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Artikel | saldo 15/2008

Auktionsplattformen: Ricardo hat die Nase vorn

Wer bei Versteigerungen im Internet als Käufer oder Verkäufer mitmachen will, hat die Wahl zwischen Ricardo und Ebay. saldo sagt, welche Plattform sich für wen am besten eignet.

Rund 1,8 Millionen Schweizer nutzen gemäss dem Marktforschungsinstitut Nielson-Online Auktionsportale wie Ricardo oder Ebay. Ein riesiger Markt, den sich hier die beiden Plattformen Ricardo und Ebay aufteilen.

International ist Ebay konkurrenzlos. Die Plattform zählt weltweit laut eigenen Angaben 84,5 Millionen aktive Nutzer, über 110 Millionen Artikel sind täglich im Angebot. Ein Paradies für Schnäppchenjäger. Doch Vorsicht: Die Liefer- und Zollgebühren können ein gutes Geschäft zunichte machen. Auch die Kontaktaufnahme ist in der Regel deutlich schwieriger, besonders, wenn es zu Konflikten kommt. Zudem sind viele Verkäufer nicht bereit, in die Schweiz zu liefern.


Ricardo: Für Käufer interessant wegen der grossen Zahl an Schweizer Angeboten

saldo hat untersucht, welches Auktionshaus sich für die Nutzer in der Schweiz besser eignet. Ergebnis: Für Kaufinteressenten ist Ricardo attraktiver. Diese Plattform bietet deutlich mehr Angebote als Ebay Schweiz, wie eine Stichprobe im September zeigte: 440000 Offerten waren gemäss eigenen Angaben auf Ricardo zu finden, 223000 auf Ebay Schweiz. Beide Anbieter decken ein sehr breites Spektrum ab, von Büchern über Musik, Schmuck, Autos, Ferien bis hin zu Kleidern.

Wer mit Internet-Auktionen etwas verkaufen will, fährt mit Ebay günstiger wegen der tieferen Gebühren. Verkäufer zahlen 10 Rappen, wenn sie eine Ware zur Versteigerung anbieten. Ricardo verlangt vom Verkäufer für teure Artikel wesentlich mehr. Ein Angebot mit Startpreis 1000 Franken kostet ihn beispielsweise Fr. 1.70.

Ist eine Auktion erfolgreich, kommen Abschlussgebühren hinzu. Auch hier ist Ebay günstiger: Bei Ricardo sind dies bei einem Verkaufspreis von 1000 Franken 31 Franken, bei Ebay Fr. 26.20. Und: Je höher die Beträge, desto mehr spart man bei Ebay.

Ricardo rechtfertigt die höheren Gebühren mit der grösseren Reichweite und den Besucherzahlen. «Die Chance, den Artikel bei uns zu verkaufen, ist besser», erklärt Ricardo-Sprecherin Mojca Fuks.

Klappt ein Geschäft nicht wunschgemäss, stellt sich die Frage, wer den Schaden trägt. Ricardo zahlt Käufern und Verkäufern bis maximal 250 Franken an ihren Verlust, wobei die Geschädigten einen Selbstbehalt von 10 Prozent selbst tragen müssen. Der Käufer erhält die Entschädigung, wenn er per Bank oder Post Geld einzahlte und dafür keine Ware erhielt. Verkäufer haben dann Anspruch, wenn ein Artikel nachweislich geliefert, vom Kunden aber nicht bezahlt wurde.


Ebay: Gute Absicherung im Schadenfall

nur für Benützer des Paypal-Zahlsystems Ebay entschädigt die Käufer mit maximal 1500 Franken pro Schadenfall – und erst noch ohne Selbstbehalt. Der Schutz ist jedoch an Bedingungen geknüpft. So muss über die firmeneigene Zahlungsmethode Paypal bezahlt werden. Der Haken: Lange nicht alle Ebay-Verkäufer bieten die Zahlungsmethode Paypal tatsächlich an. Zudem steht Paypal in der Kritik, Kundengelder teilweise ohne triftige Gründe wochenlang einzufrieren. Betroffene berichten, das Geld erst durch das Einleiten rechtlicher Schritte überhaupt wieder erhalten zu haben. Und Entschädigungen für Ebay-Verkäufer gibt es gar nicht.


Benutzerfreundlichkeit und Kundendienst: User geben Ricardo den Vorzug

Fragt man die Schweizer Nutzer, welche Plattform sie bevorzugen, sprechen sich in einem Internetforum unter Auktionsplattform-Nutzern die meisten für Ricardo aus: Gelobt werden vor allem die Grösse, die Übersichtlichkeit sowie die besseren Such- und Orientierungsmöglichkeiten. Als Vorteil sehen Nutzer auch die gute Erreichbarkeit des Kundendienstes – ob per Post, E-Mail oder Telefon.

 

Tipps für Käufer und Verkäufer

Das müssen Käufer beachten:

  • Handelt es sich beim Bild auf der Plattform um ein Originalbild des Produkts oder nur um ein Symbolbild? Symbolbilder zeigen oft ein neues Produkt, selbst geknipste Bilder erkennt man in der Regel als solche.
  • Gibt es den Artikel wirklich nirgendwo günstiger? Zum Beispiel www.toppreise.ch anklicken.
  • Bei Unklarheiten unbedingt den Verkäufer fragen, und zwar vor dem Auktionsende.
  • Die Lieferkonditionen sind unterschiedlich. In Frage kommen B-Post, A-Post, Einschreiben, Kurier oder Abholung. Auf die Post verzichten, wenn man den Kauf selbst abholen kann.
  • Die Schnäppchen-Chancen für Käufer verbessern sich, wenn eine Auktion nicht zu den Hauptnutzungszeiten endet, also zum Beispiel in der Nacht. Will man für ein solches Angebot bieten, kann man bis zu einem selbst gewählten Höchstbetrag mitsteigern.

Das müssen Verkäufer wissen:

  • Zeigen Sie wenn immer möglich ein Bild der Kaufsache. Versteigerungen ohne Bilder erzielen deutlich weniger Beachtung. 
  • Wichtig ist eine klare Beschreibung, die keine Fragen offenlässt.
  • Entscheidend ist die Wahl der richtigen Kategorie und Unterkategorie. Unter Umständen lohnt es sich, das Angebot in zwei Kategorien laufen zu lassen, etwa «Uhren» und «Schmuck».
  • Auktionen mit tiefem Startpreis erzielen meist deutlich mehr Gebote. Auch ein gut gewählter Endzeitpunkt der Versteigerung erhöht die Chancen auf einen guten Abschluss. Meist wird vor Auktionsschluss am höchsten geboten, daher einen Endzeitpunkt am Wochenende oder abends wählen.

 

23. September 2008 | Mirjam Fonti


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