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Das Sammeln von persönlichen Daten der Surfer ist für Anbieter wie Google ein Geschäft. saldo sagt, wie man sich am besten dagegen schützen kann.
Wer im Internet surft, hinterlässt Spuren. Dafür interessieren sich nicht nur neugierige Nachbarn oder Kriminelle – sondern vor allem auch kommerzielle Unternehmen wie Google, Facebook und Yahoo. Viele Surfer geben persönliche Daten willentlich preis. Sei es in Foren, sozialen Netzwerken wie Facebook und Xing oder anderen Diensten wie kostenlosen E-Mail-Programmen, beispielsweise GMX.
Soziale Netzwerke dienen zur Vernetzung von Personen. Die Verknüpfungen basieren darauf, dass die Nutzer Informationen über sich angeben, etwa ein Foto, die Herkunft, Beruf oder Hobbys. Jeder Surfer hinterlässt auch unfreiwillig Spuren. Dazu gehört die IP-Adresse. Sie besteht aus vier Zahlen zwischen 0 und 255, die mit einem Punkt getrennt sind, beispielsweise: 130.94.122.195. Über diese Adresse lässt sich ein Computer identifizieren. Zudem lassen sich das verwendete Betriebssystem, zuvor besuchte Internetseiten sowie das gesamte Surfverhalten analysieren.
Profis nennen dieses Vorgehen Fingerprinting: Spezielle Programme beobachten aktiv oder passiv, wie ein Computer im Netzwerk reagiert. Auf www.wieistmeineip.ch sieht jeder Besucher automatisch seine IP, sein Betriebssystem, den verwendeten Browser (Internet Explorer, Safari, Firefox) und das Herkunftsland.
Google nutzt Infos für zielgenaue Werbung
Viele Herausgeber von Websites benutzen bereits das Gratisprogramm Google Analytics. Dieses registriert, woher die Besucher einer Site kommen und welche Inhalte sie am häufigsten anklicken. Mit solchen Informationen könnten Betreiber von Sites oder Google Nutzerprofile anlegen. Bisher hat Google immer beteuert, dies nicht zu tun. Wie der Konzern jetzt bekanntgab, will er nun die Surfgewohnheiten der Internetnutzer doch auswerten, um zielgenaue Werbung schalten zu können.
Google verkauft die interessenbasierte Werbung in der Öffentlichkeit als Mehrwert für den Internetnutzer und hat keine Bedenken betreffend Datenschutz. Jeder soll die erhobenen Daten einsehen und ändern können. In der Realität könnte sich die Marketingstrategie von Google folgendermassen bemerkbar machen: Sie suchen per Handy oder zu Hause am Computer auf einer Reiseseite häufig nach Informationen über die Destination Mallorca. Gut möglich, dass später beim nächsten Besuch der Seite die Werbung eines Anbieters für Mallorca-Reisen prominent platziert ist.
Experte rät: «Nichts Persönliches preisgeben»
Absolute Sicherheit vor Datenschnüfflern gibt es für Surfer nicht: Aber überlegtes Verhalten im Netz kann die Sicherheit verbessern. Marc Ruef von der Scip AG aus Zürich ist professioneller Hacker und kennt die Tücken des Systems. Unternehmen bezahlen ihn, um Sicherheitslücken in ihren Computer-Netzwerken zu finden.
Bevor Ruef eine Information über sich ins Netz stellt, fragt er sich stets, ob und wie sich diese allenfalls zu seinen Ungunsten oder zum Nachteil seines Umfeldes auswirken könnte. Er rät Internet-Surfern: «Keine persönlichen Dinge preisgeben – oder nur zurückhaltend.» Fotos vom letzten Trinkgelage oder politische Äusserungen in Blogs könnten sich negativ auf die Berufslaufbahn auswirken.
Tatsächlich: Laut einer Studie des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater nutzt knapp ein Drittel der Personalberater neben Bewerbungsunterlagen und Zeitungsanzeigen das Internet, um an Infos über Kandidaten zu gelangen.
Spezielle Programme zum Anonymisieren
Technische Hilfsmittel schützen vor Datensammlern. Software wie Tor, Jap, Secure Tunnel oder Johndonym verschleiert die IP-Adresse und das Verhalten eines Surfers: Entweder zerlegt sie die Daten in Bruchstücke, verschlüsselt sie oder sie stellt eine andere IP vor die eigene. Es gibt auch Dienste, welche die Daten über Server im Ausland leiten und so die Herkunft verschleiern. Solche technischen Mittel schützen vor Datensammlern wie Google Analytics. Wer diese Software nutzt, setzt sich aber neuen Gefahren aus. Denn jede zusätzliche Technik vergrössert die Angriffsfläche für Hacker.
Der Anonymisierungsdienst Tor etwa nutzt ein Netzwerk von Servern. Daten, die über diese Server fliessen, könnten ihre Betreiber selber auswerten. Um dies zu verhindern, müsste man die Daten zusätzlich verschlüsseln.
Tipps: Verhaltensregeln für mehr Anonymität und Sicherheit
14. März 2009 | Andreas Schildknecht, Redaktion K-Tipp/saldo
