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Artikel | Gesundheits-Tipp 07+08/2009

«So schafft man Spielsüchtige»

Glücksspiele im Internet sollen erlaubt werden. So will es der Bundesrat. Das führt zu mehr Spielsucht, warnen Fachleute.

Glücksspiele sind in der Schweiz nur in Casinos erlaubt. Doch jetzt will der Bundesrat «einer kleinen Anzahl» von Anbietern auch Konzessionen für Glücksspiele im Internet erteilen. Er begründet dies damit, dass es unmöglich sei, das Verbot der Internetspiele durchzusetzen. Denn heute können Schweizer Spieler problemlos bei ausländischen Internetspielen mitmachen.

Ob Roulette, Poker oder Automatenspiele – das Angebot ist riesig. Wenn Schweizer auf ausländischen Seiten zocken, entgehen dem Bund aber viele Steuermillionen. Anbieter von Online-Glücksspielen müssen zwar laut Bundesrat «die gleichen strengen Auflagen» wie die Casinos erfüllen: Auch die Online-Anbieter müssen zeigen, mit welchen Massnahmen sie die Spielsucht bekämpfen wollen. Doch Recherchen des Gesundheitstipp zeigen, dass die «strengen Auflagen» wenig nützen: Die Casinos schützen die Spielsüchtigen kaum vor dem Absturz ins Elend. Tausende von Spielern sind verschuldet. Viele werden kriminell (siehe Gesundheitstipp 12/08). Eine neue Studie der Spielbankenkommission rechnet mit Folgekosten von 360 Millionen Franken pro Jahr wegen Spielsucht.

Der Zürcher Psychologe Mario Gmür sagt: «Der Entscheid des Bundesrates ist skandalös und moralisch unhaltbar. So schafft er Heerscharen von neuen Spielsüchtigen.» Denn das Internet fördere das Suchtverhalten. Fachleute warnen auch, dass Internet-Glücksspiele besonders gefährlich seien, weil sie im Unterschied zu Casinos rund um die Uhr in Betrieb sind. Man muss nicht einmal die Wohnung verlassen, um mitzumachen. Im Internet sei es zudem viel schwieriger, Süchtige vom Spielbetrieb fernzuhalten. Man könne von den Anbietern auch nicht ernsthaft erwarten, dass sie alle Süchtigen aus dem Verkehr ziehen, sagt Gmür: «Internet-Casinos leben ja von den Spielsüchtigen.»

27. Juni 2009 | ag


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