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Die Zinssätze für Sparkonten sind tiefer denn je. Zugleich schröpfen die Banken ihre Kleinkredit-Kunden: Das Konto überziehen ist horrend teuer.
Geschäftsbanken können sich zurzeit bei der Nationalbank Geld zu einem Zins zwischen 0 und 1 Prozent leihen. Die Bankkunden hingegen zahlen deutlich mehr für Geld, das ihnen die Bank zur Verfügung stellt: Hausbesitzer erhalten zum Beispiel Festhypotheken mit fünf Jahren Laufzeit ab 2,5 Prozent, Liborhypotheken ab 1,6 Prozent.
GE Money Bank: Happige 14,5 Prozent Zins für einen Kredit
Nach wie vor sehr hoch sind die Zinssätze für Kleinkredite (siehe Tabelle im pdf-Artikel). Mit einem fixen Zinssatz von 8 Prozent pro Jahr kommt man bei der Berner Kantonalbank am günstigsten zu Bargeld. Etwas mehr, nämlich 8,5 Prozent Zins, kostet ein Kredit bei der Migros Bank. Cashgate verlangt 11,9 Prozent. Bei Bank-Now und GE Money Bank gibt es Kredit ab 9,9 Prozent Jahreszins – allerdings nur bei guter Zahlungsfähigkeit. Weniger zahlungskräftig eingestufte Schuldner zahlen bei der GE Money Bank bis zu 14,5 Prozent Zins für ausgeliehenes Geld.
Zinsen in ungefähr der gleichen Höhe zahlt, wer als Kunde der Credit Suisse sein Konto überzieht: Er muss nach wie vor 12,5 Prozent Schuldzinsen hinblättern. Das ist 100 Mal so viel, wie ihm die Bank an Zinsen bezahlt, wenn sein Konto im Plus steht. Am günstigsten kommen Kontoüberzieher bei der Migros Bank weg. Aber auch sie verlangt 8 Prozent Kreditzins.
Hohe Zinsen auch bei Kreditkarten: In der Regel schlagen die Kreditkartenherausgeber bei Teilzahlung von Einkäufen rund 15 Prozent drauf – hart an der Grenze zum Wucher. Das trifft auf die Karten von UBS, Credit Suisse, Cornèr Bank, Jelmoli und Viseca zu. Ausnahmen sind die Kreditkarten von Raiffeisen (10 Prozent), Postfinance (9,5 Prozent) sowie den Banken von Migros und Coop (9,9 Prozent).
Für Felix Schöbi vom Bundesamt für Justiz sind diese Zahlen erstaunlich: «Wenn das allgemeine Zinsniveau sinkt, müsste sich das bei den Konsumkrediten manifestieren.» Pikant: Noch im letzten Jahr hat der Bundesrat darauf verzichtet, den Höchstzinssatz von 15 Prozent im Konsumkreditgesetz zu senken. Jetzt bleiben die Schuldzinsen trotz Krise auf unverändert hohem Niveau, obwohl die Finanzinstitute Konsumkredite günstiger finanzieren können. Die Banken belasten ausgerechnet Kunden, die ohnehin knapp bei Kasse sind, gesalzene Beträge.
Kreditzinsen sind in Deutschland viel tiefer angesetzt
Auch für Mario Roncoroni, Geschäftsleiter des Vereins Schuldensanierung Bern, ist heute das Zinsniveau bei Kreditkarten und Konsumkrediten deutlich zu hoch: «Schweizer Konsumenten zahlen im Vergleich zum benachbarten Ausland zu viel. Dies, obwohl die Beschaffungskosten für das Geld in der Schweiz tiefer sind.» Roncoroni vermutet, dass sich die wenigen Kleinkredit-Banken gegenseitig «nicht wehtun» wollen. Er wünscht sich eine «Aldisierung»: «Ich bin überzeugt, dass das Zinsniveau sinkt, wenn jemand tiefere Kreditzinsen anbieten würde.»
Ein Blick nach Deutschland bestätigt Roncoronis Aussagen: Ein Barkredit von 10'000 Euro über eine Laufzeit von 36 Monaten ist bei durchschnittlicher Zahlungsfähigkeit des Schuldners bereits für 5,7 Prozent Zins zu haben, bei sehr guter Bonität sogar für 3,9 Prozent. Trotzdem: Eine Anpassung der Schuldzinsen nach unten ist für die Schweizer Banken kein Thema. Die UBS rechtfertigt die hohen Überziehungs- und Kreditkartenzinsen mit der «abschreckenden Wirkung». So schaffe man für die Kunden keine falschen Anreize, sich zu verschulden. Ins selbe Horn stossen auch die übrigen Banken und Kreditkartenherausgeber. Im Bereich Konsumkredite gehört die Migros Bank zu den günstigsten. Sie sei deshalb «nicht in Zugzwang», ihren Zinssatz zu senken, hält sie gegenüber saldo fest.
Maestro-Karte: Das Überziehen des Kontos wird schwieriger
Kunden der Grossbanken UBS und Credit Suisse können seit längerem mit der Maestro-Karte am Bancomaten nicht mehr Geld beziehen, als sie auf dem Konto haben. Der Grund: Beim Bezug am Automaten wird abgefragt, wie viel Geld auf dem Konto verfügbar ist. Seit Anfang Jahr verhindern auch die Raiffeisenbanken das Überziehen des Kontos am Bancomaten und seit ein paar Tagen hat die ZKB diese Beschränkung ebenfalls eingeführt. Weitere Banken werden folgen.
Die meisten Banken tolerieren aber weiterhin, dass das Konto wegen eines Dauerauftrags oder eines per Lastschriftverfahren abgebuchten Betrags für kurze Zeit einen Negativsaldo aufweist. Postfinance etwa akzeptiert ein Minus von maximal 1000 Franken während eines Monats. Auch die UBS drückt ein Auge zu, wenn regelmässig eine Lohnzahlung auf das Konto fliesst.
14. März 2009 | Thomas Lattmann, Redaktion saldo
