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Artikel | K-Tipp 05/2009

Saftlose Fläschchen

Smoothies nennen sich die modischen Getränke. Und die Hersteller bewerben sie vollmundig. Doch ein Test zeigt: Alle Produkte enthalten viel weniger Vitamine und Nahrungsfasern als die entsprechenden Früchte und Gemüse.

Apfel-Rüebli-Erdbeeren, Erdbeeren-Orange oder Orange-Passionsfrucht: Die sogenannten Smoothies zum Trinken sind in zahlreichen Varianten zu haben. Die Anbieter preisen ihre Kreationen als Wundermittel für Obstmuffel an: «Ein Shot deckt 50 Prozent Ihres Tagesbedarfs an Früchten und Gemüsen», wirbt etwa Knorr.

Doch sind die trendigen Säfte genauso gesund wie der Verzehr von echten Früchten und Gemüsen? Die Westschweizer Konsumentensendung «A bon entendeur» nahm vier Produkte unter die Lupe. Ein Labor bestimmte in einem ersten Schritt die Menge Nahrungsfasern und den Vitamin-C-Gehalt der Säfte. Dann verglichen die Tester ihre Resultate mit den Werbeversprechen: der Menge an Früchten und Gemüsen, welche die Säfte zu ersetzen vorgeben. Wie viel Vitamine und Nahrungsfasern stecken in den Früchten, wie viel im Saft? Das ernüchternde Ergebnis des Tests: Alle untersuchten Produkte enthielten deutlich weniger Vitamine und Nahrungsfasern als das entsprechende Obst und Gemüse.


Die Resultate:

  • My Smoothie (Himbeeren): Der Saft enthält weniger als 2,5 Gramm Nahrungsfasern und 4,3 Milligramm Vitamin C. Der Hersteller verspricht, eine Flasche entspreche 40 Himbeeren, 1 Apfel, 1 / 2 Banane, 15 Trauben und 7 Holunderbeeren. Insgesamt decke dieser Fruchtsaft zwei Portionen Früchte ab. Zum Vergleich: Wer so viele frische Früchte isst, nimmt 13,7 Gramm Nahrungsfasern und 70,2 Milligramm Vitamin C zu sich.
  • Smoothie Innocent (Erdbeeren, Bananen): Das Produkt enthält weniger als 2,5 Gramm Nahrungsfasern und nur 2,6 Milligramm Vitamin C. Der Hersteller verspricht, das Fläschchen entspreche mindestens zwei Portionen Früchten und decke 43 Prozent des täglichen Vitamin-C-Bedarfs. Zum Vergleich: Wer eine Banane und eine Portion Erdbeeren isst, nimmt 4,5 Gramm Nahrungsfasern und 63 Milligramm Vitamin C zu sich. Stellungnahme des Herstellers: Der natürliche Vitamingehalt der Früchte kann variieren. Und: Smoothie Innocent enthalte auch andere Früchte.
  • Fruit2day von Hero (Erdbeeren, Orangen): Aufgrund der Verpackung darf der Konsument erwarten, dass in diesem Produkt Orangen und Erdbeeren stecken. Zudem steht im Kleingedruckten: «Für Ihre tägliche Portion Frucht». Die Laboranalyse zeigt: Das Fläschchen enthält weniger als 2 Gramm Nahrungsfasern und 24 Milligramm Vitamin C. Zum Vergleich: In einer Orange und einer Portion Erdbeeren stecken 5,3 Gramm Nahrungsfasern und 118 Milligramm Vitamin C. Stellungnahme des Herstellers: Die abgebildeten Früchte nehmen Bezug auf die Sorte und nicht auf die Anzahl enthaltener Früchte.
  • Vie von Knorr (Apfel, Rüebli, Erdbeeren, Acerola): Die kleine Flasche enthält weniger als 1 Gramm Nahrungsfasern und 30,6 Milligramm Vitamin C. Der Hersteller behauptet, der Inhalt entspreche 1 Apfel, 2 Rüebli, 2 Erdbeeren sowie 1 Acerola und decke 50 Prozent des täglichen Bedarfs an Gemüsen und Früchten. Zum Vergleich: Früchte und Gemüse in dieser Menge enthalten 10 Gramm Nahrungsfasern und 50 Milligramm Vitamin C. Ursula Zybach, die jahrelang die Kampage «5 am Tag» leitete, kritisiert die Versprechen von Knorr. Knorr könne das nur tun, weil sich die Firma auf die tiefen Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation beziehe: 400 Gramm Früchte und Gemüse. Doch die Schweiz und die meisten Industrieländer rechnen mit einem Tagesbedarf von 600 Gramm. Knorr rechtfertigt sich so: Da Knorr Vie auf den europäischen Markt ausgerichtet sei, sei es einfacher, mit der internationalen WHO-Empfehlung zu arbeiten.

09. März 2009 | Pasquale Ferrara, Susanne Rufer


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