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Mit moderner Technik, aber ohne Operation werde das Fett schmelzen, versprach die Zürcher VIP-Clinic ihren Kunden. Sie zahlten Tausende von Franken, doch die Wirkung blieb aus.
Lena Anderheim ist eine sportliche Frau. Die 59-Jährige trainiert ihre Muskeln regelmässig an Kraftgeräten, schwimmt und macht Nordic Walking. Trotzdem ist sie mit ihrer Figur nicht zufrieden. «Ich finde meine Oberarme zu dick», sagt Lena Anderheim. «Ich überlegte mir, das Fett absaugen zu lassen. Doch ich scheute die Risiken der Operation.»
Da entdeckte die Zürcherin ein Inserat der VIP-Clinic in Zollikon ZH. Das Kosmetik-Institut bietet eine Methode an, die Fettzellen zerstören soll. Das «hochmoderne System» sei eine «echte Alternative zur Fett-Absaugung – ohne Operation, ohne Narkose, ohne Narben, ohne Blutungen, ohne Schmerzen». Lena Anderheim liess sich behandeln und zahlte dafür 4400 Franken. Doch ihre Oberarme sind heute genau gleich wie früher. Jetzt bedauert sie: «Ich bin auf eine Lüge eingestiegen.»
Ultraschall soll die Fettzellen zerstören
Alles begann mit einer Beratung in der VIP-Clinic. Anderheim wollte die Methode erst ausprobieren. Doch Inhaberin Simone Zikmund forderte sie auf, die Behandlungen im Abo zu kaufen: viermal Fettzellen-Zerstören und zehnmal Straffen für satte 4400 Franken. Anderheim erinnert sich: «Ich sollte sofort mit Kreditkarte bezahlen. Ich fühlte mich überrumpelt, zahlte dann aber doch. Schon auf dem Heimweg dachte ich, dass das ein Fehler war.» Lena Anderheim liess sich behandeln – schliesslich war das Geld schon weg. Eine Kosmetikerin pinselte ein Gel auf ihre Oberarme. Dann strich sie während 15 Minuten mit zwei kleinen Geräten über die Arme. So sollte Ultraschall die Fettzellen zerstören. Die Leber sollte dann das flüssige Fett abbauen. Beim Straffen fuhr die Kosmetikerin mit einem ähnlichen Gerät über die Arme der Kundin.
Lena Anderheim mass zu Hause regelmässig den Umfang ihrer Oberarme und stellte fest: «Meine Arme wurden keinen Millimeter dünner.» Sie beschwerte sich beim leitenden Kosmetiker Peter Wyss. Anderheim: «Er vertröstete mich, es brauche bei mir halt länger. Dann wollte er mir sogar noch weitere Behandlungen verkaufen.»
Methode «medizinisch nicht nachvollziehbar»
Fachärzte schütteln den Kopf über diese Behandlungsmethoden. Beim unabhängigen Beratungszentrum für Schönheitsoperationen Acredis melden sich noch andere Kunden, die von Fettzellen-Zerstörungs-Behandlungen enttäuscht waren. Stephan Hägeli von Acredis bestätigt, dass die Methode der VIP-Clinic nicht die gewünschte Wirkung hat: «Es gibt keine Wunder-Behandlung, mit der man grössere Fettpolster ohne Operation abbauen kann.» Zudem sei medizinisch nicht nachvollziehbar, wie das Gerät wirken soll. Gesundheitstipp-Arzt Thomas Walser warnt sogar: Die Methode wäre gefährlich, wenn sie funktionieren würde. «Das Gerät könnte dann nicht nur die Fettzellen zerstören, sondern auch noch benachbarte Zellen schädigen», sagt er.
Auch bei anderen Kunden zeigte die teure Prozedur keinen Erfolg. Der 46-jährige Mike Surer (Name geändert) wollte seinen Bauch in der VIP-Clinic loswerden. Für sechs Behandlungen zur Fettzellen-Zerstörung zahlte er fast 3400 Franken im Voraus. Doch sein Bauch blieb rund. Auch vier anschliessende Straffungs-Behandlungen nützten nichts. Der leitende Kosmetiker Peter Wyss nahm vor Beginn und nach Abschluss der Behandlungen Fotos von ihm auf. Mike Surer ist enttäuscht: «Ich sehe keinen Unterschied.»
In der VIP-Clinic arbeitet kein einziger Arzt
Ähnliches erlebte auch die 65-jährige Kathrin Bauer (Name geändert). Für zehnmaliges Fettzellen-Zerstören am Bauch zahlte sie rund 4000 Franken im Voraus. Sie mass nach und sagt: «Mein Bauch ist kein bisschen kleiner geworden.» Der Name «Clinic» habe sie zudem in die Irre geführt, sagt Kathrin Bauer: «Dort arbeitet kein einziger Arzt.» Die kantonale Gesundheitsdirektion toleriert den Namen. Sprecher Urs Rüegg sagt: «Ein Kosmetik-Institut darf den Namen «Clinic» führen. Allerdings darf es nicht den Eindruck erwecken, ein Spital zu sein.»
Die VIP-Clinic weist jede Kritik von sich. Die Inhaberin Simone Zikmund behauptet, einige Kunden betrachteten ihre Behandlungen als «Freiticket» für übermässiges Essen. Sie erfülle die vereinbarten Dienstleistungen. Sie habe die Kunden jedoch nicht «24 Stunden stationär unter Aufsicht» und gebe daher auch «keine Erfolgsgarantie».
Weitere Infos
11. April 2009 | Ines Vogel, Redaktion Gesundheitstipp
Kommentare (2) |
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gehören geschlossen und Frau Zikmund und Herr Wyss zur
Rechenschaft gezogen. Ich überlege mir gerade, ob ich mir ein Abo
lösen werde, um im Falle von Betrug dann anzuzeigen
