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Seit einigen Wochen sind Fernseher auf dem Markt, die den Internetanschluss bereits eingebaut haben. Aber auch ältere TV-Geräte kann man mit Hilfe von Spielkonsolen oder Zusatzboxen internettauglich machen.
Vor 12 Jahren kündete Jim Clark, Chef der damals führenden Internetfirma Netscape, an, dass in wenigen Jahren alle Fernsehgeräte über einen Internetzugang verfügen und die Computer ablösen würden. Es kam anders: Heute verzichten viele Jugendliche auf den Fernseher und schauen lieber am Computer via Internet Videoschnipsel von YouTube oder Kinofilme von kino.to.
Seit wenigen Wochen bieten nun aber Hersteller von LG über Sony bis Samsung Geräte an, die Fernsehen und Internet verschmelzen. Die meisten Internetfernseher basieren dabei auf dem System «ConnectedTV» von Yahoo. Der Fernsehzuschauer kann auf Knopfdruck am unteren Bildschirmrand Börsenkurse, Wetterberichte, Fotos oder andere Internetinhalte einblenden. Ein weiterer Knopfdruck vergrössert diese sogenannten Info-Fensterchen (Widgets) auf den ganzen Bildschirm. Wie das in der Praxis aussieht, zeigt eine Demo auf http://connectedtv.yahoo.com.
Es existieren bereits sechs Widgets, nämlich für:
Die Lösung mit den Info-Fenstern hat den Vorteil, dass man für die Bedienung weder Tastatur noch Maus benötigt. Man muss auch nicht wie am Computer lange Adressen eintippen. Stattdessen klickt man sich mit der normalen TV-Fernbedienung durchs Angebot.
Spielkonsole zum Surfen
Auch bestehende TV-Geräte kann man recht einfach internetfähig machen. Schliesst man nämlich eine Spielkonsole wie Playstation 3 an einen Fernseher an, erhält man damit auch gleich einen Webbrowser. Mit diesem kann man praktisch alle Internetseiten besuchen. Da die Spielkonsole HD-Auflösung bietet, lassen sich die Texte der Webseiten am TV-Bildschirm gut lesen. Normalerweise hat die Playstation aber keine Tastatur, man muss also eine Internetadresse mühsam mit dem Kontrollgerät auf einer eingeblendeten Tastatur zusammenklicken. Die Spielkonsole lässt sich aber mit üblichen Bluetooth-Tastaturen ergänzen. Auch die günstigere Spielkonsole Nintendo Wii bietet Internetzugang, allerdings ist die Bildqualität für Text ungenügend. Der Surfspass mit der Playstation 3 hat aber auch Grenzen: Teils lassen sich Musik- und Filminhalte auf Webseiten nicht anzeigen. Mit üblichen Flash-Animationen und den Filmen von YouTube kommt Playstation aber zurecht.
Settop-Box als Brücke
Zusätzliche Fähigkeiten bieten spezielle Settop-Boxen für den Internetzugang. Diese werden am einen Ende per Kabel oder Funk-Lan mit dem Internet und auf der anderen Seite mit dem Fernseher verbunden. Gute Geräte wie das Popcorn Hour stellen Filme und Grafiken aus dem Internet in voller HD-Auflösung dar. Bedient wird die Box mit einer Infrarotfernbedienung, wie man sie vom Fernseher kennt. Dabei verpackt die Box die Inhalte aus dem Internet in eine eigene Oberfläche. Will man beispielsweise YouTube-Videos sehen, landet man nicht auf der eigenen Webseite, sondern in einer speziellen YouTube-Filmliste. Diese lässt sich einfach ohne Maus und Tastatur bedienen. Auch andere Dienste wie die Landkarten von Google Maps, die Fotobibliothek von Picasa sowie die News von Reuters und BBC lassen sich hübsch verpackt am TV geniessen.
PC am Fernseher
Wer will, kann auch den Computer an den Fernsehapparat anschliessen. Neue TV-Geräte verfügen über spezielle VGA-Dosen, mit denen sich jeder Computer verbinden lässt. Neue Computer bieten als Alternative einen HDMI-Anschluss, mit dem sie das Bild direkt digital auf den Fernseher übertragen können. Für den «PC am TV» spricht zudem die Tatsache, dass die Rechner kleiner, günstiger und hübscher geworden sind. So gibt es für weniger als 500 Franken komplette Nettop-PC, die auf stromsparender Notebook-Technik basieren und sehr leise sind. Hier kann man unter Windows den gewohnten Browser mit allen Fähigkeiten nutzen und natürlich auch sein E-Mail-Programm verwenden. Mit drahtloser Maus und Tastatur lassen sich diese Stuben-PC auch wie gewohnt bedienen. Nebenbei werkelt ein solcher PC auch noch als DVD-Player oder spielt die eigenen Fotos als Dia-Show ab.
HD-Fernseher besser als Computerbildschirm
Dass Internet und Fernseher bisher ein schlechtes Gespann waren, lag auch an der Bildqualität. Auf einem üblichen PAL-TV mit seiner dürftigen Auflösung (768 x 576 Bildpunkte) textlastige Internetseiten zu lesen, war eine Zumutung. Doch das hat sich geändert: Selbst TV-Billigmodelle für einige Hundert Franken können bis zu 1680 x 1050 Bildpunkte darstellen. Full-HD-Fernseher bieten sogar 1920 x 1080 Bildpunkte und übertrumpfen damit die meisten Computer-Bildschirme, die oft noch mit einer Auflösung von 1024 x 768 arbeiten.
07. März 2009 | Kurt Haupt
