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Artikel | saldo 11/2009

Buch-Tipps

Wer dick ist, bürdet der Gesellschaft meist irgendwann hohe Kosten auf. Das schreibt ein ehemaliger österreichischer Radprofi in seiner Abrechnung mit den Fettleibigen.


Die Dicken kriegen ihr Fett ab

Der Befund ist alarmierend: Statistiken zufolge ist die Hälfte der Bevölkerung in den Industrienationen übergewichtig. Unter der Last zu vieler Kilos leiden nicht nur die Betroffenen selbst, sondern die Gesellschaft als Ganzes. Wie der Sportmanager und Ex-Radprofi Alexander Natter darlegt, zahlt die ganze Bevölkerung die Kosten der Fettsucht. Die Dünnen sind also die Dummen.

Fettleibigkeit verursacht laut Natter in Europa mittlerweile bis zu 6 Prozent der Gesundheitskosten. Übergewichtige leiden vermehrt an «teuren» Krankheiten wie Diabetes und hohem Blutdruck. Natter macht in seinem Buch zwei Hauptverantwortliche aus: So brandmarkt er es als «pervers», dass «Wirtschaftszweige an der Ursache des Übergewichts, dem ungesunden Lebensstil, Milliarden verdienen». Natter nimmt auch die Dicken in die Verantwortung. Ausreden wie «dick aus Veranlagung» hält er entgegen: «Viele sind nur deshalb zu dick geworden, weil sie Tonnen von fetthaltigem Essen in sich hineinstopfen, irgendwann aufgehört haben, sich zu bewegen, und ihren Körper vernachlässigen.»

Kein Verständnis zeigt der Autor auch für die gängige Entschuldigung, man habe keine Zeit für Sport. Wer übergewichtig sei, könne das ändern, ohne gleich in Diätwahn zu verfallen oder zum Spitzensportler zu mutieren. Er zeigt auch Wege auf, wie Normalgewichtige schlank bleiben und wie Übergewichtige abspecken können. Mit seinen fundierten Thesen will Natter provozieren – aber auch helfen: Das Buch endet mit Tipps für ein bewegteres Leben.      

Alexander Natter, «Generation XXL. Was die Dicken die Gesellschaft kosten und warum ihre Ausreden falsch sind», Überreuter, ca. Fr. 35.–


Buch-Tipps

Kreative an die Macht

Laute Töne gehören zum kreativen Geschäft. So ruft der Journalist Wolf Lotter «Die kreative Revolution» aus, ohne allzu konkret zu werden. Immerhin ist es anregend zu lesen, wie Lotter und sechs Gastautoren das Thema einkreisen. Ihr Tenor: Der Kapitalismus giert nach Einfällen und Kopfarbeitern, die Produkte erneuern oder neue erfinden, während die Bedeutung der Massenproduktion abnimmt. Doch nicht jeder kann kreativ sein: Die Fähigkeit, dank Geistesblitzen Neues zu erschaffen, ist weitgehend angeboren. Kreative sind so kreativ, weil ihr Hirn auf Sinnesreize aller Art stark reagiert. Andererseits lassen sie sich leicht ablenken. Kreativität blüht deshalb eher in der Stille einer Bibliothek als im Lärm eines Grossraumbüros.   

Wolf Lotter, «Die kreative Revolution. Was kommt nach dem Industriekapitalismus?», Murmann, ca. Fr. 32.–


Das Internet macht die Kinder dumm

Das Internet schadet unserer Gesellschaft, sagt Autorin Susanne Gaschke. Leidtragende seien vor allem die Kinder: «Elektronische Angebote beschneiden die ohnehin knappe Vorlesezeit, ohne das Textverständnis von Kindern zu fördern.» Weiter kritisiert sie, dass das Internet manchen ein Ersatz fürs reale Leben sei und die Hemmschwelle stetig sinke, Privates zu offenbaren. Gaschke fordert daher mehr Skepsis im Umgang mit elektronischen Medien. Allerdings beschränkt sie sich darauf, das Internet als übermächtiges Schreckgespenst zu verteufeln und dessen Nutzer als oberflächlich darzustellen. Entgegen dem Versprechen des Buchtitels zeichnet die Autorin keine Strategien auf, wie man sich gegen die digitale Verdummung wehren kann.   

Susanne Gaschke, «Klick. Strategien gegen die digitale Verdummung», Herder, ca. Fr. 35.–


Autofahren – eine komplexe Materie

Laut US-Wissenschaftern sind bis zu 74 Prozent der Automobilisten in städtischen Staus auf der Suche nach einem Parkplatz – und fördern so die Staubildung. Zahlen wie diese hat US-Autor Tom Vanderbilt zu einem unterhaltsamen Sammelsurium an wissenschaftlichen Daten zusammengefasst, die zu spannenden Erkenntnissen führen: So lohnt es sich, bei Spurreduktionen auf Autobahnen so spät wie möglich einzufädeln. Das mag die anderen Fahrer erzürnen, doch verringert sich dadurch der Stau. Trotz aller Daten: Auf die Frage, welche Autos oder welches Alter des Fahrers vermehrt für Unfälle sorgt, schreibt Vanderbilt, dass die Risikoeinschätzung «keineswegs so kompliziert ist wie Astrophysik – sondern noch viel komplizierter».     

Tom Vanderbilt, «Auto. Warum wir fahren, wie wir fahren und was das über uns aussagt», Hoffmann und Campe, ca. Fr. 40.–

06. Juni 2009 | Petra Stöhr, eb, mif, mmn


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