|
(0) |
Ein Anleger vertraute einem heissen Tipp des Börsenbriefs «Investor Alert» – und verlor 97 Prozent seines Geldes. Pikant: Der Börsenbrief ist ein Werbeinstrument.
Die Rede war von «heissen Projekten», von einem «gigantischen Potenzial», von einer «extrem unterbewerteten» Aktie und von einer «glänzenden Zukunft».
Diese Superlative waren 2005 und 2007 in einem Börsenbrief namens «Investor Alert» zu lesen. Sie betrafen das kanadische Unternehmen Triangle Petroleum, das nach Öl- und Gasquellen sucht. 2007 hiess es, das Unternehmen habe in den Rocky Mountains eine neue Quelle entdeckt und das werde den Aktienkurs «in kürzester Zeit nach oben katapultieren».
Der «Investor Alert» wird regelmässig gratis per E-Mail an alle Interessenten verschickt, die ihn anfordern. Auch Antony Leonsass aus Volketswil ZH (Name geändert) erhält ihn. Er liess sich von den Lobeshymnen blenden und kaufte Triangle-Aktien für insgesamt 18 472 Franken. Diese Anteile sind heute nur noch mickrige 613 Franken wert.
Leonsass hat einen winzigen verräterischen Hinweis übersehen, der am Schluss der Börsenbrief-Ausgabe zu lesen war. Dort stand, der Herausgeber des Börsenbriefes erhalte selber ein Entgelt in Form von Aktien «für verschiedene PR-Massnahmen, zu denen auch diese Ausgabe des Investor-Alert-Newsletters zählt».
Mit anderen Worten: Der Börsenbrief verbreitet im Fall Triangle Petroleum Werbung gegen Geld. Und er hat damit ein starkes eigenes Interesse daran, dass die Aktie im Wert steigt.
Auf der Homepage ist davon nichts zu lesen. Vielmehr heisst es, man biete «einen unabhängigen Einblick in das Geschehen an den weltweiten Finanzmärkten». Besonders fatal für Anleger ist, dass sich solche eigennützigen Empfehlungen im Internet rasch verbreiten, weil sie umgehend auf vielen anderen Internet-Portalen auftauchen.
Das Börsenportal www.worldofinvestment.com zum Beispiel hat die Triangle-Empfehlung mehrfach selber als «Experten-Analyse» verbreitet. Das Team von Worldofinvestment gibt immerhin zu, dass die Beiträge fragwürdig sind. Sie wurden aber nicht entfernt.
Auch www.aktiencheck.de stellte die Triangle-Werbung kritiklos ins Netz. Auf Umwegen schafften es die Empfehlungen auch auf die Portale www.wallstreet-online.de und www.gomopa.net. «Investor Alert» hat zu den Vorwürfen keine Stellung genommen.
08. Dezember 2008 | Ernst Meierhofer, Redaktion K-Tipp
