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Artikel | K-Tipp 15/2009

120 Franken für eine Fehldiagnose

Auf die Pannendienste von TCS, VCS und Migros ist nicht immer Verlass, wie eine K-Tipp-Stichprobe zeigt. Und: Lokale Garagen entpuppen sich als reine Abschleppdienste.

Pannendienste versprechen schnelle Hilfe rund um die Uhr: Im vergangenen Jahr rückten sie alle 75 Sekunden aus. Welche Pannenhilfe in der Praxis den besten und schnellsten Service vor Ort leistet, wollte der K-Tipp in einer Stichprobe herausfinden.

Die Versuchsanordnung war für alle getesteten Pannenhilfen dieselbe: Der unabhängige Fahrzeugexperte und ehemalige TCS- Pannenhelfer Silvio Gaiardelli aus Zürich präparierte jeweils den Testwagen, indem er die Sicherung für die Kontrolle der Benzinzufuhr unbrauchbar machte. Folge: Der Motor stottert nur, springt aber nicht mehr an. Im Idealfall müsste der Fehler in wenigen Minuten erkannt und die Sicherung mit einem Handgriff ersetzt werden können. «Das ist ein Fehler, den ein Dritt-Jahr-Lehrling finden müsste», sagt Gaiardelli.

Die vier Pannenstandorte waren Glattbrugg ZH, Basel, St. Gallen und die Autobahn A2 bei Erstfeld UR. Geprüft wurden die grossen Anbieter Touring-Club Schweiz (TCS), Automobilclub der Schweiz (ACS), Verkehrsclub der Schweiz (VCS) und Migros Assistance sowie je pro Pannenstandort eine lokale Garage, die auch Pannenhilfe anbietet. Als Testauto diente ein zehn Jahre alter Volvo V70.

Die Resultate der Stichprobe: Die lokalen Garagisten mit Pannenhilfe-Angebot suchen gar nicht erst nach der Ursache der Panne, sondern wollen das Auto sofort  abschleppen. Beispiel: Auf der A2-Autobahnraststätte «Gotthard» genügte dem Mechaniker der Firma Monn AG in Flüelen schon ein bisschen Rütteln an ein paar Schläuchen, um zu sagen: «Nichts zu machen. Ich muss abschleppen.» Für diese Fehldiagnose allein verlangte er schon einmal 120 Franken. Patrik Monn erwidert, dass nach dem Abschleppen das Problem in der Garage gelöst worden wäre.

Auch Jensen Toyota in Glattbrugg und Bender AG in Basel kamen schnell zum gleichen Fehlschluss. Immerhin: Sie verlangten nichts für einen kurzen Blick unter die Haube. In St. Gallen wollten die angerufenen Garagisten gar nicht erst ausrücken.


Und so schnitten die vier Pannenhilfe-Anbieter ab:

  • ACS – Fehler sofort gefunden: Wie schnell und einfach die vorgetäuschte Panne mit der kaputten Sicherung zu finden ist, zeigt der fixeste Helfer im Vergleich: Mican Kent brachte mit etwas Startpilotspray den lahmgelegten Motor kurz zum Laufen. «Er bekommt zu wenig oder kein Benzin», lautete seine Schlussfolgerung.

    Danach prüfte er die Sicherungen und fand den Fehler nach nur drei Minuten. Kaputte Sicherung raus, neue rein: Der Motor sprang sofort an. Mican Kent arbeitet für die Firma Cortellini & Marchand, die als Vertragspartner für den ACS in Basel und Umgebung unterwegs ist. Fazit: Der ACS war in allen vier Fällen der einzige Pannendienst, dessen Vertragspartner die Panne vor Ort jedes Mal richtig diagnostiziert  und sofort behoben haben.
  • VCS – Ratlosigkeit: Drei von vier Pannen behoben die Helfer des VCS. Die Bilanz trübte der Vertragspartner Fritz Eisele in St. Gallen. Der Serviceman wollte zuerst die Batterie überbrücken. Da dieser nichts fehlte und auch ein Blick unter die Motorhaube nichts brachte, wollte er den Abschleppdienst aufbieten.
  • TCS – lange Wartezeit: Ebenfalls drei von vier Pannen behoben die TCS-Helfer. Minuspunkt hier: Bis sie vor Ort waren, dauerte es am längsten – im Schnitt fast eine Stunde. Zudem: Der Helfer des grössten Pannendienstes schaffte es in Erstfeld nicht, den Fehler zu finden. Der TCS-Sprecher betont, dass der Pannendienst pro Jahr rund 300 000-mal ausrücke und die Weiterfahrquote bei 86 Prozent liege.
  • Migros – schnell, aber falsche Diagnosen: Die Migros Assistance schnitt am schlechtesten ab. Zwar sind die Migros-Pannenhelfer am schnellsten vor Ort. Doch zwei von ihnen fanden die kaputte Sicherung nicht. In Basel zum Beispiel entfernte der Pannenhelfer des Vertragspartners Gerber während 20 Minuten Kofferraum-Verkleidungen, um an die Benzinpumpe zu heranzukommen.

    Einmal gefunden, versetzte er ihr ein paar Schläge mit einer Taschenlampe. Da das Auto noch immer nicht ansprang, gab er auf. Sein Vorschlag: «Das Auto muss in die Werkstatt.» Genau gleich tönte es in St. Gallen bei Vertragspartner Emil Frey. Die Migros hält fest, dass ihr Pannendienst rund 100’000 Einsätze pro Jahr ausführe. Deshalb sei eine Stichprobe mit nur vier Pannen nicht repräsentativ.



Mitgliedschaft nicht zwingend

Die Mitgliedschaft beim TCS kostet – je nach Wohnort – zwischen 87 und 105 Franken. Der VCS verlangt 65 Franken. Aber: Beim TCS und beim VCS ist auch ein Beitritt noch während der Pannenhilfe möglich. Der VCS verlangt in diesem Fall 45 Franken, der TCS 149 Franken. Wichtig: Nach der Pannenhilfe die Versicherung rechtzeitig wieder auflösen, sonst verlängert sie sich automatisch für das Folgejahr. Beim TCS ist dieses Vorgehen nur einmal möglich. Bei einer erneuten Panne werden die effektiven Kosten in Rechnung gestellt, die schnell mehrere hundert Franken betragen können.

Beim ACS kann man nicht vor Ort Mitglied werden. Der Pannendienst kommt trotzdem, verrechnet aber die effektiven Kosten. Die Migros dagegen hilft nur Anrufern, die eine Migros-Police vorweisen können.

13. September 2009 | Darko Cetojevic, Daniel Jaggi


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