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Die Stromkonzerne machen Jahr für Jahr Gewinne in Milliardenhöhe. Und liefern fette Dividenden an die Besitzer ab – vor allem Kantone und Gemeinden.
Über zwei Milliarden Franken Gewinn erwirtschafteten die Stromriesen Atel/EOS, Axpo und BKW im letzten Jahr. Und das ohne wirkliche unternehmerische Leistung: Als Monopolanbieter diktieren sie den Kunden die Preise. Die Stromkonzerne gehören zu einem sehr grossen Teil den Bürgern, sprich den Konsumenten. Rund drei Viertel der Schweizer Elektrizitätsversorgung ist im Besitz der öffentlichen Hand. Deshalb wäre es nichts als normal, mit den Gewinnen die Strompreise für die Bevölkerung zu verbilligen.
Das würde sich in den Haushalten deutlich bemerkbar machen. Ein Beispiel: Die BKW Berner Kraftwerke wiesen im Jahr 2008 einen Gewinn von 139 Millionen Franken aus. Davon zahlten sie 121 Millionen als Dividende aus. Da der Kanton Bern mit 52,2 Prozent der Aktien Hauptaktionär ist, kassierte er über 60 Millionen Franken. Das heisst: So viel zahlen die Strombezüger im Kanton Bern an zusätzlichen verdeckten Steuern.
Rudolf Strahm: «Zustände wie in der Bankenwelt»
Dabei leben bereits die Stromproduzenten auf grossem Fuss: «Wenn man die in den letzten Jahren explodierten Entschädigungen des BKW-Managements betrachtet, könnte man sich schon beinahe in der Bankenwelt wähnen», kritisierte der ehemalige Preisüberwacher Rudolf Strahm kürzlich. Der BKW-Direktionspräsident Kurt Rohrbach habe sich im letzten Jahr eine Gesamtvergütung von 761’000 Franken genehmigt, so Strahm. Und der nebenamtliche Verwaltungsratspräsident Fritz Kilchenmann immerhin noch 388’000 Franken. Strahm: «Was hat denn das mit unternehmerischer Tätigkeit zu tun? Die BKW sind ja praktisch in einer Monopolsituation.»
Die BKW beliefern nach eigenen Angaben eine Million Privatkunden. Würde man die an die Aktionäre ausbezahlte Dividende diesen Stromzahlern zugute kommen lassen, erhielte jeder Einzelne eine Gutschrift von 121 Franken für das Jahr 2008. Würde man den gesamten Gewinn – also nicht nur die Dividende – an die Privatkunden verteilen, wären es sogar 139 Franken.
Hochgerechnet auf einen Durchschnittshaushalt mit 2,5 Personen käme dieser auf Einsparungen von jährlich gut 300 bzw. knapp 350 Franken. Das ist happig. Denn für eine 4,5-Zimmer-Wohnung mit einem durchschnittlichen Stromverbrauch von 4500 kWh zahlt ein Haushalt im Jahr zwischen 650 und 1000 Franken.
Für die Kantone ein grosses Geschäft
Das gleiche Bild bei der noch grösseren Axpo. Der Konzern erzielte 2008 einen Gewinn von 1003 Millionen Franken. Davon schüttete er 159 Millionen Franken an Dividende aus. Bei drei Millionen Privatkunden machen die Einsparungen 53 Franken bei der Verteilung der Dividende bzw. 334 Franken pro Person bei der Verteilung des Gesamtgewinnes. Während bei der BKW der Kanton Bern Hauptnutzniesser ist, macht bei der Axpo der Kanton Zürich das grosse Geschäft. Mit knapp 37 Prozent ist er direkt und via das Elektrizitätswerk des Kantons Zürich am Stromriesen beteiligt. Weitere Aktien besitzen die Kantone Aargau, Schaffhausen, Glarus, Zug sowie die St.Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke und die Elektrizitätswerke Thurgau.
BKW und Axpo sind keine Ausnahmen. Auch Alpiq hat 2008 einen konsolidierten Gewinn von 790 Millionen Franken erzielt. Das Unternehmen ist Anfang Jahr aus der Fusion zwischen der Atel und der Westschweizer EOS entstanden. Es liefert seit dem 1. Februar 2009 etwa einem Drittel der Schweizer Bevölkerung Strom. Hauptaktionäre sind die EOS Holding (Westschweizer Elektrizitätswerke) und ein Konsortium Schweizer Minderheitsaktionäre der Atel Holding (Kanton Solothurn, Elektra Birseck, Elektra Baselland, Aziende Industriali di Lugano, IB Aarau und Wasserwerke Zug). In ihren letzten eigenständigen Geschäftsberichten wies die Atel für 2008 einen Gewinn von 733 Millionen Franken und eine Dividendenausschüttung von 218 Millionen Franken aus. Bei der EOS betrug der Gewinn 206 Millionen Franken, die Dividende 25 Millionen Franken.
In Basel und Zürich profitieren auch Kunden
Es geht auch anders: Das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich schreibt zwar ebenfalls satte Gewinne. Doch davon profitiert auch die Bevölkerung – der Strom wird billiger. Jeder Haushalt erhält Ende 2009 15 Prozent seines Gesamtrechnungsbetrages zurückerstattet. Grund: Der Gewinn des EWZ ist nach oben limitiert. Dies ist auch bei andern Stadtwerken so. In Basel etwa fliesst der Gewinn der IWB zuerst in die Staatskasse. Der Kanton budgetiert jährlich 5 Prozent Gewinn. Wenn die IWB mehr als diesen Betrag schreibt, profitiert die Basler Bevölkerung von Tarifsenkungen. Ein anderes positives Beispiel: Dank des guten Geschäftsverlaufs der AEW Energie AG sowie der Technischen Betriebe richtete das aargauische Gränichen vor einigen Jahren den Endverbrauchern einen Bonus von total 250’000 Franken aus.
06. Juni 2009 | Werner Fischer
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