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Artikel | K-Tipp 04/2010

Schnittiges Design, schlechte Rundumsicht

Früher wars besser: Was die Rundumsicht am Steuer von Autos angeht, trifft diese Floskel für einmal ins Schwarze.

Auf der Strasse würde der BMW 2002 heute bestimmt auffallen: Das Fahrzeug aus den frühen 70er-Jahren führt drastisch vor Augen, wie stark sich das Autodesign innert rund 40 Jahren verändert hat. Doch nicht alles, was neu ist, ist auch besser. Der alte BMW erlaubt dem Fahrer nämlich eine Rundumsicht, von der man in Neuwagen meist nur träumen kann. Das zeigt ein Blick in die Testberichte des deutschen Automobilclubs ADAC.

Seit Anfang 2009 hat der ADAC 158 neue Fahrzeugmodelle auf Herz und Nieren geprüft. Gemessen wurde stets auch die Qualität der Rundumsicht – und zwar mittels computergestützter Auswertung eines digitalen 360-Grad-Fotos, aufgenommen aus der Position des Fahrers. Bedenklich: Von den 158 neuen Autos erreichte punkto Rundumsicht kein einziges das Prädikat «sehr gut», und bloss drei schafften die Note «gut» (siehe Tabelle im pdf-Artikel). Der grosse Rest kam über mässige Zensuren nicht hinaus, sechs Modelle schnitten gar mit «mangelhaft» ab.

Der 1973er BMW 2002 hingegen erzielte mit den neusten Messverfahren problemlos die Top-Bewertung, wie Dino Silvestro, Projektleiter Fahrzeugtest beim ADAC, festhält. Auch beim Audi 80 aus dem Jahre 1974 war die Rundumsicht viel besser als bei den seit 2009 geprüften Neuwagen. Gemäss Silvestro sind der 1973er BMW 2002 und der 1974er Audi 80 typische Vertreter der damaligen Fahrzeuggeneration.

Der ADAC kommt deshalb zum Schluss: In den letzten 30 bis 40 Jahren ist «die Gefahr, beim Abbiegen, Spurwechsel oder Einparken Fahrzeuge oder Fussgänger zu übersehen, deutlich gestiegen». Für all jene, die per Töff, Velo oder zu Fuss unterwegs sind, kann das tödlich sein.

Doch woran liegts, dass der Blick aus dem Auto heute oft derart eingeschränkt ist? Silvestro verweist auf die Kopfstützen, die es zumindest auf dem Rücksitz früher nicht gab. Vor allem aber seien kleinere Heck- und Seitenfenster sowie breitere Fensterrahmen – im Fachjargon Säulen – daran schuld.

Für die massiven Säulen lassen sich einige nachvollziehbare Gründe anführen: Sie verbessern die Stabilität der Fahrgastzelle und damit die Sicherheit der Insassen, falls sich das Auto bei einem Unfall überschlägt. Und in den A-Säulen zwischen Frontscheibe und Vordertüren sind bei diversen Neuwagen die Kopf-Airbags untergebracht.

«Viele Sichtschranken sind jedoch bloss eine Folge des modernen Designs», erklärt Silvestro. Auffällig schräge Frontscheiben sowie Heck- und hintere Seitenscheiben, die mehr an Sehschlitze als an Fenster erinnern, sind einfach Trend – einen vernünftigen Grund dafür gibt es nicht. Zudem erhöhe zum Beispiel eine hochgezogene Heckpartie das subjektive Sicherheitsgefühl, sagt Silvestro: «Man fühlt sich wohler, wenn man mehr Blech um sich hat.»

Und die Autohersteller schlagen daraus Kapital: Sie verkaufen teures Zubehör – zum Beispiel Rückfahrkameras und elektronische Einparkhilfen –, um die schlechte Rundumsicht zu kompensieren. Doch ADAC-Fachmann Dino Silvestro stellt klar: «Eine gute Direktsicht können solche Hilfsmittel nicht ersetzen.»


Tipp: Probeparkieren

Die Experten des ADAC empfehlen, beim Autokauf auch die Qualität der Rundumsicht gebührend zu gewichten. Deshalb:

  • Achten Sie darauf, dass die hinteren Kopfstützen versenkbar und die vorderen Kopfstützen schlank konstruiert sind.
  • Lassen Sie jemanden ums Auto herumgehen – am besten zwei- bis dreimal in unterschiedlichem Abstand. Die Person sollte für Sie vom Fahrersitz aus zu keinem Zeitpunkt vollständig unsichtbar sein.
  • Parkieren Sie auf der Probefahrt parallel und im 90-Grad-Winkel zur Fahrbahn – und zwar vorwärts und rückwärts. So stellen Sie rasch fest, ob Sie die Sicht als genügend empfinden.

21. Februar 2010 | Gery Schwager, Redaktion K-Tipp


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Kommentare (1)

 
  • leoglatz | 28.02.2010, 18:57

    Schlechte Rundumsicht in neuen Autos

    Herzlichen Dank dass Sie dieses Thema anführen.

    Ich hatte 16 Jahre einen Opel Astra Kombi mit grossen Fenstern bester
    Rundumsicht, guten Ablagen, grossen nutzbaren Kofferraum, variablen
    Innenraum und niedriger Ladekante. Leider wurde mir das Fahrzeug zu
    Schrott gefahren und beim Ansehen der neuen Autos bin ich aus alle
    Wolken gefallen. Die Rundumsicht alle neuen Autos ist eine
    Katastrophe, die Unterschiede sind nur in weniger oder mehr schlecht.
    Die hinteren Fenster nur noch hoch liegende Gucklöcher, ich sehe
    rechts hinten nicht raus, wie das in Parkhäusern nötig ist,
    den Blick nach links vorne versperrt eine dicke, schräg nach
    hinten laufende A-Säule, ich sehe in Hangstrassen nicht in die
    Linkskurve, entlang einer Hecke kann dahinter ein Kind unbemerkt
    herauslaufen, im Ortsgebiet sehe ich einen grossen Teil der
    Gegenfahrbahn und des linken Trottoirs nicht, hinter dem Auto sehe ich
    einen Kinderwagen nicht mehr. Die für teures Geld angebotenen
    Abstandspiepser sind wohl eine Hilfe, aber kein Ersatz. Die Ablagen in
    den Türen sind kleine Schlitze, das Handschuhfach (wörtlich
    zu nehmen) gerade gross genug für einen Handschuh, dafür
    kühlbar, der Kofferraum wird im Prospekt gar nicht mehr
    erwähnt, denn es ist nicht mehr Platz für einen Koffer. Die
    Liste liesse sich noch lange fortsetzen.

    Zur Bedienung der Heizung und Lüftung gab es drei grosse
    Handräder, deren Stellung ich ohne Hinschauen ertasten konnte.
    Jetzt muss ich den Blick von der Fahrbahn weg wenden um die kleinen
    Taster mit den noch kleineren Symbolen zu suchen und abzulesen.

    Es gibt auch Verbesserungen, aber leider kommen auf eine wirkliche
    Verbesserung 3 neue Blödsinne.
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