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Mit falschen Versprechungen knöpft die Partner-Vermittlungsagentur VIP Partnersuchenden Geld ab.
Auf dem Markt der Partnervermittler tummeln sich viele lusche Firmen. Während Life Bernardi Jobsuchenden das Geld aus der Tasche zieht (saldo 13/08), lockt jetzt die VIP GmbH Partnersuchende in die Geldfalle. So suchten am 24. August in NZZ-Inseraten eine «wunderschöne Frau, 53 Jahre jung, Zahnärztin mit eigener Praxis» und «ein 71 Jahre junger Betriebswirt mit höchstem Niveau» einen neuen Partner.
Wer die Zürcher Nummer der Inserate anruft, landet stets bei der VIP GmbH in Düsseldorf. So erging es einer 50-jährigen Hochschuldozentin aus dem Kanton Bern. Sie zahlte im Juni knapp 10000 Franken dafür, dass ihr die VIP GmbH 16 Vorschläge liefert, die «möglichst weitgehend» ihren Wünschen entsprechen. Die ersten bekomme sie in sieben Tagen. Dann passierte wochenlang nichts. Die Kundin beschwerte sich, bekam drei Adressen – zwei Herren aus Norddeutschland, einer aus Stuttgart. Dabei hatte sie klar angegeben, dass für sie nur ein Partner in der Nähe in Frage käme: «Ich fühle mich betrogen.»
Vertrag ist nach Schweizer Recht ungültig
Über meist unpassende Vorschläge klagen weitere Schweizer Kunden der Agentur. VIP-Chef Markus Poniewas verteidigt sich auf Anfrage: «Wir sind vertraglich nicht verpflichtet, bei der Auswahl der Partnervorschläge auf räumliche Einschränkungen einzugehen.»
Die Dozentin fordert nun via Anwalt ihr Geld zurück. Dabei macht sie geltend, dass im VIP-Vertrag der Hinweis fehlt, sie könne innert sieben Tagen vom Vertrag zurücktreten. Hans Ruedi Schmid von der saldo-Rechtsberatung bestätigt: «Der Vertrag ist nach Schweizer Recht ungültig. Sie kann das einbezahlte Geld zurückfordern.»
VIP-Chef Markus Poniewas verweigerte die Erstattung, der Vertrag sei weiter gültig. Schriftlich bot er der Kundin die Zahlung von 3200 Franken an. Seine Firma stehe vor dem Konkurs. Erst auf Nachhaken von saldo hin verspricht er: In künftige Verträge werde die Rücktrittsklausel aufgenommen. Der Dozentin erstattete VIP inzwischen den vollen Betrag. Zur finanziellen Situation seiner Firma will sich Poniewas nicht äussern.
Viele Beschwerden beim deutschen Berufsverband
Der Ruf von VIP ist angekratzt: Der deutsche Berufsverband für Partnervermittler in Europa spricht von «vielen Beschwerden». Ein Branchenkenner bezeichnet die VIP-Inserate in NZZ oder «Basler Zeitung» (BAZ) als «Lockvogelangebote». Das bestreitet Poniewas: Hinter jeder Anzeige stehe eine reale, vermittelbare Person.
NZZ und BAZ sehen keinen Handlungsbedarf: «Es gibt keine Belege, dass die VIP-Inserate gegen Gesetze verstossen», sagt BAZ-Anzeigenleiterin Alexandra Heiniger. Beide Zeitungen versichern, ihre Inseratepraxis zu überprüfen, falls weitere Reklamationen eingehen sollten.
06. Oktober 2008 | Eric Breitinger
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