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Wer beim Einkauf Bio-Produkte bevorzugt, zahlt mehr – zum Teil sogar extrem viel mehr. Am meisten profitieren davon die Grossverteiler.
Bio-Produkte sind teils massiv teurer als konventionell produzierte Lebensmittel. Dies stellte der K-Tipp in seinem jüngsten Preisvergleich fest (Ausgabe 15/08). So kosten etwa Bio-Rüebli bis zu dreimal so viel wie die normalen. Doch wie entstehen diese Preisunterschiede?
Der K-Tipp rechnete nach:
Für 1 Kilo Rüebli erhalten Schweizer Bio-Bauern vom Zwischenhandel gemäss Bio Suisse zwischen Fr. 1.10 und 1.20. Bis das Gemüse – gewaschen und fertig verpackt – bei Coop oder Migros ankommt, steigt der Preis auf Fr. 2.20. Der Ladenpreis kann aber pro Kilo bis zu Fr. 3.80 betragen – wie die Schweizerische Zentralstelle für Gemüsebau und Spezialkulturen (SZG) bei Migros Basel festgestellt hat. Die Marge der Migros beträgt je nach Filiale und Kanton über 70 Prozent. Bei Coop, wo ein Kilo Bio-Rüebli Fr. 3.30 kostet, liegt sie bei 50 Prozent.
Tiefere Marge, höherer Preis
Für die konventionell produzierten Rüebli bekommt ein Bauer laut SZG 50 bis 60 Rappen pro Kilo. Gewaschen, sortiert und an Grossverteiler geliefert, verteuern sie sich um 70 Rappen auf Fr. 1.20 bis 1.30. Der Konsumentenpreis im Laden beträgt aber Fr. 1.16 (M-Budget) und Fr. 1.80 (Migros Suisse Garantie) sowie Fr. 1.15 (Coop Prix Garantie) und Fr. 2.20 (Coop Suisse Garantie).
Im Durchschnitt liegt der Preis bei Migros bei Fr. 1.48 und bei Coop bei Fr. 1.67. Die Marge bei der Migros beträgt also knapp 25 Prozent, die von Coop um die 30 Prozent. Somit schlagen die beiden Grossverteiler bei konventionell produzierten Karotten markant weniger drauf als bei Bio-Produkten. Doch dazu wollten sich weder Migros noch Coop äussern.
Bio Suisse kritisiert die Preisunterschiede
Die deutlich höheren Ladenpreise im Fall von Bio-Rüebli rechtfertigen Coop und Migros in erster Linie mit höheren Produzentenpreisen. Diese klaffen aber längst nicht so weit auseinander wie die Ladenpreise der beiden Grossverteiler.
Zum Vergleich: Für ein Kilo Bio-Karotten bekommt ein Bauer Fr. 1.10 bis 1.20, für normale Karotten gerade mal die Hälfte. Der Ladenpreis für Bio liegt zwischen Fr. 3.30 und Fr. 3.80. Für konventionell produzierte Rüebli zahlt man zwischen Fr. 1.15 und Fr. 2.20.
Die viel höheren Preise der Bio-Produkte sind Bio Suisse ein Dorn im Auge. Dort heisst es: «Beim Mehrpreis darf nicht übertrieben werden. Zu grosse Preisunterschiede sind kontraproduktiv.» Auch Peter Konrad, SZG-Vorstandspräsident, kritisiert die grossen Preisunterschiede. Nüchtern stellt er fest: «Die Schere zwischen Produzenten und Detailhandel öffnet sich zunehmend weiter.»
13. Oktober 2008 | Darko Cetojevic
