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Ob Heuschnupfen, Krebs oder Schwangerschaft: Viele Tests sind bei Grossverteilern, in Apotheken oder im Internet erhältlich. Man macht sie zu Hause – ohne Arzt. Experten haben 20 Tests geprüft und halten bloss drei für gut. Ein Produkt war sogar illegal.
Man könne «die Kontrolle über die Gesundheit» ausüben, und zwar «bequem und diskret zu Hause»: Dies verspricht die Firma Testathome.ch auf ihrer Homepage. Sie bietet verschiedene Tests an, zum Beispiel auf Schimmelpilz-Allergie, auf Diabetes oder zum Beginn der Wechseljahre. Die Firma Patient Diagnostics wirbt in einem Inserat mit dem Slogan: «Jetzt Gewissheit gewinnen». Einige der Tests sind in Drogerien und neu auch bei Coop erhältlich.
Die Idee von Selbsttests ist verlockend. Jedermann kann einen Teststreifen in einen Becher Urin halten oder sich in den Finger pieksen – und wenige Minuten später das Resultat ablesen. Zwischen 14 und 60 Franken kosten Selbsttests. Doch die wenigsten davon sind sinnvoll. Zu diesem Schluss kommen drei Experten, die für den Gesundheitstipp 20 ausgewählte Tests beurteilt haben (siehe Tabelle im pdf-Artikel). Das Urteil der Fachleute ist ernüchternd.
Nur 3 Tests sind sinnvoll: Der Test auf Katzenallergie, der normale Schwangerschaftstest sowie der frühe Schwangerschaftstest, der bereits vor dem Ausbleiben der Periode ein Resultat anzeigt. «Eine Schwangerschaft ist keine Krankheit. Deshalb braucht es keinen Arzt, um sie festzustellen», sagt Andreas Huber. Und zum Katzenallergie-Test bemerkt Markus Fritz: «Wenn der Test positiv ausfällt, weiss man, dass man sich keine Katzen anschaffen sollte.»
Bei allen anderen Tests raten die Experten, sie nur bei einem Arzt oder allenfalls in der Apotheke durchführen zu lassen. Ganz besonders gilt dies für die beiden Krebstests. Der eine zeigt Darmpolypen an, eine Vorstufe von Darmkrebs. Der andere misst ein Eiweiss namens PSA, das auf eine vergrösserte Prostata oder Prostatakrebs hinweisen soll. «Wenn das Resultat positiv ausfällt, muss jemand dem Betroffenen erklären können, was das heisst», sagt Fritz. Denn längst nicht jedes positive Testergebnis bedeute auch Krebs. So ist etwa der PSA-Test sehr unzuverlässig. Laut einer Studie hatte nur jeder vierte Mann mit einem erhöhten PSA-Wert tatsächlich Prostatakrebs. Thomas Walser: «Dieser Test ist in der Fachwelt höchst umstritten. Als Selbsttest ist er keinesfalls geeignet.»
Einer der Tests ist sogar illegal: Pro Doc Shop bot im Internet einen Test auf Scheideninfektion an. Doch für solche ansteckenden Krankheiten dürfen keine Selbsttests an Private verkauft werden. Auch ein Selbsttest auf HIV ist deshalb nicht erlaubt. Wegen dem Scheideninfektionstest leitete die Swissmedic eine Untersuchung ein. Als der Gesundheitstipp den Pro Doc Shop darauf ansprach, reagierte dieser sofort und nahm den Test aus dem Angebot: «Wir können die Anforderungen der Swissmedic nicht erfüllen.»
Doch auch die anderen Tests, so die Experten, seien für Laien nicht sinnvoll. Zum Beispiel jener auf Diabetes: «Wer einen unverdächtigen Wert erhält, könnte die Krankheit trotzdem haben und sich in falscher Sicherheit wiegen», warnt Huber. Ähnlich lautet die Kritik bei den Tests auf Nahrungsmittel-Allergien: Bauchschmerzen sind nicht zwingend allergisch bedingt – im schlimmsten Fall sind sie Symptom einer ernsthaften Krankheit, so Huber. «Wer den Test macht, geht dann vielleicht nicht zum Arzt – und die eine oder andere Krankheit wird nicht oder zu spät erkannt.»
Cholesterintest für daheim: «Zu wenig aussagekräftig»
Auch vom Cholesterintest sollte man die Finger lassen, so die Experten. «Hohes Cholesterin alleine sagt nichts über das Herzinfarktrisiko aus», sagt Hausarzt Thomas Walser. Erst wenn andere Faktoren wie Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes oder Rauchen dazukämen, werde es bedenklich. Zudem unterscheide der Test nicht zwischen «gutem» und «schlechtem» Cholesterin, so Walser. Deshalb sei das Resultat «zu wenig aussagekräftig».
Die Anbieter verteidigen ihre Produkte. Patrick Bruno, CEO von Patient Diagnostics, schreibt dem Gesundheitstipp: «Ein hohes Gesamt-Cholesterin zeigt dem Anwender, dass er sich beim Arzt untersuchen lassen soll.» Dies stehe so auch in der Anleitung. Und viele Selbsttests seien mit den Tests identisch, die Ärzte durchführten. Beim Prostatatest behauptet Bruno, dass das Produkt «nirgendwo als Krebs-Selbsttest deklariert» sei. Das stimmt nicht: Auf der Homepage von Patient Diagnostics steht, ein erhöhter PSA-Wert könne «in manchen Fällen auf das mögliche Vorhandensein von Prostatakrebs hinweisen.» Bruno stört sich nicht daran, dass der Test falschen Alarm auslösen kann: «Es ist besser, ein Kunde sorgt sich einige Tage unbegründet, als dass man eine potenzielle Krankheit übersieht.»
Coop: «Ausführliche Infos und Hotline» für Test-Käufer
Auch Coop sieht kein Problem darin, die Tests zu verkaufen. Es lägen «ausführliche Informationen» bei, zudem stehe eine Telefon-Hotline zur Verfügung. «Wir halten die Käuferinnen und Käufer also nicht davon ab, weitere Abklärungen vorzunehmen», so Sprecher Karl Weisskopf. Die Tests seien auch für Personen eine Hilfe, «die üblicherweise nicht zum Arzt gehen wollen».
Seit über 10 Jahren verkaufe Coop Schwangerschaftstests, und seit über 30 Jahren Präservative, so Weisskopf. «Beides hat zu Beginn viel Staub aufgewirbelt und gilt heute als normal.» Ähnlich argumentiert Testathome.ch. Die Firma schreibt dem Gesundheitstipp aber: «Wir bestreiten die Meinung der Fachleute nicht.» Man sei jedoch «überzeugt, dass solche Tests für viele Menschen sehr hilfreich sind».
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11. April 2009 | Christian Egg, Redaktor
