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Der K-Tipp hat in neun Thermalbädern die Wasserqualität getestet. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Resultate besser. Aber in zwei Bädern gabs zu viele gefährliche Legionellen. In Zurzach wurde dem K-Tipp der Zutritt verweigert.
«Nein, wir lassen keine Wasserproben zu», so die Reaktion von Dominik Keller, Geschäftsführer des Thermalbads Zurzach, als der K-Tipp Anfang Dezember Proben in Schwimmbecken und Duschen nehmen wollte. Ausgerechnet Zurzach: Dort hatte der K-Tipp vor einem Jahr die höchste Konzentration der gefährlichen Legionellen gefunden.
Anders das Thermalbad Rheinfelden: Letztes Jahr hatte es die Messung untersagt, dieses Mal gewährte man problemlos Zutritt – und Rheinfelden gehörte in der K-Tipp-Stichprobe zu den besten Bädern überhaupt (siehe Tabelle im pdf-Artikel).
Die Resultate fielen besser aus als vor einem Jahr: Bei fünf von neun Bädern lagen sowohl die Werte für Legionellen als auch die Keimzahlen unter den Werten, die als unbedenklich gelten.
Bei der Gesamtkeimzahl wiesen die beiden Aargauer Bäder Schinznach und Baden die höchsten Werte auf. Beide Bäder können die Resultate nicht nachvollziehen und betonen, dass kantonale und eigene Analysen jeweils viel tiefere Werte zeigten.
Die Gesamtkeimzahl ist eine Richtgrösse für den Hygienestandard, sagt aber nichts aus über eine mögliche Gesundheitsgefährdung. Ein solche Gefahr geht zum Beispiel von Pseudomonaden aus. Auch nach diesen Bakterien hat das Labor gefahndet. Erfreulich: Sie konnten nirgends nachgewiesen werden. Das gleiche gilt für Fäkal-Bakterien.
Anders sieht es bei den gefährlichen Legionellen aus, die sich gerne im Leitungsnetz vermehren – in Leukerbad in besonders grosser Zahl: Mit 7500 pro Liter am meisten davon fanden sich im Burgerbad. Eine Messung durch eine anderes Labor habe im Frühjahr einen Wert von 1000 ergeben, erklärt der technische Verantwortliche Jürgen Schetter. Kurzfristig wurden die Leitungen durchgespült, längerfristig soll eine spezielle Anlage die Legionellen fernhalten.
Mit 3600 Legionellen pro Liter waren die Werte in den Leukerbadner Lindnerthermen zwar nur noch halb so hoch wie vor einem Jahr. Der Wert liegt aber immer noch über dem in der Hygieneverordnung definierten Zielwert von 1000 Legionellen pro Liter. Andere Messungen hätten auch hier viel tiefere Werte gezeigt, betont Ulrike Brand von den Lindnerthermen.
Elmar Pfammatter, stellvertretender Walliser Kantonschemiker, ist über die hohen Werte nicht überrascht. In 15 Prozent der Fälle musste er die Bäder beanstanden. Auf ähnlich hohe Werte kommt der Graubündner Kantonschemiker.
Immer mehr Todesfälle
2008 wurden in der Schweiz 235 Fälle von Legionellose, der sogenannten Legionärskrankheit, gemeldet. Das sind 50 Erkrankungen mehr als im Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Auch im europäischen Vergleich sind die Zahlen sehr hoch: In der Schweiz erkrankten auf 100 000 Personen 2,8 Personen an der Lungenkrankheit. In der EU sind es nur 1,1 Personen.
Die Ansteckung mit Legionellose erfolgt über das Einatmen feinster Wassertröpfchen (Klimaanlagen, Whirlpools oder Duschen). Eine Infektion kann zu einer lebensgefährlichen Lungenentzündung führen. Besonders gefährdet sind ältere Menschen und starke Raucher. 2004 starben daran in der Schweiz 10 Menschen. 2007 waren es bereits 20 Todesfälle.
13. Januar 2009 | Stephan Dietrich
