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Artikel | saldo 15/2009

SBB wollen Preise erhöhen – und das bei riesigen Gewinnen

Pro Kunde verdienen die SBB immer mehr. Trotzdem droht Verwaltungsratspräsident Ulrich Gygi mit weiteren Tariferhöhungen.

Die Fahrgastzahlen bei den SBB steigen seit Jahren, ebenso die Gewinne. Dass es so weitergeht, zeigen auch die kürzlich veröffentlichten Halbjahreszahlen 2009. Trotzdem wollen die SBB schon wieder die Tarife erhöhen – es wäre seit 2001 die achte Tariferhöhung. Bereits im Februar dieses Jahres behaupteten die SBB, eine Preiserhöhung für Dezember sei unausweichlich. Im März folgte zwar ein vorübergehender Rückzieher. Jetzt drohen die SBB aber bereits wieder mit höheren Preisen: In einem Interview mit der «Handelszeitung» sprach SBB-Verwaltungsratspräsident Ulrich Gygi Anfang September von «unabdingbaren Tariferhöhungen ab Ende 2010».


In sechs Jahren fast eine Milliarde Gewinn

Bluten sollen ausgerechnet die Fahrgäste – dabei sorgen sie seit Jahren für konstant hohe Gewinne der Bahn. Die Jahresgewinne in der Sparte Personenverkehr sind seit 2004 von 152,2 Millionen Franken auf 276,8 Millionen Franken im vergangenen Jahr gestiegen. Für dieses Jahr werden ähnliche Zahlen erwartet. Im ersten Halbjahr 2009 weisen die SBB für den Bereich Personenverkehr bereits einen Gewinn von 141,1 Millionen Franken aus.

Insgesamt erwirtschaftete die Sparte Personenverkehr von 2003 bis 2008 Überschüsse von fast 990 Millionen Franken. Anders gesagt: Pro Kunde machen die SBB immer mehr Gewinn. Das wird klar, wenn man den Jahresgewinn durch die Anzahl Halbtax- und General-Abos teilt: Im 2004 blätterte ein Durchschnittskunde noch 69 Franken zum SBB-Gewinn hin, letztes Jahr waren es schon Fr. 106.50 (siehe Tabelle im pdf-Artikel).


Probleme liegen beim Güterverkehr

Anders der Güterverkehr. Hier wurden von 2003 bis 2008 Defizite von 459 Millionen Franken ausgewiesen. Im vergangenen halben Jahr kamen weitere 24,4 Millionen Franken hinzu. SBB-Sprecher Reto Kormann verteidigt den Ruf nach Tariferhöhungen: «Im europäischen Vergleich mit den Nachbarbahnen schneiden die SBB bei Angebot und Preis gut ab.» Bei den Streckenabonnementen bewege sich die SBB im Mittelfeld, das Halbtaxabo und das GA seien günstig.

Fakt ist aber: Für eine einfache Fahrt über 200 Kilometer in der zweiten Klasse zahlt man laut einer Studie des Informationsdienstes für den öffentlichen Verkehr Litra nur in Deutschland mehr als in der Schweiz. Die Deutsche Bahn berechnet 60 Franken, die SBB 53, die österreichische Bundesbahn 49, die französischen SNCF 42 und die italienische Trenitalia 26 Franken. Bei den Interessenvertretern der Schweizer Bahnkunden regt sich denn auch Widerstand gegen die angekündigten Tariferhöhungen. Die Organisation Pro Bahn Schweiz zum Beispiel fordert zuerst eine bessere Leistung der SBB, sprich weniger Störungen, mehr Personal und genügend Rollmaterial. Erst dann seien höhere Tarife vertretbar.


SBB-Chef verdient mehr als zwei Bundesräte

Einen Beitrag zur Finanzierung der kommenden Investitionen könnte auch die SBB-Spitze leisten. Insgesamt beliefen sich die Entschädigungen für die Mitglieder des Verwaltungsrates und der Konzernleitung im Jahr 2008 auf 4,97 Millionen Franken. Das sind exakt 811’218 Franken mehr als 2007. Damals bezog allein SBB-Chef Andreas Meyer 1,24 Millionen Franken. Zum Vergleich: Ein Bundesrat verdient pro Jahr rund 470’000 Franken, inklusive Spesen.

22. September 2009 | Andreas Schildknecht, Redaktion K-Tipp/saldo


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Kommentare (2)

 
  • meini | 23.09.2009, 13:10

    Wir haben die teuersten Bahnen der Welt

    Das Rollmaterial wird viel zu häufig und unnötigerweise
    ersetzt was mit immensen Kosten verbunden ist. Die Sitzplätze -
    um die geht es im wesentlichen beim Personentransport - sind nicht
    viel besser als vor 50 Jahren, als sie noch aus Leder waren. Die
    Züge sind fast permanent überfüllt und trotzdem sind
    die Fahrpreise horrend hoch. Da stimmt etwas nicht, denn Masse
    müsste zu günstigen Preisen führen. Der
    öffentliche Verkehr muss vor allem nützen, nicht rentieren.
    Je billiger der Zug, je profitabler die Benützerr...
  • Vielfahrer | 22.09.2009, 14:12

    Erhöhung absolut gerechtfertigt

    Eine Preiserhöhung ist absolut gerechtfertigt. Das
    Leistungsangebot wird sei Jahren verbessert (mehr Personenkilometer
    ..., dichtere Fahrpläne) Es ist nicht mehr als richtig, wenn die
    Betriebskosten (inklusive Infrastrukturkosten) gedeckt werden. Der
    Spardruck, der von politischer Seite der SBB auferlegt wird, ist
    enorm. Soll sich dies nicht rächen, so braucht es (kostspielige)
    Investitionen, insbesondere auch mit Ausblick auf die Zukunft der
    Bahnen! Zudem darf nicht vergessen werden, dass die Löhne der
    Angestellten stark unter Druck stehen. Ein Vergleich mit
    ausländischen Bahnen und deren Preise ist mehr als zeifelhaft, da
    die Dichte des schweizerischen Bahnnetzes und dessen Lage (quer durch
    dicht besiedeltes Gebiet führend) andere Kostendimensionen
    auslöst. Denke man dabei nur schon an Lärmschutzmassnahmen,
    teuerere Umbauten, keine Landreserven etc.
    Zu den Entschädigungen des oberen Kaders und des
    Verwaltungsrates: Hier wären Kürzungen im Sinne von
    Solidarität sicher angebracht. Allerdings gibt es zu bedenken,
    dass sich diese Saläre an den "marktüblichen"
    Löhnen anlehnen. Somit sind diese Auswüchse in unserer
    Gesellschaft grundsätzlich zu lösen und nicht "den
    schwarzen Peter" einzelnen Unternehmen (hier SBB) zuzuschieben.
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