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Artikel | saldo 18/2009

Unattraktive Zinsen für die ältere Generation

Viele Banken bieten für Kunden ab 60 Seniorenkonten an. Ein saldo-Vergleich zeigt: Die Vorteile sind bescheiden, die Vergünstigungen ein Lippenbekenntnis.

Ältere Menschen sind für die Banken eine interessante Zielgruppe. «Es ist erwiesen, dass Personen in den Jahren vor der Pensionierung über die höchsten Einkommens- und Vermögenswerte verfügen. Diese finanzstarken Kunden sind für uns sehr attraktiv», schreibt zum Beispiel Raiffeisen. Auch andere Banken betonen, wie wichtig ihnen die Kunden ab 60 Jahren sind. Viele Banken bieten deshalb Privat- und Sparkonten speziell für Senioren an. In der Regel werden bestehende Konten bei Erreichen des 60. Geburtstags automatisch in ein Seniorenprodukt umgewandelt. Diese Privat- und Sparkonten bieten allerdings sehr wenig, wie ein Vergleich von saldo ergeben hat.


Bank Zweiplus zahlt mit 0,65 Prozent den höchsten Zins

Die meisten Banken gewähren bei der Verzinsung der Seniorenprodukte einen geringen Aufschlag von 0,125 Prozent gegenüber den Standardkonten.

  • Das gilt beispielsweise für die Zürcher und Thurgauer Kantonalbank, die Valiant Bank sowie die UBS.
  • Am grosszügigsten gegenüber Senioren zeigt sich die Luzerner Kantonalbank (LUKB): Sie bietet beim Sparkonto eine um 0,25 Prozent höhere Verzinsung. Zudem erhält man bei der LUKB nicht erst ab 60, sondern schon ab 50 Jahren ein Seniorensparkonto.
  • Den höchsten Zins für ein Seniorensparkonto zahlt die Bank Zweiplus: 0,65 Prozent.


Bei manchen Banken ändern allerdings nur die Produktnamen, nicht aber die Konditionen:

  • Bei der Bank Coop etwa liegt die Verzinsung sowohl beim Standard-Privatkonto als auch beim Privatkonto 60+ bei mickrigen 0,125 Prozent. Bei Raiffeisen Schweiz, Baloîse Bank SoBa und der Schwyzer Kantonalbank ist der Zinssatz auf dem Standard-Privatkonto und jenem für Senioren ebenfalls identisch.
  • Auch die Basler Kantonalbank (BKB) gewährt Senioren auf dem Privat- wie dem Sparkonto keinen höheren Zinssatz. Immerhin profitieren ältere Kunden beim Privatkonto von der Befreiung der Kontogebühren.
  • Bei der Migros Bank gilt der Zinssatz von 0,625 Prozent für das Seniorenkonto und das normale Sparkonto. Vorteilhaft  für Personen ab 60 Jahren ist aber die von 10‘000 auf 20‘000 Franken pro Monat erhöhte Rückzugslimite.
  • Viel besser fährt die junge Kundschaft: Bei der UBS und der ZKB liegt der Zins für Jugendsparkonten bei 1,25 Prozent, bei Migros Bank und Raiffeisen gar bei 1,375 Prozent. Die Banken akzeptieren den Vorwurf nicht, gegenüber Senioren knausrig zu sein. Die geringen Zinsen für Seniorenkonten rechtfertigen sie mit dem zurzeit tiefen Zinsniveau am Geld- und Kapitalmarkt. Bei einer Erholung des Marktes würden die 60-plus-Produkte gegenüber den normalen Privat- und Sparkonten wieder besser verzinst.


Die höheren Zinsen für Jugendliche und Studenten erklären sie mit der schlechteren Vermögens- und Einkommenssituation dieser Kundengruppe im Vergleich zu Senioren. Zudem, so die ZKB, habe jede Bank ein grosses Interesse daran, junge Kunden frühzeitig an sich zu binden. Bank Coop, BKB und LUKB halten fest, dass bei ihnen zu den Seniorenkonten spezielle Beratungsdienstleistungen gehören. Die BKB beispielsweise bietet die kostenlose Beratung «Senioren für Senioren» an: Pensionierte Bankmitarbeiter geben ihren Altersgenossen Ratschläge.


Bessere Konditionen bei Postfinance oder Credit Suisse

Senioren, denen die Sicherheit wichtig ist und die dennoch eine anständige Verzinsung wünschen, schauen sich besser bei Finanzinstituten um, die keine 60-plus-Produkte anbieten. Postfinance zahlt auf dem Depositokonto 0,75 Prozent Zins. Kombiniert mit einem Privatkonto (im Set) gibt es sogar 1 Prozent. Das Zinsstufen-Sparkonto der Credit Suisse wirft zwischen 0,75 und 1,125 Prozent ab. Ältere Menschen, die sich vor E-Banking nicht scheuen, können auch auf das Sparkonto Plus von Axabank.ch setzen, wo Neugeld mit 1,6 Prozent Zins belohnt wird.

01. November 2009 | Thomas Lattmann, Redaktion saldo


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