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Artikel | K-Geld 01/2010

Spitzenweine: Investment nur für Kenner

Statt in Aktien, Gold oder Immobilien können Anleger ihr Geld auch in edle Tropfen investieren. Nur wenige Weine eignen sich aber als Geldanlage – ein Ratgeber.

Rauchen kann tödlich sein – dann trinken wir eben, sagt der Volksmund. Bei Weinkennern beliebte Bordeaux-Weine wie Lafite Roth-schild oder Petrus sollten Käufer aber besser nicht trinken, sondern gut gelagert aufbewahren. «Hochwertige Weine sind eine Wertanlage mit einem sehr guten Chance-Risiko-Verhältnis», sagt Weininvestment-Experte Thorsten Jodaitis. Der Aktienhändler führt privat eine Webseite zum Thema Weinanlagen. Laut Jodaitis können edle Tropfen helfen, ein Portfolio zu erweitern und das Risiko breiter zu streuen. Aber: Preise von Top-Weinen reagieren stark auf Konjunktureinbrüche.

Das dokumentiert der führende Branchenindex Liv-ex-100.com der Londoner Weinbörse. Er bildet die Preisentwicklung von hundert Top-Weinen ab. Bei seinem Höchststand im Mai 2008 erreichte der Index 260 Punkte. Im Oktober folgte im Zuge der Finanzkrise der Kater: Der Index sackte bis Dezember 2008 auf 205 Punkte ab. Ende 2009 hatte er wieder knapp 15 Prozent zugelegt (siehe Grafik im pdf-Artikel).

Den Raritäten hätte der Einbruch aber nicht geschadet, betont Jan-Erik Paulson von der deutschen Weinhandlung Paulson Rare Wine: «Die Preise von Bordeaux-Jahrgängen mit kleinen am Markt verfügbaren Stückzahlen sind in der Krise nicht gesunken.» Paulson gilt als profunder Kenner des internationalen Weinhandels.


Vor allem in Spitzenjahrgänge anlegen 

Wer in Wein investiert, braucht gute Nerven und einen langen Anlagehorizont: Kein Spitzenwein erzielt über Nacht Gewinne. Ein Grund für die Wertsteigerung teurer Weine ist, dass sie nicht in Massen verfügbar sind. Die Anbauflächen der weltbekannten Weingüter sind seit rund 200 Jahren gleich. Das setzt der Produktion Grenzen – die gewollte Knappheit und eine hohe Nachfrage führen zu Preisschüben.

Als Anlage kommen hauptsächlich die Spitzenjahrgänge 2000 und 2005 aus dem Bordeaux in Frage. Die Tropfen der Bordeaux-Weingüter gelten als Statussymbole. Hinzu kommt, dass die Anzahl Flaschen eines Jahrgangs über die Jahre hinweg langsam abnimmt. Der simple Grund: Weinliebhaber können der teu-ren Versuchung gelegentlich nicht widerstehen und gönnen sich eine Flasche.

Weitere Faktoren für steigende Preise: «Es interessieren sich immer mehr Leute aus Asien für edle Weine», sagt Paulson. Der chinesische Industrieverband der Alkoholproduzenten rechnet, dass das Wachstum bei Premium-Weinen seit 2005 bis Ende 2010 über 150 Prozent betragen wird.

Um maximal von Preissteigerungen zu profitieren, gilt es am sogenannten «En Primeur»-Markt teilzunehmen. Das heisst: Der jüngste Bordeaux-Jahrgang lagert noch im Fass, wird aber bereits Jahre im Voraus gekauft. Laut dem Zürcher Weinhandelshaus Wermuth hat beispielsweise eine Flasche Mouton Rothschild 2002 ihren «En Primeur»-Preis von 300 Franken inzwischen mehr als verdreifacht – auf rund 1000 Franken. Gut entwickelt hat sich auch der Lafite Rothschild 2003, dessen Preis von 280 Franken ebenfalls auf rund 1000 Franken pro Flasche kletterte.

Wichtig für die Preisbildung im «En Primeur»-Markt ist die Beurteilung der Weinkritiker, deren Gilde der Amerikaner Robert Parker anführt. Es bleibt trotzdem das Risiko, dass sich der Wein anders entwickelt als erwartet. Und: Folgt ein besserer Jahrgang, sinkt die Nachfrage nach dem vorherigen Spitzenreiter umgehend.

Laut Aktienhändler Jodaitis ist ein «En Primeur»-Investment sehr riskant: «Es lässt sich mit dem Kauf eines Futures vergleichen.» Damit meint er, dass ein neuer Wein zu einem sofort zu bezahlenden Preis gekauft wird, die Lieferung aber erst rund zwei Jahre später erfolgt. Das Risiko: Geht ein Weinhändler in der Zwischenzeit Konkurs, muss der Anleger mit einem Totalverlust rechnen. Bisher sind in der Schweiz keine solchen Fälle bekannt. In Deutschland wurden aber viele «En-Primeur»-Käufer durch die Firma Weinbörse Krefeld geschädigt.

Eine weniger riskante Anlagemöglichkeit sind  die Weinfonds. Allerdings existiert in der Schweiz kein entsprechendes Produkt. Ein Engagement ist nur im Ausland mit dem entsprechenden Wechselkursrisiko möglich. Dass sich mit Weinfonds Geld verdienen lässt, zeigt etwa The Wine Investment Fund. Er erzielte zwischen 2004 und 2009 jährlich 13 Prozent Rendite. Wichtig ist es, die Anlageprospekte der Anbieter im Internet genau zu studieren (siehe unten).

Grund: Der Markt ist nicht gesetzlich reguliert. Zudem schwanken Nebenkosten (Verwaltung) sowie die Gewinnbeteiligung der Fondsverwalter stark. So beträgt die Managementgebühr beim Vinum Fine Wine Fund 1,5 Prozent, die Gewinnbeteiligung happige 20 Prozent. Beim Vintage Wine Fund werden 2 und 15 Prozent abgezwackt.


«Teure Weine nicht über Ebay kaufen»

Hoch ist bei Weinfonds zudem die Mindestanlage: Beim britischen Vinum Fine Wine Fund beträgt sie umgerechnet 16‘000 Franken. Der Vintage Wine Fund mit einem Vermögen von 100 Millionen Franken ist einer der grössten Weinfonds weltweit. Die Mindestanlagesumme: umgerechnet rund 150‘000 Franken.

Sich selber ein Weinportfolio zusammenzustellen, ist aber wenig aussichtsreich. Weinhändler Jan-Erik Paulson rät zudem davon ab, teure Weine über die Auktionsplattform Ebay zu kaufen, weil immer wieder Fälschungen auftauchen. Sicherer sei der Kauf über Spezialisten. In der Schweiz führen etwa Steinfelsweine.ch, die WB Weinbörse und Les Grands Vins Wermuth regelmässig Auktionen durch. Sicherer als Ebay sind auch Versteigerungen der internationalen Auktionshäuser wie Sotheby’s und Christie’s.


Tipps: Weinfonds

Wer in Weinfonds investieren möchte, hat mehrere Möglichkeiten. Allerdings nur im Ausland:

31. Januar 2010 | Sandro Spaeth


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