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Artikel | K-Tipp 17/2009

«Aktuell» – Aktionen, die keine sind

Damit Kundinnen und Kunden zugreifen, wenden Supermärkte öfters einen Trick an: Sie stapeln in den Gängen Waren in grosser Menge auf und erwecken so den Eindruck einer Aktion.

Wer regelmässig in einem Supermarkt einkauft, weiss: Aktionsware wird meist in grossen Mengen auf speziellen Ständern mitten im Gang angeboten. Das machen sich die Geschäfte zunutze: Sie präsentierten im gleichen Stil auch Produkte unter der Bezeichnung «aktuell» – ohne dass diese tatsächlich günstiger wären. Wer nachschaut, findet das gleiche Produkt zum gleichen Preis im Regal. So entsteht der Eindruck, dass die Läden gezielt auf eine Verwechslung mit Aktionen setzen.

K-Tipp-Leserin Silvia Bannwart aus Zollikerberg ZH bestätigt, was  auch andere vom K-Tipp befragte Supermarkt- Kundinnen und -Kunden sagen (siehe Umfrage im pdf-Artikel): «Einmal hätte ich fast zugegriffen, weil ich dachte, die Produkte seien in Aktion. Dann realisierte ich, dass nichts von einem Rabatt steht und habe die Ware nicht gekauft.» Eine K-Tipp-Stichprobe zeigt: Am häufigsten greift Coop auf diesen Trick zurück, aber auch Denner kennt die Bezeichnung «aktuell», und bei Lidl wird das Gleiche «Probieren Sie!» genannt. Globus Delicatessa verzichtet auf ein Signet, türmt aber ebenfalls Waren in entsprechenden Ständern auf.


«Aktuell: Für Neues und Saisonprodukte»

Die Begründungen der Geschäfte sind unterschiedlich: «Die Idee dahinter ist, die Kundschaft  einerseits für Saisonales zu sensibilisieren und anderseits für Neues zu begeistern», erklärt beispielsweise Coop-Sprecher Nicolas Schmied. Ein Augenschein belegt jedoch: Vor zwei Wochen bot Coop neben Herbstprodukten auch Mineralwasser, Öl und Wattepads als «aktuell» an – nichts davon ist saisonal oder neu.

Bei Denner würden jeweils Produkte der Eigenmarke so angepriesen, sagt Sprecherin Anita Daeppen Steinemann: «Diese werden in grossen Mengen verkauft. Deshalb platzieren wir sie an einem zweiten Verkaufspunkt.» Nur: Der K-Tipp fand unter der «Aktuell»-Tafel auch Markenartikel, die es weiter hinten im Laden als Mehrfachpackung in Aktion gab. Eher überzeugt daher die Erklärung von Hans-Georg Häusel, deutscher Diplom-Psychologe und Autor mehrerer Bücher zum Thema Hirnforschung und Konsumverhalten: «Die Masse der aufgetürmten Waren suggeriert: ‹Es ist viel von allem da. Daher ist es nicht teuer, und ich kann zugreifen›», so Häusel. Er hat kürzlich die Migros bei ihrem neuen Ladenkonzept beraten. Fazit: «Aktuell» ist manchmal ein Saisonprodukt, aber nie eine Aktion.


Acht Kniffe, die Sie kennen sollten

Folgende weitere Kniffe der Supermärkte sollte man laut Häusel ebenfalls kennen:

  • Bücken für das günstigste Produkt: Teure Waren werden meist auf Augenhöhe präsentiert, billige weiter unten oder oben. Der Grund: Wir sehen nur auf Augenhöhe scharf und müssen uns somit bücken oder den Kopf drehen, um die günstigeren Waren zu erkennen.
  • Frisches zuerst: Meist befinden sich gleich hinter dem Eingang Obst und Gemüse. Sie sollen für einen positiven ersten Eindruck sorgen. Denn er prägt den Gesamteindruck. Zudem soll durch die positiven Bilder der Stress heruntergefahren werden.
  • Tagesablauf: Idealerweise lautet die Reihenfolge in einem Supermarkt: Obst/Gemüse, Frühstück, Mittag-, Abendessen, weil der Kunde sich so durch den Tag «isst». Erst dann folgen Haustiere, Haushalt und Drogerie.
  • Rabatte: Der Verstand wird ausgeschaltet und das Belohnungszentrum im Hirn aktiviert.
  • Extragrosse oder sehr kleine Einkaufswagen: Bei extragrossen Wagen sieht es mickrig aus, wenn man wenig kauft. Daher ist die Versuchung gross, noch etwas dazuzulegen. Kleine Wagen für Kinder sollen diese animieren, mit einzukaufen. Dadurch kauft die Familie mehr, und die Kleinen werden zu Konsumenten erzogen.
  • «Kombiplatzierung»: Beim Salat stehen häufig auch Olivenöle und neben dem Raclettekäse die Essiggürkchen. «Kombiplatzierung» heisst das in der Fachsprache. Doch aufgepasst, hier lauern Fallen: 1. Man kauft zu viel ein. 2. Man sieht nicht, welche anderen – allenfalls günstigeren – Produkte oder Packungsgrössen es im Regal noch gegeben hätte.
  • Licht: Brot und Gemüse werden oft gelblich, Fleisch und Fisch rot oder blaugrün angestrahlt. Dadurch sieht die Ware appetitlicher und frischer aus.
  • Gerüche: Die meisten Supermärkte verfügen in der Brotabteilung über Aufbackstationen. Der feine Geruch sorgt angeblich für 10 bis 15 Prozent mehr Umsatz.


Der K-Tipp rät: Nie hungrig einkaufen gehen und vorher eine detaillierte Einkaufsliste erstellen!

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10. Oktober 2009 | Sabine Knosala, K-Tipp


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