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Eine saldo-Stichprobe zeigt: Viele Passbilder vom Automaten genügen den Anforderungen der Einwohnerkontrollen und Passbüros nicht.
Fast jeder fünfte Bürger, der in Olten SO einen Ausweis beantragt, muss unverrichteter Dinge wieder abziehen – die mitgebrachten Passbilder genügen den Vorgaben nicht. Laut Rolf Lüscher von der Einwohnerkontrolle Olten müssen 15 bis 20 Prozent der mitgebrachten Bilder abgelehnt werden. Meist handelt es sich um Bilder aus einem Automaten: «Bei Bildern vom Fotografen klappts zu 99 Prozent mit der Qualität», so Lüscher. saldo wollte wissen, wie gut Automatenfotos wirklich sind, und hat sieben Automaten und einen Schnellfoto-Anbieter getestet. Die Fotoserien hat saldo den Passbüros der Kantone Zürich, Bern und St. Gallen zur Beurteilung vorgelegt.
Ein Sprachmenü hilft dem Kunden, richtig hinzusitzen
Wer sich im Automaten fotografieren lassen will, kommt nicht um Prontophot herum. Der Anbieter hat in der Schweiz ein Fast-Monopol. Insgesamt 1200 Fotokästen gehören der Firma mit Sitz in Dübendorf ZH. Zwei Millionen Passfotos entstehen jährlich in den Prontophot-Automaten. Eine Serie mit vier Passfotos kostet überall 8 Franken, sie lassen sich schwarzweiss oder farbig ausdrucken. saldo hat bei sechs Automaten je drei schwarzweisse und drei farbige Serien gemacht. Prontophot weiss um die Schwierigkeiten bei den Passfoto-Vorgaben und hilft daher dem Kunden mittels Sprachmenü. Das Gesicht muss genau in einem vorgegebenen Oval platziert sein. So wird garantiert, dass die Anforderungen bezüglich Format und Gesichtsgrösse erfüllt sind (siehe unten). Deshalb gab es bei keiner Bildserie Probleme bezüglich des Formats.
Zu bemängeln hatten die Passbüros trotzdem einiges. Mehrere Bilder sind zumindest teilweise überbelichtet. Auf der Stirn zeigen sich helle Flecken. «Durch das Einscannen der Bilder werden die Flecken verstärkt. Auf dem Ausweis erscheinen sie als weisse Stellen», erklärt Peter Klossner, Leiter des Passbüros Zürich. Beispiel Bild 6: Alle angefragten Passbüros hielten das Bild für zu hell. Zudem finden sich Partikel vom Drucken darauf. Wäre es aber bereits beim Passbüro gelandet, würde man den Versuch wagen: «Ob die Qualität wirklich reicht, könnte ich erst nach dem Einscannen entscheiden», so Franziska Bernhard, Bereichsleiterin des Passbüros St. Gallen.
Farbfotos schneiden besser ab als Schwarzweissbilder
Es ist aber wahrscheinlich, dass manche Einwohnerkontrolle das Bild gar nicht akzeptiert hätte. Die meisten ungenügenden Bilder schaffen diese erste Hürde nicht. Während die Einwohnerkontrollen 10 bis 20 Prozent der Bilder ablehnen, werden von den Passbüros nur noch 1 bis 3 Prozent retourniert. Auch Bild 4 fand nur bedingt Gnade. «Es ist zu dunkel und müsste auf jeden Fall aufgehellt werden», sagt Verena Berisha vom Passbüro Bern. Auch dieses Bild würde also nur unter Vorbehalt akzeptiert. Peter Klossner hält Schwarzweissbilder in der Regel für vorteilhafter, weil das Foto auch im Ausweis schwarzweiss erscheint. Trotzdem haben in der Stichprobe diese Bilder nicht überzeugt. Die Farbfotos (1 bis 3, siehe pdf-Artikel) schneiden etwas besser ab. Obwohl sie auch kleine Mängel haben, hätten sie die Vorselektion wohl alle überstanden.
Auch Prontophot ist mit den Bildern nicht uneingeschränkt zufrieden. «Bei Bild 4 sind die Einstellungen nicht korrekt, wir werden dies in den nächsten Tagen korrigieren. Bei Bild 6 liegt ein Druckerproblem vor, bedingt durch die Temperaturschwankungen. Und bei Bild 5 ist die Kabinenbeleuchtung wohl ungenügend», erklärt Adriano Iapozzuto, Leiter Kundendienst, die Mängel.
Kritik auch am 35 Franken teuren Bild vom Schnellfoto-Anbieter
Wichtig: Prontophot erstattet laut eigenen Angaben Kunden das Geld zurück, wenn Bilder durch die Behörden nicht akzeptiert werden. Der Kunde kann die Bilder mit entsprechender Begründung retournieren. Auf jedem Ausdruck sind Datum, Gerätenummer und Hotline-Nummer ausgewiesen. Die Passbüros raten, wenn möglich Fotos von Fotografen einzureichen. Diese seien qualitativ besser und würden die Vorgaben erfüllen. saldo hat keinen Fotografen, aber den Schnellfoto-Anbieter Minit Colors im Hauptbahnhof Zürich mit in den Test einbezogen. 35 Franken kosteten die mittels Kompaktkamera gemachten Fotos. Das Bild (Nummer 7 im pdf-Artikel) erhielt bezüglich Qualität gute Noten, doch zufrieden waren die Passbüros trotzdem nicht. «Der Abstand zum oberen Bildrand müsste 5 Millimeter betragen. Dies ist nicht der Fall. Zudem sind die Zähne leicht sichtbar», kritisiert Verena Berisha. Es wäre möglich, dass dieses Foto von der Einwohnerkontrolle abgelehnt würde. Der Anbieter hätte das erkennen müssen, zumal damit geworben wird, dass die Fotos für den Pass verwendet werden können.
Alter 1-Fränkler-Kasten erfüllt Vorgaben nicht mehr
Die Geschäfte der Minit-Colors-Kette werden im Franchise-System betrieben. Die Geschäftsführerin von Minit Colors im Bahnhof Zürich, Erna Bajraktarevic, spricht von einem Einzelfall. Von Behörden nicht akzeptierte Fotos würden jedoch kostenlos neu erstellt. Schliesslich liess saldo etwas Nostalgie walten und prüfte den allerletzten der früher so beliebten 1-Fränkler-Automaten an der Goldbrunnenstrasse 128 in Zürich. Die Fotos kosten 1 Franken. Die Vorgaben an gute Passfotos vermochte der Kasten nicht mehr zu erfüllen. Das Bild 8 aus dem Uralt-Automaten hätten alle Passbüros abgelehnt, weil es überbelichtet war, manche Stellen aber zu dunkel blieben. Ob Fotos gelingen, ist aber nicht nur vom Automaten, sondern auch vom Typ des Abgebildeten abhängig. «Als schwierig erweisen sich Personen mit grauen oder blonden Haaren», weiss Klossner. Auch Brillenträger haben eher Probleme, weil keine Spiegelungen und Lichtreflexe akzeptiert werden. Zudem ist häufig nicht unbedingt die mangelnde Qualität der Rückweisungsgrund, sondern das Nichtbefolgen der Richtlinien. Lachen etwa ist nicht erlaubt.
Passfotos: Die wichtigsten Richtlinien
Für den Schweizer Pass 03 werden die Passfotos eingescannt und digital weiterverarbeitet. Damit das Resultat internationalen Vorgaben genügt, hat das Bundesamt für Polizei Richtlinien für die Fotos erlassen.
28. Februar 2009 | Mirjam Fonti, Redaktion saldo
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