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Er benutzt einen Doktortitel und bezeichnet sich als «Mediziner». In Zürich bietet er eine teure Rückenbehandlung an. Doch Adnan Mizher ist kein Arzt. Auch seine Methode steht in der Kritik.
Ein unheimlicher Klang, wie eine ferne Orgel, dazu ein regelmässiges Piepsen, das an eine Operation erinnert: Mit diesem Geräuschteppich empfängt die Internet-Plattform Dynasom.com den Besucher. Zu sehen ist eine rot blinkende Wirbelsäule, dazu gibts Begriffe zu Rückenschmerzen, die immer dramatischer werden. Der Endpunkt: Operation. Doch Rettung naht: «Der Weg aus diesem Kreislauf mit Dynasom», verspricht die Seite etwas holprig.
Das Dynasom-Zentrum in Zürich liegt an bester Lage, Chef ist ein Dr. Adnan Mizher, «Mediziner und Bewegungswissenschafter». Der gebürtige Iraker ist nach eigenem Bekunden seit über zehn Jahren in der Schweiz tätig. Seine Autobiografie trägt den Titel «Der Arzt aus Babylon» (siehe Bild im pdf-Artikel). Doch Fachleute kritisieren den Dynasom-Chef: Er sei gar kein Arzt. Einer der schärfsten Kritiker ist einer von Mizhers ehemaligen Geschäftspartnern: Anton Stadelmann.
Der Zürcher Orthopäde wirft Mizher vor, nicht als Mediziner ausgebildet zu sein. Ursprünglich sei er angelernter Fitnesstrainer gewesen, dann habe er sich «Bewegungswissenschafter» genannt und angefangen, einen Doktortitel zu tragen. «Ab 2005 trat er plötzlich als Arzt auf», berichtet Stadelmann dem Gesundheitstipp.
Im vergangenen Sommer forderte die Zürcher Gesundheitsdirektion Mizher auf, künftig auf die Bezeichnungen Arzt und Dr. med. zu verzichten. Andernfalls würden Patienten und Öffentlichkeit in die Irre geführt. Allerdings darf Adnan Mizher weiterhin die Begriffe «Dr.» und «Mediziner» verwenden. Ebenso den Titel «MD» – das englische Pendant zu Dr. med. Erika Ziltener, Leiterin der Patientenstelle Zürich, kritisiert dies. Mizher täusche die Patienten, so Ziltener: «Es entsteht so noch immer der Eindruck, dass er Arzt ist.»
«Weltweit einzigartiger Stuhl» fürs Training
Die Dynasom-Therapie beruht auf einem speziellen Stuhl, auf dem die Patienten fixiert werden. Mit Hilfe eines Computerprogramms misst Mizher die Wirbelsäule aus und bestimmt die Belastung. Aufgrund der Ergebnisse wird festgelegt, wie der Patient danach im Dynasom-Zentrum trainieren soll. In einem Faltblatt bezeichnet Adnan Mizher den Dynasom-Stuhl als «weltweit einzigartig».
Zudem wirbt er mit Berichten von zufriedenen Patienten. «Es ist wie ein Wunder!», wird zum Beispiel ein P.-L. Kessler zitiert. Damian Fischer, Osteopath aus Zürich, hält den Stuhl für weniger wunderbar: «Er sieht sehr ähnlich aus wie vergleichbare Geräte in Fitnesscentern – einfach mit etwas mehr Technik.»
Inès Kramers, Chefärztin an der Zürcher Schulthess-Klinik, sagt zur Dynasom-Therapie: «Für die Wirbelsäulen-Behandlung ist nicht ein einzelnes Gerät ausschlaggebend, sondern das Gesamtkonzept.» Es gebe viele etablierte Behandlungen, die gute Erfolge bringen. Wichtig sei eine individuell abgestimmte Kombination aus verschiedenen Methoden, etwa gezielter Physiotherapie, Rückengymnastik oder manueller Medizin.
Der Unterschied liegt in den Kosten: Laut einer Preisliste auf der Dynasom-Homepage kommt eine Behandlung auf mindestens 2294 Franken zu stehen. Das sei viel teurer als vergleichbare Behandlungen anderswo, sagt Osteopath Fischer: «Mit Physiotherapie, Gymnastik oder Osteopathie kostet eine komplette Therapie 500 bis 800 Franken.» Fischer vermutet, dass die teuren High-Tech-Geräte im Dynasom-Zentrum den Preis in die Höhe treiben.
Mizher schiesst massiv gegen die Schulmedizin
Auf Kritik an seiner Methode reagierte Mizher mit zahlreichen Briefen an Behörden und Versicherungen. Einige dieser Schreiben liegen dem Gesundheitstipp vor. Darin stellt sich Adnan Mizher als Opfer einer Kampagne «gewisser Rheumatologen und Wirbelsäulenchirurgen» dar. Diese hätten versucht, so Mizher, «meine Tätigkeit in diesem Forschungsgebiet zu verhinder».
In den Briefen schiesst Mizher zudem massiv gegen die Schulmedizin: Sie stelle «absichtliche Fehldiagnosen an der Wirbelsäule» und führe «gefährliche chirurgische Eingriffe» durch, «nur um Geld zu verdienen». Er spricht gar von «grausamen Zwangsmethoden» und «Verbrechen» an den Rückenpatienten.
Dem Gesundheitstipp gegenüber behauptet Mizher erneut, er sei «Mediziner und Bewegungswissenschafter = Dr. med.». Er schreibt, es habe «keine Möglichkeit» gegeben, sein Wissen an einer schweizerischen Universität zu erlangen. «Deshalb baute ich mein eigenes Forschungsinstitut auf.»
Er habe «über tausend Patienten von ihren Rückenschmerzen befreit», so Mizher weiter. Unnötige Operationen, «die unser Gesundheitssystem mit Kosten überfordern», wolle er verhindern, rechtfertigt sich Mizher. Und schliesst: «Ich engagiere mich für die Menschheit weiterhin, auch wenn der Kreis der Fachleute mich nicht verstehen will.»
Tipps: So erkennen Sie unseriöse Therapien
Ausserhalb der Schulmedizin bieten zahlreiche Therapeuten ihre Dienste an. Bei den folgenden Merkmalen sollten Patienten hellhörig werden:
17. Januar 2010 | Christian Egg, Redaktor
