparteil einer Lebensversicherung, also den Teil der Prämie, der nach Abzug der Risiko- und Verwaltungskosten übrig bleibt, nur noch mit maximal 1,75 Prozent pro Jahr verzinsen.
Durch die Zinssenkung sind gemischte Lebensversicherungen mit einem Risiko- und Sparteil noch unattraktiver geworden. Zahlt heute ein 50-jähriger Mann bei der Generali 100‘000 Franken (Einmaleinlage) in eine Lebensversicherung mit einer Laufzeit von zehn Jahren ein, beträgt die garantierte Auszahlung 109191 Franken (siehe Tabelle im pdf-Artikel). Das ist eine jährliche Rendite von mickrigen 0,88 Prozent. Hätte der Mann dieselbe Versicherung im letzten September abgeschlossen, hätte ihm die Generali noch eine Auszahlung von 111 710 Franken zugesichert, was einer Rendite von 1,11 Prozent entspricht.
Meist zu hohe Überschussprognosen
Nebst der garantierten Rendite stellen die Lebensversicherer auch noch eine zusätzliche Rendite in Form von Überschüssen in Aussicht. Auf diese ist aber keineswegs Verlass. Sie werden von den Versicherern meist zu hoch angesetzt (siehe saldo 4/09). Bei der Generali ist der Überschussanteil zurzeit besonders hoch: Trotz tieferem technischen Zinssatz hat sie – bezogen auf obiges Beispiel – die prognostizierte Auszahlung gegenüber September auf 127 878 Franken leicht erhöht. Das heisst: Garantiert wird weniger, prognostiziert dafür umso mehr.
Die Generali ist keineswegs die einzige Versicherung, welche die gesunkene garantierte Rendite mit höheren Überschüssen kaschiert. Auch bei weiteren von saldo untersuchten Versicherern wie Vaudoise, Helvetia, Zürich oder Allianz Suisse sind die prognostizierten Auszahlungssummen seit letztem September leicht angestiegen oder zumindest fast gleich geblieben.
Sparen und Versichern besser trennen
Die Versicherer wehren sich gegen den Vorwurf, mit einem Trick die Attraktivität ihrer Produkte zu steigern. Sie tun sich aber schwer damit, andere Begründungen zu liefern. Die Erhöhung der voraussichtlichen Leistungen sei durch die gleichzeitige Aktualisierung der Sterblichkeitsgrundlagen bedingt, schreibt etwa die Generali. Die Allianz Suisse sagt, dass sie eine «nachhaltige Überschusspolitik» betreibe und über solide Reserven für die Überschusszuteilung verfüge.
Für Stefan Thurnherr, Versicherungsexperte beim VZ Vermögenszentrum, liegt die Erklärung auf der Hand: «Wenn die Versicherer nichts draufpacken, kauft diese Produkte aktuell gar niemand mehr.» Aber selbst wenn die prognostizierten Überschüsse ausbezahlt würden, sind die Spar-Lebensversicherungen keine gute Geldanlage. Besser ist es, Sparen und Versicherung voneinander zu trennen, rät Thurnherr. «Mit einer Direktinvestition ist man meist besser bedient als mit einer Lebensversicherung.»
13. März 2010 | Thomas Lattmann, Redaktion saldo
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